Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

V. Die Fragen zum Häuserkreis

VI. Geist empfinden · Haus der Arbeit

Und die Erde verlangt Arbeit. Empfinden ist gleich Erde. Wieder sind wir in einem Haus der Verwirklichung. Während das Gestalten, Gebären, Wachsen des II. Hauses eine naturgegebene Verkörperung darstellt, steht die Verwandlung des VI. Feldes im geistigen Kreuz. Der Zusammenhang Produktion — Verteilung oder Nachfrage — Erzeugung, der Anlaß aller Arbeit (die nicht jede Tätigkeit einschließt) entsteht auf der Vorstellungsebene. Die Arbeitsproblematik, die wir heute erleben, kommt aus geistigen Fehlschlüssen, so ist es auch verständlich, daß sich in der Arbeit die Frage von sinnvoll und sinnlos stellt, da die Einstellung zur Arbeit, zum Gelderwerb und Handel grundsätzlich eine geistige ist, auch wenn sie das Gebiet der sachlichen Beurteilung und Bewertung darstellt.

Oft greift man wandelnd ein, wo einem garnicht bewußt wird, zu arbeiten. Nicht jeder ist im üblichen Sinne Arbeiter, auch wenn er oder sie bereitwillig an gemeinsamen Verrichtungen teilnimmt, zugreift, wenn es etwas zu tun gibt. Ist das Kartenzwicken des Trambahnschaffners für ihn Arbeit? Er ist berufstätig, im öffentlichen Leben integriert, muß aber nicht unbedingt eine Planetenbesetzung im Haus der Arbeit haben. Auch der Autobuschauffeur, Sportlehrer, Portier braucht keine Planetenbesetzung im Haus der Arbeit.

Arbeit entspricht der Verdauung. Das Darmsystem ist in Wechselwirkung mit anderen Organen. Der Verdauungsvorgang hat im unterschied zum Herzschlag und zur Atmung Anfang und Ende.

Aber nimmt die Arbeit nicht bei manchen einen zu großen Platz im Leben ein? Sechs Tage Arbeit und ein Tag Ruhe — oder fünf zu zwei? Acht Stunden Arbeit — ist das nicht zu viel? Das sechste Haus ist doch nur eines von zwölf Feldern!

Arbeit ist das Gebiet, das in Betrieb setzt, mit anderen Feldern in reger Wechselwirkung steht. Aber sie wird tatsächlich leicht zum Sammelbegriff für Gelderwerb, Mühe, Notwendigkeit, unentrinnbares Übel. Für viele von uns ist es wichtig, diesen unverdaulichen Brocken in seine Bestandteile aufzuspalten. Wer stark in der Arbeit steckt, übersieht oft die Vielfalt der Möglichkeiten, selbst während der intensivsten Arbeit, zu lebendiger Erfahrung. Hier ist die Analyse angebracht, um die Beziehung zum ganzen Häuserkreis auch während der Arbeitszeit wieder herzustellen, um die Wirkung der verwandelnden Kraft des All zu erfahren, die uns in der Arbeit begegnet und durch uns wirkt, wenn wir sie sowohl als Arbeit am Weltfeld als auch als Arbeit an uns selbst sehen.

Wann ist meine Einstellung zu Arbeit und Verdienst entsprechend, wann ist sie es nicht, was ist daran falsch?
Neige ich dazu, zu viel zu arbeiten, oder zu wenig; schiebe ich unwichtige Arbeiten vor, um wesentlichere zu vermeiden?
Identifiziere ich mich mit der Arbeit?
Wann bin ich freudig, gelassen, zugewandt, ganz da?
Bin ich in der Beurteilung meiner eigenen Arbeit, oder der Arbeit von anderen, sachlich oder emotionell?
Wann kann ich zufrieden sein, wann bin ich unzufrieden?
Verachte ich Menschen wegen ihrer unzulänglichen oder primitiven Arbeitsweise?
Übertrage ich sachliche Kritik auf seelische Zusammenhängen?
Leide ich an Arbeitssnobismus, stürze ich mich unnötig in niedrige Arbeiten, versuche ich mit Strafaufgaben mein Gewissen zu beruhigen?
Was ist der Lohn meiner Arbeit, geistig, seelisch und materiell?
Wo erziele ich ein entsprechendes Verhältnis von Arbeitszeit, Mühe, Resultat?
In welche Arbeitsvorgänge werde ich verstrickt, so daß sie mir als Muß, als Zwang erscheinen, und welche entstammen meiner freien Wahl?
Worin besteht meine tatsächliche Leistung, meine Brauchbarkeit; wo bin ich unersetzlich, wo austauschbar?
Was möchte ich verwandeln, verbessern; wo liegt mir wirklich daran verwandelnd zu wirken?
Wie unterscheide ich in meinem Leben Tätigkeit, Beschäftigung, Arbeit?
Kann ich in der Arbeit Anfang und Ende setzen, wieder anknüpfen?
Kann ich zupacken, wenn sich Gelegenheit ergibt, übergehe ich Gelegenheiten?
Wo beziehe ich andere in meine Arbeit ein, wo kann ich es nicht?
Wie stehe ich zu Vorgesetzten, zu Untergebenen, zu Kollegen?
Wann bin ich unsicher, habe Ängste, wo kommen diese her, wie äußern sie sich?
Was ist meine Beziehung zum Geld, wann bin ich genau?
Kann ich verkaufen, günstig einkaufen, handle ich gern?
Wann fühle ich mich ausgenützt, wo nütze ich andere aus?
Wann habe ich Schaden erlitten, warum, verlange ich zu viel, zu wenig, fordere ich?
Wenn ich bescheiden bin, ist die Bescheidenheit echt, oder hätte ich gerne mehr?
Habe ich Schwierigkeiten in der Arbeitswahl, Arbeit zu finden, wann hat mich Arbeitslosigkeit belastet, welche Arbeiten belasten mich?
Kann ich auf echte Anlässe zum Arbeiten warten, oder muß ich dauernd werken; macht mich Arbeit gesund oder krank?
Wie verhalte ich mich bei schlechtem Funktionieren meines Körpers, bin ich vergrämt, ungeduldig, erleichtert, gestört; lasse ich mich bedauern, störe ich andere; wie verhalte ich mich anderen gegenüber, die kränklich oder krank sind?
Wo bringt mir die Arbeit Kraft, persönliche Kontakte, Information?
Wo und was kann ich dabei lernen, wo gewinne ich Erkenntnis und Einblick ins Leben?
Wann kann ich durch die Arbeit an weiteren Zusammenhängen teilnehmen, wann bin ich interessiert, begeistert?
Wann ermöglicht sie mir Hilfeleistung, Freundlichkeit, Liebe?
Wann bin ich gestaltend, schöpferisch, verantwortlich; gibt es Aspekte des Spiels und der Übung in meiner Arbeitszeit, wann kann ich Initiative, Spontaneität entfalten?
Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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