Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Anlage als Weg

V. Die Fragen zum Häuserkreis

XII. Geist fühlen · Haus der Einsamkeit

In Des Großen Übergewicht (I Ging) heißt es:

So ist der Edle, wenn er allein steht, unbesorgt, und wenn er auf die Welt verzichten muß, unverzagt.

Dies ist eine schöne Schilderung der Einstellung, die das XII. Haus erfordert und bringt. Das Alleinsein kann sich auch inmitten des Lebens vollziehen. Es bedeutet den geistigen Schritt, sich von emotioneller und materieller Verhaftung, die Schuld und Leiden schafft, zu lösen, um sich auf das Allumfassende zu beziehen. Es ist ja auch das Haus des Heilers, der sich mit dem Leiden anderer befassen kann, weil er nicht selbst darin steckt.

Ich habe mich getrennt
(von emotioneller Bindung)
und in geistiger Liebe geeint;
dort wo wir Menschen alle
im Schnittpunkt des Unermeßlichen
das Entsetzen vergessen.

Der Ungebundene ist jener Anteilnahme fähig, die jenseits von Sentimentalität und falschem Mitleid für alle da ist, die gibt ohne sich zu vergeben, wie wir es im Ideal des Heiligen, des Heilers und Helfers, Priesters sehen.

Zu Orten der Abgeschiedenheit gehören auch Spitäler und Gefängnisse, — sie sind für viele lösend, erfüllend, befreiend, jedenfalls jenseits des täglichen Pflichtenkreises.

Das XII. Haus sieht den Menschen in seiner möglichen Vollendung und versucht ihn, sei es körperlich oder geistig, dieser anzunähern. Das Streben nach einer heilen Welt kann verschiedene Formen der Erfüllung, Erholung, Regeneration finden. Auch Bergwanderungen, sportliche Leistungen bringen manchen jene Erhabenheit über das tägliche Bemühen, das andere vielleicht im Lesen, malen, ja sogar im Alkoholgenuß oder der Meditation finden.

Wie sehe ich den Zusammenhang von Mensch und All?
Was bedeutet mir Unsterblichkeit, — woran glaube ich wirklich?
Wie weit reicht mein Weltbild, ist es statisch, wandelt es sich, was bewirkt mein Weltbild für mich?
Was bedeutet mir Vollendung und Streben?
Kann ich Ideale haben und sie gleichzeitig durchschauen?
Kann ich Dinge, Menschen mit Liebe durchschauen?
Kann ich Geschehnisse, Menschen, am Hintergrund meines weitesten Ganzen erleben?
Wann verliere ich den Zusammenhang, wie finde ich ihn?
Kenne ich meinen Platz im Ganzen?
Was ist für mich wirklich heilsam?
Wo glaube ich anderen helfen zu können, wo nehme ich Hilfe an? Wann habe ich Dankbarkeit gespürt? Wann habe ich mich von Liebe umgeben, durchströmt gefühlt (jenseits von seelischer Bindung)?
Habe ich meine höchste Möglichkeit verraten, — wann und wo?
Habe ich falsche Bescheidenheit? Was ist meine Würde, Ehre, Ruf? Wo sind sie Schein, wo werden sie durchscheinend?
Was opfere ich? Welches Opfer ist, wäre wirklich sinnvoll?
Opfere ich mein Leiden, Ängste, Selbstmitleid?
Kann ich die Schwächen und Laster anderer sinnvoll einbeziehen?
Kann ich die eigenen Laster und Fehler konstellieren, so daß sie Teil meiner Wirkkraft werden?
Kann ich die Versuchungen in sinnvolle Handlungen ummünzen?
Was ist meine größte Versuchung? Ist sie es wirklich oder nur in der Vorstellung? Wie kann ich sie als Gefährt verwenden?
Kann ich Krankheit und Leiden als Läuterung verstehen?
Was bedeutet, was ersetzt für mich die Einstellung des Gebets? Wo wäre sie ein Sichanhängen (Gefahr des Fühlens), wo könnte sie in Befreiung, Erlösung führen?
Was bedeutet in unserer Zeit Gnade? Kann sich der Mensch selbst die Gnade erteilen, sich der Gnade öffnen?
Wie kann er in der Liebe leben?
Wilhelmine Keyserling
Anlage als Weg · 1988
Theorie und Methodik der Astrologie der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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