Schule des Rades

Arnold Keyserling

Alphysik

Uratom

Schauen wir die altsteinzeitliche Überlieferung mit den Erkenntnissen der neuen Physik zusammen, so ergibt sich folgende Kosmogonie: Im Ursprung war unser System ein Zwillingsstern, Sonne und Luzifer. Luzifer starb, wie es verschiedene Mythen berichten, die Sonne war ausgebrannt und wurde zur Supernova, Luzifer explodierte. Ein kleiner Teil mit großer Masse bestimmt heute die Grenze des Planetensystems und aus den Bruchstücken der schweren Elemente — wovon der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter den Rest enthält — entstanden in Form von Schwerkraftwirbeln die neun Planeten mit ihren Bahnen, indem sich der Sternenstaub der schweren Elemente langsam verdichtete.

In der Sonne wandelte sich über den Druck der Schwerkraft der Wasserstoff in Helium und brachte damit einerseits die Struktur des Uratoms hervor, dessen Gestalt allen Elementen ihren Platz anweist, andererseits das Licht, das das Leben auf der Erde ermöglicht. So müssen wir die Fusion des Wasserstoffs zum Helium zweifältig verstehen: als Licht entropisch — Licht ist das Produkt der Kernverschmelzung — und als Schwerkraft negentropisch, als Aufbau des periodischen Systems der chemischen Elemente, deren Elektronen in sieben Schalen um einen aus Protonen und Neutronen bestehenden Kern kreisen.

Makrokosmisch erzeugt die Schwerkraft die Bahnen der Planeten um die Sonne, mikrokosmisch bildet sie die sieben Schalen, worin sich zehn Elementegruppen eingliedern. So besteht folgende Entsprechung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos, wobei die Bedeutung der Planeten in ihrer Raumentfernung von der Sonne nur von den Indianern überliefert wurde.

0.AtomkernProton (Lichtzahl)
Neutron (Schwerkraftszahl)
Sonne
1.Periode
1H, 2He
Merkur
2.Periode
3Li, 4Be, 5B, 6C, 7N, 8O, 9F, 10Ne
Venus
3.Periode
11Na, 12Ng, 13Al, 14Si, 15P, 16S, 17Cl, 18Ar
Erde-Mond
4.Periode
19K, 20Ca, 21Sc, 22Ti, 23V, 24Cr, 25Mn, 26Fe, 27Co, 28Ni, 29Cu, 30Zn, 31Ga, 32Ge, 33As, 34Se, 35Br, 36Kr
Mars
5.Periode
37Rb, 38Sr, 39Y, 40Zr, 41Nb, 42Mo, 43Tc, 44Ru, 45Rh, 46Pd, 47Ag, 48Cd, 49In, 50Sn, 51Sb, 52Te, 53I, 54Xe
Luzifer
6.Periode
55Cs, 56Ba, 57La, 58Ce, 59Pr, 60Nd, 61Pm, 62Sm, 63Eu, 64Gd, 65Tb, 66Dy, 67Ho, 68Er, 69Tm, 70Yb, 71Lu, 72Hf, 73Ta, 74W, 75Re, 76Os, 77Ir, 78Pt, 79Au, 80Hg, 81Ti, 82Pb, 83Bi, 84Po, 85At, 86Rn
Jupiter
7.Periode
87Fr, 88Ra, 89Ac, 90Th, 91Pa, 92U
Saturn

Uranus
Neptun
Pluto
MikrokosmosMakrokosmos

Im menschlichen Kosmos werden die Elemente des Mikrokosmos und die Planeten des Makrokosmos durch die Chakras vereint. Sie lassen sich vierfältig im Rad bestimmen:

  • Vom Gewahrwerden im Osten sind die Planeten geistige Wesenheiten, die durch ihre griechischen Namen verständlich werden.
  • Von der Seele aus im Süden sind es vier Funktionen, drei Bereiche und das Gewahrsein.
  • Vom Westen her, dem Wollen, sind es körperliche Vorgänge und Organsysteme.
  • Vom Norden her, im Denken, werden sie als sieben Energieformen erlebt.

Von innen nach außen gelesen:


GötterGewahrseinVorgängeEnergie
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Hermes
Aphrodite
Artemis
Ares
Dionysos
Hera
Kronos
Urania
Poseidon
Pluton
empfinden
denken
fühlen
wollen
Körper
Seele
Geist
Sexualität
Atmung
Stoffwechsel
Kreislauf
Stammhirn
Zwischenhirn
Großhirn
Fusion
Verbrennung
Strahlung
Elektromagnetismus
Schwerkraft
Information
Fission

Jedes der Chakras weist wiederum eine zehnfältige Ordnung auf.

  1. Muladhara · Im Empfinden sind die Sinne auf bestimmte Zustände der Materie geeicht, die den Reichtum der erfahrbaren Wirklichkeit erfassen.
  2. Swaddhistana · Die Elementegruppen, die dem Denken zugänglich sind, gliedern sich sowohl geometrisch als auch arithmetisch nach ihrer Stellung im Inneren des Rades. Der Achterring ist das Zeichen der gesättigten Verbindung; doch die Eisengruppe erscheint in der vierten Schale anstelle des erwarteten Edelgases, und die Seltenen Erden in der sechsten Schale.
  3. Manipura · Im Fühlen hat der Mensch verschiedene Schwellen zu überwinden, die im Laufe eines Durchschnittslebens einander zeitlich ablösen: es gilt sie vorwegzunehmen und zu integrieren.
  4. Anahata · Im Wollen entfalten sich zehn verschiedene Lebensstile, die ihrem Vertreter ein sinnvolles Leben vom Subjekt her ermöglichen.
  5. Vishuddha · Im Körper erfahren wir die zehn Organgruppen sowohl innerlich als auch in ihrer Projektion auf die Zivilisation.
  6. Ajna · In der Seele werden sie als die Fähigkeit personaler Beziehungen erlebt.
  7. Sahasrara · Im Geist werden die verschiedenen Traum-Visionsbereiche zugänglich.

So entstehen folgende Entsprechungen, wobei wir die Planeten in der Reihenfolge der Elementegruppen als Signaturen verwenden.

Mond

  1. Pflanze
  2. Tochter
  3. Magen
  4. Wirt
  5. uterin
  6. Alkalimetalle
  7. Aufmerksamkeit

Venus

  1. Mineral
  2. Schwester
  3. Haut
  4. Gestalter
  5. Geburt
  6. Kalziumgruppe
  7. tasten

Jupiter

  1. Zwerge
  2. Mutter
  3. Milz
  4. Heiler
  5. Inbild
  6. Aluminiumgruppe
  7. Bewegungssinn

Pluto

  1. Höheres Selbst
  2. Helfer
  3. Skelett
  4. Techniker
  5. Ichstrategien
  6. Kohlenstoffgruppe
  7. schmecken

Saturn

  1. Feen
  2. Vater
  3. Gelenke
  4. Walter
  5. Norm
  6. Stickstoff
  7. hören

Mars

  1. Tier
  2. Bruder
  3. Muskeln
  4. Kämpfer
  5. biosozial
  6. Sauerstoffgruppe
  7. riechen

Merkur

  1. Feuer
  2. Sohn
  3. Gedärm
  4. Unternehmer
  5. Individuation
  6. Halogene
  7. sehen

Uranus

  1. Elfen
  2. Lehrer
  3. Lunge
  4. Forscher
  5. transpersonal
  6. Eisengruppe
  7. konzentrieren

Neptun

  1. Trolle
  2. Führer
  3. Nieren
  4. Richter
  5. Visionär
  6. Seltene Erden
  7. meditieren

Luzifer

  1. Mensch
  2. Erzieher
  3. Hirn, Herz, Leber
  4. Priester
  5. Ritual
  6. Edelgase
  7. sprechen

Jede der Gruppen zeigt, wie sich das Bewußtsein mit der Materie verbindet.

  1. Sonne · Das Gewahrsein hat einen Schwerpunkt im Licht und im Feuer, dank welchem die Materie in neun Stufen erlebt wird, die in jedem Bereich eine verschiedene Temperatur aufweist. So ist jedes Wesen sonnenhaft.
  2. Mond · Der Ruhepunkt, physikalisch 0° Kelvin, das schwarze bewegungslose Loch, ist die Aufmerksamkeit als Sinn der Leere und des Augenblicks.
  3. Venus · Der zweite Zustand ist der feste, wo Atome oder Moleküle in den Gittern schwingen. Er hat drei Formen: in den linken Elementen des Rades überwiegt das Metall, in den rechten das Nichtmetall und in der mittleren die Kristallform. Dieser Zustand wird durch den Tastsinn bewußt.
  4. Jupiter · Die Gitter schmelzen bei Steigerung der Temperatur im Schmelzpunkt; die Beziehung von fest zu flüssig wird über den bildhaften Bewegungssinn erfahren, der die Voraussetzung der Gesundheit bildet; der kinästhetische Körper lenkt über die Vorstellung den physischen.
  5. Pluto · Die Flüssigkeit unterliegt der brownschen Bewegung, tendiert zur Kugelform. Der flüssige Sinn ist der Geschmacksinn mit seinen vier Richtungen süß, sauer, salzig und bitter, der chemische Eigenschaften wie von Säuren und Laugen erspürt.
  6. Saturn · Im Siedepunkt verteilen sich die Moleküle und Atome mit Schallgeschwindigkeit im Raum; diese Bewegung als Erfahrung der Zeit erlebt der Gehörsinn.
  7. Mars · Im luftigen Zustand besetzt das Gas ein Schwerefeld; Mensch wie Tier identifizieren über den Geruchssinn — aus dessen Organ hat sich das Großhirn entfaltet.
  8. Merkur · Wird das Gas weiter erhitzt, lösen sich in der Ionisierung die Elektronen von dem Kern. Diese Schwelle bildet die Grundlage des Sehens.
  9. Uranus · Am Ende der Ionisierung geht das Gas in den Plasmazustand über, der nur magnetisch gebündelt wird und die Voraussetzung der Konzentration im Sinn des Dharana bildet.
  10. Neptun · Die Elemente erreichen im Hitzepunkt die Wandlung in Energie, die Beziehung wird tragend: die Meditation.
  11. Luzifer · Rahu · Ketu · Das Einzelwesen wird vom schwarzen zum weißen Loch, zum Durchgangstor der Schöpfung über den Sinn des Sprechens.

A l p h y s i k

Jeder Mensch hat sein ganzes Leben hindurch einen möglichen Schwerpunkt in einem der Elemente und Gruppen. Erreicht er diesen, kann er in dem Bereich für andere nützlich werden. Der Schwerpunkt äußert sich in der Art und Weise, wie er seinen Lebensunterhalt, seinen Stil findet. Hippokrates erklärte, jeder müsse für die anderen mit voller Gewissenhaftigkeit ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohl arbeiten und das Gleiche von jenen verlangen. Diese Haltung ist auch das Postulat der sozialistischen Ideologien; nur vergessen deren Vertreter, daß sie aus dem Ichbild nicht zugänglich ist, sondern das Ergebnis einer Meisterung, die nicht durch schulisches Lernen, sondern durch Wagen und Initiation erreicht wird, bildet.

Im Frühmittelalter war der Baccalaureus, der Zepterträger, der Wissende und Könnende, der Magister, der Meister aber Lehrer: es gilt das eigene Erreichnis, die errungene Information, anderen zu übermitteln. So zeigen die zehn Komponenten des Uratoms in der Meisterschaft zehn Stile:

  1. Mond · Geborgenheit in der Ernährung vermittelt der Wirt, den die Qualität seiner Zuwendung seinen Gästen gegenüber, erhält.
  2. Venus · Der sexuelle Geburtsvorgang ist das Gebiet des Gestalters, der Inhalten immer neue Form verleiht.
  3. Jupiter · Das Inbild zu erkennen ist die Arbeit des Heilers.
  4. Pluto · Der Techniker hilft, Demütigungen auf allen Gebieten in Ichstrategien zu verwandeln.
  5. Saturn · Der Walter versachlicht die Leistung, sodaß Selbstkritik und Selbstmitleid einer klaren Berufung, einem Amt weichen, das allgemeine Anerkennung findet: der Beruf ernährt den Würdigen, wie der I Ging sagt.
  6. Mars · Der Kämpfer ist immer einsatzbereit und lebt von seiner Fähigkeit des Mutes wie früher der Soldat.
  7. Merkur · Der Unternehmer verfügt über sein Vermögen, um sich und anderen ein reiches Leben zu gewährleisten.
  8. Uranus · Der Mantiker, der der Eingebung folgt, ist gleichen Sinnes mit dem wissenschaftlichen Forscher, der aus seiner Inspiration neue Wissensgebiete erschließt.
  9. Neptun · Der Visionär wird zum Dichter, aber der Richter ist imstande, aus eigener Entscheidung anderen die richtige Stellung zwischen Diesseits und Jenseits in der Gesellschaft zu schaffen.
  10. Luzifer · Sonne · Der Priester sorgt für die räumlichen und zeitlichen Riten, damit der Mensch nie den Sinn des Lebens über seine Alltagssorge vergißt.

Die Psychologie der Emotionen bestimmt die Probleme, die esoterischen Meisterschulen peilen die Ziele an, die aber wegen mangelnden Wissens nicht kritisch zugänglich waren.

Die Alphysik ist nun imstande, durch Bestimmung des Schwerpunktes auf fünf Komponenten Sinn, Organbeziehung, Personhaftigkeit, Offenbarung und Kontakt mit den kosmischen Wesen, die Gliedhaftigkeit im Menschen im All zu erreichen.

Ich halte die Weisungen so knapp wie möglich, damit der Phantasie des Einzelnen der weiteste Spielraum gelassen wird.

Arnold Keyserling
Alphysik · 1985
Uratom
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD