Schule des Rades

Arnold Keyserling

Alphysik

Eisengruppe

Hermes besitzt das Feuer, erlebt sich als Bote Gottes. Der Christ erlebt sich als Gottes Sohn, der Buddhist als Erleuchteter, und der Moslem als Freund Gottes. Doch der Mensch ist nicht nur Bote, sondern auch Brücke zwischen Himmel und Erde. Uranus, als Göttin Urania, vermittelt den Zusammenhang zwischen diesseits und jenseits als Aufgabe.

Wer einmal begonnen hat, auf Zeichen und Hinweise der Welt und jenseitiger Mächte zu achten, kommt bald zu der Einstellung, diese wichtig zu nehmen. Er fragt, wo er nicht mehr weiter weiß, mit irgendwelchen mantischen Methoden, dem Tarot oder dem Buch der Wandlungen. Er weiß, daß er aus den gleichen Elementen gefügt ist wie die Welt, erlebt diese also von gleich zu gleich und kann infolgedessen seine Stellung im Kosmos verstehen.

Erst heute mit der Überwindung des objektiven Wissenschaftsideals ist die Spaltung zwischen Subjekt und Objekt beseitigt: echte Wissenschaft ist innere Bemächtigung. Tatsächlich ist der denkende Mensch Forscher, als Person Lehrer, welche Rolle vom Kind genauso akzeptiert wird wie die von Vater und Mutter. Ohne das Gegebene zu lernen, kann man sich sprachlich nicht zurechtfinden.

Der indische Begriff Dharana — die gelenkte, auf einen Wissensinhalt gerichtete Konzentration — zeigt den Sinn, der dem Plasmazustand entspricht, worin sich fast das ganze All befindet. An dieser Konzentration kann der teilhaben, welcher gleichzeitig auch ein persönliches Motiv, ein Interesse einbringt.

Der Sinn des Weltalls ist physikalisch die Vermehrung von Information, der immer größere negentropische Reichtum. Das Wort, dessen man innewird, gleicht einem neuen Sinnesorgan; Hypothesen sind Einstiege in Weltbereiche.

Forschung und Orakel sind keine Gegensätze. Wie die Lunge zwischen Einatmen und Ausatmen pendelt und nur das Letztere Kraft erfordert, ist Fortschritt im Forschen nur möglich, wenn alles Gewußte gelehrt und weitergegeben wird.

Die Gefahr ist Neptun als Versuch, eine politische Stellung auf eine Weltanschauung zu gründen — das philosophische System. Die einzig berechtigte natürliche Systemik ist die Weltgrammatik, das Rad. Sobald ein dichterisches System beseelt wird — der falsche Neptun — dann geht der persönliche Weg verloren und damit auch die Freude, die sich im Traum als Teilnahme an den Elfen äußert.

Plasma kann nur durch Magnetfelder gelenkt werden, die Eisengruppe ist als einzige magnetisch. Sie beginnt erst im Wollenschakra (Anahata), es gibt keine Elemente im Empfinden, Denken und Fühlen.

Eisen, Kobalt und Nickel im Wollen bestimmen den reinen Forscher, der weitere kosmische Zusammenhänge integriert.

Ruthenium, Rhodium und Palladium sind Träger der Verkörperung, der Stil des Ingenieurs, während Iridium, Osmium und Platin, die härtesten Metalle, seelisch dem technischen Manager zugehören.

In Technik und Wissen gibt es nichts Negatives. Dieses wird von außen, vor allem von der Politik in das Wissen hineingetragen. Doch darf es weder Monopol noch Macht werden.

Der Mythos des entmannten Uranos bedeutet, daß es im Wissen keine Vaterschaft gibt, sondern wie erinnerlich aus dem abgetrennten Glied Aphrodite entstand: Gestalten dient dem Menschen zur Verkörperung, Wissen dagegen bedeutet Teilhabe am Himmel. Himmel und Erde sind das ursprüngliche Paar nun Großväter geworden, wie es die Indianer beschreiben; nicht mehr eifersüchtig auf Macht bedacht, sondern bergend und weisend.

Die falsche Vereinzelung des Wissens ist durch das Rad überwunden, alles Wissen ist Sprache. Und die Technik, deren Schwerpunkt im Elektromagnetismus der Eisengruppe liegt, ist die eigentlich menschliche Umwelt; nur mit Hilfe der Metalle konnte eine Zivilisation entstehen, die künftig allen die Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen wird.

Arnold Keyserling
Alphysik · 1985
Eisengruppe
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD