Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

V. Die Fragen zum Häuserkreis

V. Körper wollen · Haus der Meisterung und des Spiels

Während das IV. Haus den seelischen Rahmen, Wohlsein, Ernährung und Sicherheit des Kleinkindes betrifft, ist das V., das Haus der Meisterung, Erziehung, und in diesem Sinne der Entfaltung der Anlage — des Kindes, das uns anvertraut ist und des Kindes in uns. Dies bedeutet auch den Durchbruch zum Wesen, zum spontanen Ausdruck der Schöpferkraft über den Körper. Das Erziehen darf also nicht in Äußerlichkeiten hängen bleiben. Die Entfaltung der Fähigkeiten soll überdies, im Gegenhaus XI, Teil des Werks der Menschheit, Teil der Kultur und Zivilisation werden.

In der Achse XI-V vollzieht sich, in Entsprechung zu Wassermann — Löwe, die Erneuerung und Wandlung unseres Zeitalters. So ist in diesen Häusern oft eine Desorientierung zu spüren. Manche Erzieher und Eltern haben zwar eine Ahnung, was ihnen wesentlich ist, sie können es aber nicht leben, nicht ausdrücken und schon gar nicht in anderen erwecken; übertragen läßt es sich ja nicht.

Im V. Haus ist der Mensch bereit sich zu bemühen; er läßt nicht locker; sei es einfach in der Einstimmung auf den Geliebten (den Partner) und die Kinder, oder in der Meisterung eines Handwerks, eines Instruments oder Gerätes, sei es das Wort in der Rede wie Demosthenes, oder die Rolle des Schauspielers, Tennisschläger und Ball. Ist es die Geige, der Arm, der Körper der die Musik hervorbringt? Die ganze Anlage wie die Geige sind gleichermaßen Werkzeug zum Spiel.

Übung ist notwendig. Übung ist nicht Wiederholung des gleichen, sondern erneuter Einsatz. Geschick und Glück sind zwei wesentliche Faktoren dieses Feldes. Geschick durch Anjochung der Anlage und Glück, aber nicht Zufall, durch den Zugang zur Spontaneität, das heißt Wirkenlassen des Ursprünglichen.

In der Kunst der Liebe wird der Mensch Mitspieler der Natur, die er nackt, wie Adam und Eva im Paradies, (dem Zeichen des Löwen,) von Augenblick zu Augenblick zu ihrer höchsten Möglichkeit erweckt, in ihrem Glanz erstehen läßt, indem er sich gibt: Feuerwerk.

Der Feuervogel, der sich in seiner Lust des Fluges, das Wunderbare der Schöpfung verherrlichend, getrost den Flammen überläßt, um aus ihrer Asche aufs neue zu erstehen, ist Sinnbild des Körper-wollens.

Feuer als Symbol des Wollens finden wir auch in den feurigen Zungen, über die der Heilige Geist sich in den Aposteln verkörperte, auf daß sie die Fähigkeit der Rede gewännen. In der Meisterung zielt letztlich jede Bemühung auf das mühelose Wirkenlassen des Wunderbaren über die eigene ruhende Mitte.

Übung nennt man den erneuten Versuch, sich zu geben und gleichzeitig empfangend offen zu sein. Sie ist niemals Vorspiel zum Spiel, sie ist immer das Spiel selbst: Leben. Sie verlangt vollständige Zuwendung in Entspannung und Gelassenheit, wie es der Yoga, die Kunst des Bogenschießens im Zen und andere Methodiken zu vermitteln suchen. Sie ist das Setzen von Ja und Nein, das auch in der Erziehung Unterlassung gebietet und

Förderung und Bestätigung gibt, um den Zugang zur Wesenskraft freizuhalten — wie das strahlende Gold von Schlacken befreit werden muß. Es gilt den Willen zu bereiten. Jede Methodik, die in die Wachheit führt, bringt diese Inbrunst, die freudige Erfahrung der Wirkkraft, die die Körperwelt in ihrem Glanz erstrahlen läßt. Das V. Haus ist das Tor zur Urkraft als Wirkkraft; dies ist der Durchbruch zur Spontaneität, die das Feuer des Lebens entfacht.

Welches ist das Gebiet, in dem ich versuche, die Wirkkraft durchzulassen? Wann wirkt ES durch mich, wann nicht, warum nicht?
Was sind meine Hindernisse: mangelndes Vertrauen in meine Anlage, in die Wirkkraft, falsche Vorstellungen, Ambitionen, Scheinen-möchten, mangelnde Liebe?
Kenne ich meinen Wirkungsbereich, akzeptiere ich meine Anlage, meine Grenzen?
Wie kann ich meine Meisterschaft fördern, wer hilft mir dazu, wer hat mir geholfen, vertraue ich mich zeitweise der Erfahrung eines Meisters an, kann ich mich unterordnen?
Wie gewinne ich Selbständigkeit, wie finde ich den Guru (Meister) in mir, bin ich der Ehrfurcht, Bewunderung fähig, schlug sie in Mißachtung um, warum?
Wo erlebe ich Stockung, Impotenz, ein nicht-Können?
Was könnte ich unterlassen, um wesentliches zu fördern?
Tue ich alles, um meine Wachheit zu erhöhen?
Ist es mir klar, daß es darum geht, die richtige Einstellung zur Übung zu finden? Mangelt es in meiner vollständigen Zuwendung oder im Lassen?
Wo bemühe ich mich zu viel, zu wenig, noch nicht entsprechend? Neige ich zur Unzufriedenheit, zur Selbstzufriedenheit, zur Trägheit? Wann möchte ich scheinen, glänzen?
Wie werde ich von selbst durchscheinend, glanzvoll?
Wo kann ich erheitern, meine Fähigkeiten ausspielen, darf mich über Bewunderung erfreuen?
Was erfüllt mich mit bewundernder Freude, wo kann ich andere anerkennen, wo bin ich unbescheiden, neidig auf das Können anderer, wo habe ich falsche Bescheidenheit?
Kann ich in der geschlechtlichen Vereinigung an die Wesensfreude herankommen?
Wie kann ich in mir, Kindern, Erwachsenen Lebensfreude erhöhen?
Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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