Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

I. Die sieben Prinzipien des Bewußtseins

Körper

Körperhaft oder körperlich ist der Materieaspekt alles Bestehenden, der Masse und Energie umfaßt, der eine beharrende raumzeitliche Struktur und eine gewisse Ausdehnung hat – vom Atom und Mineral über die Pflanze und das Tier und den Menschen bis zum letzten Stern.

Unser Körper ist ein Wunder der Vielfalt. Moleküle fügen sich zu Zellen, Zellen zu Organen; Organe sind Teile von Organsystemen, die eine bestimmte Rolle im Organismus haben. Unser Organismus ist ein Evolutionsprodukt von Milliarden von Jahren, in welchem die Kraft des Lebens und der Mutation eben das hervorgebracht hat, was wir sind.

In diesem Körper kann Bewußtsein entstehen, jener Zusammenhang des Augenblicks – gerade weil uns der Körper nicht bewußt ist. Die meisten Vorgänge des Körpers verlaufen im Geheimen. Wir bemerken ihn nur teilweise über seine augenblickliche Funktion, über seine Bedürfnisse: wenn uns der Schuh drückt, wenn wir gestalten, lieben, gehen oder schauen. Immer ist es nur ein Teil der unendlichen Vielfalt, zu dem wir Zugang finden. Niemals kann das Körperauge selbst den bescheidensten Gegenstand von allen Seiten gleichzeitig sehen. Und trotzdem können wir den Körper als Ganzes erfahren, erspüren. An dieses Erleben versuchen der Yoga und andere Methoden heranzuführen: den Körper als umfassendes Gefäß der Ruhe, als ganzheitliches Schwingungsfeld zu erleben. Selbst ein Teil des Körpers, zur Gänze erfahren, enthält in sich das Ganze.

Die Freude am Ganzen liegt in der Art des Räumlichen, der drei Bereiche: Zerfall ist der Tod des Körpers; ein Teilich ist das Verhängnis der Seele, eine Teilwahrheit ist Häresie des Geistes. So ist es leichter, einen Zeitablauf wie eine Funktion zu beschreiben als einen Bereich vollständig zu erfassen.

Überwältigend ist die Vielfalt unserer Welt. Gerade in unserem Zeitalter des Körper-denkens wird uns klar, wie sehr alles körperlich gegeben ist, was wir haben: Struktur und Programm des Genoms; unsere Anlage als Grundlage unserer seelischen Beziehungen, und auch die besondere Art unseres geistigen Auffassungsvermögens hat einen körperlichen Aspekt.

G E N
Im I Ging ist der Körper dargestellt
als Das Stillehalten, der Berg.
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