Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

V. Die Fragen zum Häuserkreis

X. Seele empfinden · Haus des Berufes

Die Gesellschafts- und Berufsordnung hält die Menschen auf Grund realer Funktionen zusammen. Sie verlangt, daß bestimmte Plätze mit geeigneten Personen ausgefüllt werden. Dieses Eingeordnetsein ist von vielen — in Kafkas Prozeß zum Beispiel — als Gefängnis geschildert worden. Es ist der Bereich, wo Machtausübung, Machtspiele sich unangenehm auswirken können, wo andererseits das Wesen des Menschen im Licht der Verantwortlichkeit wächst: Verantwortung im selbstlosen Zusammenwirken, im Abstimmen und Beachten von Vorgang — Ding — Mensch — Umständen in Hinsicht auf gemeinsame Verwirklichung. Dies gemeinsame Wirken zwischen Steuerzahler — Lichtversorgung — Registration — Kunstausübung — Feuerwerk…, das alle Gebiete einschließt, bleibt, wie es den seelischen Zeichen eigen ist, unterbewußt, solange man nicht direkt damit in Kontakt kommt. Vieles wickelt sich unbemerkt und unbedankt ab; die Spitzen der Hierarchie aber stehen im Licht. Die Schattierung zwischen licht und dunkel sind der Ort möglicher Intrigen, nicht selten wird schmutzige Wäsche im Licht der Öffentlichkeit gewaschen. Während es vorbildlich ist, den verlorenen Sohn im Gegenhaus IV in Liebe aufzunehmen, wird ein Vergehen in der Öffentlichkeit nicht vergeben.

Im X. Haus sind weder persönliche Ansichten, I, noch die gesellschaftliche Position, VII, oder die Herkunft, IV, ausschlaggebend, sondern die Sachkenntnis im wirklichkeitsgemäßen Handeln und die Fähigkeit menschlicher Verantwortung.

Der Staatsmann spricht nicht im eigenen Namen. Der Angestellte und Funktionär hat seine begrenzte Kompetenz, in fraglichen Angelegenheiten beruft er sich auf den nächst Höheren. Wenn er nach bestem Wissen und Gewissen handelt, wird er sich als Vertreter, Verwalter eines höheren und gemeinsamen Anliegens wissen, das ihn befugt oder zwingt einzugreifen.

Im ersten Lebensdrittel ist der Schwerpunkt auf der körperlichen Entwicklung, im zweiten auf der seelischen Reife, das dritte aber, mit den letzten vier Häusern, setzt eine geistige Entfaltung voraus, um menschheitlich positiv wirken zu können. Das Fehlen einer geistigen Orientierung und Einstellung macht sich in den letzten vier Häusern besonders bedauerlich bemerkbar.

Auch wer im X. Haus nicht aktiv wirkt, wird auf irgendeine Weise am öffentlichen Leben teilnehmen, sich selbstlos der Angelegenheiten anderer (die öffentlich auftreten) annehmen, ihr Vertrauen gewinnen, weil sie sich auf ihn (sie) verlassen können.

Wo kann man sich auf mich wirklich verlassen, auf meine Unterstützung rechnen, mir vertrauen?
Habe ich berufliche Anerkennung, Stellung nötig um zu wirken?
Kann ich mir innerhalb einer Institution Achtung und Stellung verschaffen oder scheitere ich? Warum?
Kann ich Streben in Selbstlosigkeit schätzen, verwirklichen? Achte ich öffentliche Stellung und Hierarchie übermäßig, zu wenig?
Wie verkehre ich mit Ämtern, offiziellen Personen, beachte ich ihre Berufsbezeichnungen und Titel?
Sehe ich meine Funktion und die der anderen im richtigen Zusammenhang?
Erwarte ich mir bevorzugte Behandlung? Bin ich voreingenommen, beleidigt, schimpfend?
Welche Umstände bieten mir Staat und Administration? Nütze ich sie, bin ich mir der Annehmlichkeiten bewußt?
Wahre ich den nötigen Abstand in offiziellen und beruflichen Kontakten oder versuche ich mich Liebkind zu machen?
Kann ich im Bestehenden festigend und wandelnd wirken, oder tendiere ich zum Stören und Aufruhr?
Kann ich objektive Belange sachlich und trotzdem persönlich behandeln, so daß jeder Mensch für mich zum Ziel meines Handelns wird?
Welche Schwächen nehme ich mir im öffentlichen Auftreten übel? Was kann ich dagegen tun?
Kann ich mich im Zusammenwirken auf meine Aufgabe begrenzen? Wo stoße ich an, wo nehme ich Anstoß?
Hege ich höheren Beamten, Institutionen gegenüber Mißtrauen?
Wo scheinen mir die Umstände im öffentlichen Leben nicht die bestmöglichen? Wo bin ich befugt, berufen einzuwirken? Wie wirke ich ein?
Wie kann ich Eintracht und guten Willen verbreiten?
Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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