Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Ars Magna

II. Mantik · Das Tor des Ostens

VIII. Pleroma

Das Entgegenkommen
44. Gou - 1/VIII Empfinden unter Pleroma
Für den Menschen in der tonalen Entwicklung seiner Anlage auf dem Weg zur sozialen Anerkennung kommt eine Warnung: das Mädchen ist mächtig, man soll ein solches Mädchen nicht heiraten. Die Verführung ist nur auf dem geistigen Weg positiv zu verstehen. Was persönlich schwierig ist, wird kosmisch zur Einweihung: wenn Himmel und Erde zusammentreffen, so kommen alle Geschöpfe in feste Linien. Groß ist wahrlich die Zeit des Entgegenkommens.
Gemeinschaft mit Menschen
13. Tung Jen - 2/VIII Denken unter Pleroma
Richard Wilhelm sprach im letzten Vortrag vor seinem Tod über diese freie Gesellschaft der Zukunft: wenn einmal die Welt in zwei gegensätzliche Lager gespalten sei — was 1931 undenkbar war, heute aber der Fall ist — dann werde sich gemäß Konfuzius die freie Gesellschaft als Drittes bilden, ohne von den beiden bemerkt zu werden. Das Urteil hat Gelingen. Fördernd ist es, das große Wasser zu durchqueren, also der Geschichte eingedenk zu sein. Fördernd ist des Edlen Beharrlichkeit; der Gemeine kann diese Zeit nicht verstehen. Es gilt die neue Welt genau zu artikulieren, auf daß sie organisch wachse: so gliedert der Edle die Stämme und unterscheidet die Dinge.
Das Auftreten
10. Lü - 3/VIII Fühlen unter Pleroma
Der freie Mensch findet die Kraft der Natur, des Dionysos, als Hilfe: Auftreten auf des Tigers Schwanz. Er beißt den Menschen nicht; Gelingen. Die Triebhaftigkeit in ihrem Ungestüm zerstört den Menschen nicht mehr. So unterscheidet der Edle hoch und niedrig und festigt dadurch den Sinn des Volkes; zur horizontalen Ordnung des letzten Zeichens tritt die vertikale, die die Berufung nicht von Menschen sondern vom Himmel erfährt.
Die Stockung
12. Pi - 4/VIII Wollen unter Pleroma
Im Alltagsleben ist sie negativ bewertet: der Mensch läßt sich nicht durch Einkünfte ehren; er zieht sich auf seinen inneren Wert zurück, um den Schwierigkeiten zu entgehen. Die Welt kann ihn nicht mehr anerkennen; er muß selbst zum Kaiser werden, der seine Person in Ordnung bringt, damit die Welt in Ordnung sei. Der chinesische Herrscher zog sich während des Löwemonats zwölf Tage ins Ming Tang zurück, um seine Wirkung aus allen Tierkreiszeichen her zu prüfen. Dem gleichen Zusammenhang waren in Europa die zwölf heiligen Nächte (Rauhnächte) zwischen Weihnachten und dem sechsten Januar gewidmet, wo der Himmel offen stand, und im Islam der Ramadan; 12 Tage unterscheiden das Sonnenjahr vom Mondjahr. Hier muß der Mensch für die eigene Berufung vor dem Pleroma einstehen, kann sich auf niemand verlassen: schlechte Menschen sind nicht gut für die Beharrlichkeit des Edlen.
Der Rückzug
33. Dun - 5/VIII Körper unter Pleroma
Das Neue fängt klein an, man muß sich im Tonal auf haltbare Stellungen zurückziehen. Gelingen. Im Kleinen ist fördernd Beharrlichkeit. So hält der Edle den Gemeinen fern, nicht zornig, sondern gemessen; er gibt sich keine Blößen, die angegriffen werden können.
Der Streit
6. Sung - 6/VIII Seele unter Pleroma
Und doch wird er angegriffen, es kommt zum Streit, weil Geist sich nur auf der Erde verwirklichen kann und der Macht bedarf. Man darf die Wahrhaftigkeit nicht zu weit treiben: sorgliches Innehalten auf halbem Weg bringt Heil, zuende führen bringt Unheil. Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen; damit man den Sinn der Lage versteht, die einem ungerecht scheint. Nicht fördernd ist es, das große Wasser zu durchqueren. Diese Lage ist nicht historisch, sondern persönlich, die Stunde der Wahrheit, aus der allein der Mensch in der dunklen Nacht der Seele zum Durchbruch kommt.
Die Unschuld · (das Unerwartete)
25. Wu Wang - 7/VIII Geist unter Pleroma
Das Höchste, was ein Mensch erreichen kann, ist die Unschuld. Erst von ihr aus kann er das Pleroma rein empfangen. Erhabenes Gelingen, fördernd ist Beharrlichkeit. Doch wenn jemand nicht recht ist, so hat er Unglück, und nicht fördernd ist es, irgendetwas zu unternehmen.
Dieser Zustand ist die Rückkehr zum Ursprung: alle Dinge erreichen den Naturzustand der Unschuld. So pflegten die alten Könige, reich an Tugend, und entsprechend der Zeit alle Wesen.
Das Schöpferische
1.Kiën - 8/VIII Pleroma unter Pleroma
Die Erreichung des Einklangs mit der Zeit und der Inspiration ist das Ziel des Buchs der Wandlungen. Im Urteil sind alle vier Komponenten des Sinnes dargestellt: das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit; der Mensch lebt nur in den Anfängen, wird vom Himmel gesegnet, und vertraut auf die Beharrlichkeit seines Strebens. Hierbei darf er nie nachlässig werden: so macht der Edle sich stark und unermüdlich.
Das Schöpferische ist man nicht, man hat daran teil. Und doch ist Gott das tiefste Subjekt des Wesens. Nicht in Gott zu sein ist Illusion und Krankheit, die Teilhabe zu erreichen ist Gesundung und Rückkehr zur Normalität.

In den Wandlungen finden wir die Klaviatur, wie das persönliche Leben durch Orakel oder Innewerden mit den Inspirationen des Ostens einswerden kann. Im Horoskop hat jeder Mensch sein Ich im Aszendenten und kann durch Erkenntnis der Gesetze der Wandlungen immer wieder seinen Sinn finden. Darum ist ihr Weg der leichteste Überstieg vom Tonal zum Nagual.
Aber nur alle vier Tore gemeinsam können den Menschen im wahrhaft kosmischen Bewußtsein verankern. Im I Ging nimmt man die Inspiration gläubig auf. Durch das Tor des Nordens, des Verständnisses der Numerologie, zeigt sich der persönliche Einstieg zur Integration im Sinne des Polarsterns und damit der Zugang zur Macht.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Ars Magna · 1982
Kriterien der Offenbarung
© 1998- Schule des Rades
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