Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Ars Magna

II. Mantik · Das Tor des Ostens

III. Fühlen

Des Großen Übergewicht
28. Da Go - 1/III Empfinden unter Fühlen
Fühlen unter Empfinden ist innere Wahrheit, Einklang mit Wesen und Welt; Empfinden unter Fühlen Eintritt in die Affektivität als Erleben des Alleinseins. Empfinden und Denken sind als Funktionen in der Wirklichkeit zugänglich, Fühlen und Wollen verlangen den Einstieg ins Imaginale.
Die Firstbalken biegen sich durch; man muß sich auf die innere Mitte verlassen. Wie beim Empfinden ist es förderlich zu haben, wohin man geht. Doch hier ist der Ansatz des Fühlens, das als Funktion jenseits des Schmerzes und des Todes beheimatet ist, das Erleben und Annehmen der Einsamkeit: so ist der Edle, wenn er allein ist, unbesorgt, und wenn er auf die Welt verzichten muß, unverzagt.
Die Umwälzung · (die Mauserung)
49. Go - 2/III Denken unter Fühlen
Fühlen erfaßt die Energie der Zeit, vertraut sich der inneren Macht an. Am eigenen Tag da findest du Glauben, man beginnt eine eigene Geschichte; erhabenes Gelingen, der Segen ist im Anfangen. Fördernd durch Beharrlichkeit: das Denken muß konsequent die eingeschlagene Richtung fortsetzen. Eine neue eigene Zeit beginnt den persönlichen Sinn jenseits der Anpassung an die Welt, die die vorigen beiden Reihen kennzeichnete, zu aktualisieren. Nun ist man selbst Herr der Zeit: so ordnet der Edle die Zeitrechnung und macht die Zeiten klar.
Das Heitere, der See
58. Dui - 3/III Fühlen unter Fühlen
Das Heitere bringt Gelingen, günstig ist Beharrlichkeit. Hier beginnt die neue affektive Gemeinschaft: so tut sich der Edle mit seinen Freunden zusammen, zur Besprechung und Einübung. Nur in der Freude, der Heiterkeit, die auf der anerkannten Befriedigung der Bedürfnisse beruht, läßt sich eine emotionell fruchtbare Gemeinschaft begründen.
Die Sammlung
45. Tsui - 4/III Wollen unter Fühlen
Wird das Wollen unter die Wünsche gestellt, so entsteht die Sammlung. Sie bedeutet eine neue religiöse Gemeinschaft, einen Ansatz, der etwas Großes in die Welt bringt. Der König naht sich seinem Tempel; nur der Mächtige ist dazu imstande. Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen, damit man den Zusammenhang mit dem Ganzen, den Sinn nicht verliert und durch Übermut zu Fall kommt.
Fördernd ist Beharrlichkeit, große Opfer zu bringen schafft Heil; fördernd ist es, etwas zu unternehmen. Große Opfer bringen große Kräfte, der Himmel kann nur mitwirken, wenn man ihm die Gelegenheit dazu gibt. Doch damit greift man über die Erde hinaus in die Welt der Geister und muß sich gegen deren Angriffe wappnen: so erneuert der Edle seine Waffen, um Unvorhergesehenem zu begegnen.
Die Einwirkung · (die Werbung)
31. Hiën - 5/III Körper unter Fühlen
Das Wollen der Sammlung ähnelt einem gegründeten Reich, das nun im nächsten Zeichen lebendige Kontinuität findet. Gelingen, fördernd ist Beharrlichkeit. Ein Mädchen nehmen bringt Heil. Eine neue Wesenheit bereichert die Erde, die andere zur Mitwirkung anregt, wenn der Mensch die Leere, den dunklen Mittelpunkt in sich erreicht, so nimmt er durch die Qualität seines Leerseins die Menschen auf.
Die Bedrängnis · (die Erschöpfung)
47. Kun - 6/III Seele unter Fühlen
Wer sich allen Eindrücken öffnet, alle Menschen an sich herankommen läßt, gerät in die Erschöpfung, die Bedrängnis. Doch das Urteil heißt hier Gelingen, die Situation des auf sich selbst zurückgeworfen Seins wird vom Himmel gesegnet. Der große Mann ist von Heil; wenn man ihn aufsucht, gewinnt man wieder Hoffnung, die einem die Genossen nicht geben können: wenn man etwas zu sagen hat, wird es nicht geglaubt.
Diese Haltung verlangt ein größeres Zusichstehen als die bisherigen Zeichen des Fühlens: so setzt der Edle sein Leben daran, um seinem Willen zu folgen.
Die Nachfolge
17. Sui - 7/III Geist unter Fühlen
Ein älterer Mann stellt sich unter ein junges Mädchen, um es zur Nachfolge zu bewegen. Er ordnet sich dem Eigengesetz einer geistigen Neuschöpfung unter, das hat erhabenes Gelingen. Fördernd ist Beharrlichkeit, kein Makel. In solchen Zeiten darf man sich keine Sorgen machen, weil sie die Reinheit des Wachstums stören, sondern muß guter Dinge sein: so kehrt der Edle zur Zeit des Abenddunkels zur Erholung und Ruhe ein.
Der Durchbruch · (die Entschlossenheit)
43. Guai - 8/III Pleroma unter Fühlen
Das letzte Zeichen des Fühlens ist die eigene Wahrheit, zu der man kompromißlos steht: entschlossen muß man am Hof des Königs die Sache bekannt machen. Der Wahrheit gemäß muß sie verkündet werden; es bedarf keiner diplomatischen Verschleierung. Gefahr. Man muß die eigene Stadt benachrichtigen. Nicht fördernd ist es zu den Waffen zu greifen — niemals ist im I Ging Kampf förderlich. Es gilt friedliche Entscheidungen zu setzen, die Früchte tragen werden: fördernd ist es, etwas zu unternehmen.
Arnold und Wilhelmine Keyserling
Ars Magna · 1982
Kriterien der Offenbarung
© 1998- Schule des Rades
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