Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

I. Die sieben Prinzipien des Bewußtseins

Geist

Geist ist die Imaginationsebene, wo der Mensch dauernd zusammenfügt, zusammenschaut, Beziehungen zwischen Elementen erkennt und damit gleich der Evolution zum Mitgestalter wird. Sicher ist das ganze Universum im Zusammenhang, wir brauchen es nicht zusammenzufügen. Dem Himmel, dem Geist gegenüber braucht der Mensch nur offen zu sein; es gibt nichts zu erkennen, zu verstehen, das nicht ist. So ist der Geist letztlich immer Heiliger Geist, Teilnahme an der Offenheit des Verstehens.

Der Geist des Menschen ist einerseits als imaginale Ebene zu verstehen — wie ein Filmnegativ, worauf sich Beziehungen einprägen können. In seiner Reichweite ist er darauf begrenzt, was uns auf der jeweiligen Entwicklungsstufe des Körpers und der Seele faßbar und sinnvoll wird, was wir also verkörpern können. Andrerseits ist er die zusammenfügende Kraft, die den Zusammenhang eines Gedankens, eines Bildes, einer Arbeit mit ihrem Ergebnis, jeglicher Information erkenntlich macht; womit wir Städte bauen, Farbe und Form, Mensch und All einen, Zielsetzungen schaffen und uns tausendfältig verwirklichen.

Der Mensch ist laut Gurdjieff ein dreihirniges Wesen im Unterschied zum zweihirnigen Tier, dem das Assoziations­vermögen des Großhirns fehlt; er verfügt über diese zusammenfügende Kraft. Hat er sie oder ist er diese? Ist er von fremdem Geist besessen? Wirkt ES durch ihn — jener heilige oder kosmische Geist?

Der Geist ist wie ein Samenkorn aus dem All, das goldene Ei im Sahasrara, dem siebten Chakra, das über das sechste, die Seele, im fünften Verkörperung verlangt und das über das vierte: mein Wille = Dein Wille, über das dritte der Sehnsucht und das zweite der Überlegung im ersten, im Tun zur Auswirkung kommt. Das Samenkorn soll im Menschen fruchtbar werden. Der Heilige Geist wurde von den Aposteln in Form feuriger Zungen empfangen: er erweckte den Willen, 4, der sie zum Handeln befähigte.

Im Buch der Wandlungen wird der Geist als: Das Erregende, der Donner dargestellt.

In allen Traditionen wird die Wirkung des Geistes siebenfältig aufgefaßt: absteigend, wie im Vater-Unser, dessen Bitten mit den Chakras in Entsprechung stehen, oder aufsteigend wie im Kundalini Yoga, von der Erde zum Himmel. Aufsteigend und Befruchtet-werden sind ein ewiger Kreislauf.

Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD