Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Ars Magna

I. Astrologie

Licht

Das Gesetz des Sehens ist durch die Qualität der Farbwahrnehmung gegeben. Die Farben entstehen aus dem Gegensatz von Lichtfarben und Pigmentfarben. Ihr Zusammenhang wird durch das Modell der Erde veranschaulicht, dank welchem alle Parameter der Farbwelt dreidimensional begreiflich werden. Der Nordpol sei weiß, der Südpol schwarz. Zwischen Nordpol und Südpol verläuft die Grauachse. Die Oberfläche der Kugel zeigt die klaren Farben, nach innen zu werden sie trüb. Alle Pigmentfarben lassen sich aus den drei Grundfarben blau, gelb und rot herstellen, sodaß ihre mechanische Mischung die genaue Ordnung in allen Schichten der Kugel bestimmen kann.

F a r b r a u m

Jede Farbe hat ihren Gegenpol, mit dem zusammen sie in den Pigmenten grau ergibt: violett mit gelb, rot mit grün und blau mit orange. Hieraus läßt sich am Äquator des Modells ein zwölffältiger Farbkreis gleicher Helligkeit darstellen, der das erste Mal vom Chemiker Wilhelm Ostwald verwirklicht wurde.

F a r b k r e i s

Die Gegenfarben der Pigmente, die zusammen silbergrau ergeben, erzeugen im Licht weiß; weiß läßt sich überhaupt nur aus der Mischung entgegengesetzter Lichtfarben erzeugen. Die Farben des Lichtes entsprechen aber nicht dem Äquator der Kugel, im Regenbogen ist Gelb heller als Violett. So ist der Lichtkreis der Farben gleicher Helligkeit zum Äquator um ein Achtel im Halbkreis geneigt, was genau der Ekliptik der Sonnenbahn im Verhältnis zur Erde entspricht.

Die Pigmentfarben auf der Erde bedeuten, daß der Gegenstand das Gegenteil der Farbe im Licht absorbiert, die er zeigt. Der Regenbogen der Sonne hat kein Purpurrot, doch das Chlorophyll der Pflanzen, jenes Molekül, das die Synthese der Kohlenwasserstoffe ermöglicht, verlangt als Gegenfarbe Purpur als Vereinigung von Violett und Rot. Ferner ist der Purpurkörper im Auge die Grundlage der Farbwahrnehmung. So ist das Wesen jedes Gegenstandes weiß; jede Pflanze hat ein weißes Wesen, da sie ihre Gegenfarben absorbiert.

Licht besteht zwischen Emission und Absorption. Reines Licht ist strahlend, pflanzt sich mit der Lichtgeschwindigkeit von etwa 300.000 km pro Sekunde im Raum fort. Dies ist die absolute Geschwindigkeit der Energie, die linear vorgestellt wird. Ihr Gegenpol ist die absolute Unbeweglichkeit, das schwarze Loch, das Licht aufnimmt und nicht wieder herausläßt. Dieser physikalische Sachverhalt macht uns etwas Wesentliches klar: da das Bewußtsein der Ruhe keine Bewegung kennt, und keine Bewegung in der Materie den absoluten Nullpunkt oder Kältepunkt bedeutet, so muß die Bewußtseinsmitte des Menschen und jeglichen Wesens ein schwarzes Loch sein, oder mit anderen Worten die Fähigkeit beinhalten, total aufnehmend zu sein, genauso wie wir es früher besprochen haben.

Im absoluten Nullpunkt, minus 273° Celsius, gibt es nur Ruhe. Im festen Zustand besteht bereits eine Wärme; die Moleküle schwingen in den Kristallgittern. Dieser Zustand wird durch den Tastsinn erfahren, mit Druck- und Härtesinn, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn. Durch den Tastsinn, der auch die Eigenbewegung erfaßt, wird die Welt des Empfindens bewußt, das Element der Erde.

Wird die Geschwindigkeit höher und der Stoff wärmer, so schmilzt er und es kommt zum flüssigen Zustand, der nach der Kugelform strebt, wie beim Wassertropfen und auch der Erde, bei der die feste Kruste nur einen Bruchteil ihres Volumens ausmacht. Das wässrige Element, das immer nach Gleichgewicht im Rahmen seiner Form strebt, ist die sinnliche Grundlage des Fühlens, der inneren Signale, die die Struktur des Organismus aufrechterhalten wollen. 74 % des Körpers ist Wasser; hier vollzieht sich im flüssigen Bereich der Stoffwechsel; die Aufrechterhaltung des Organismus verlangt dauernden Austausch im Rahmen einer gegebenen labilen Struktur. Das Fühlen beruht auf essen und gegessen werden, schließt also im Unterschied zum objektiven wirklichkeitsbezogenen Empfinden das subjektive Erleben der Triebe ein. Über süß, sauer, salzig und bitter erlebt der Geschmackssinn das flüssige Medium; der Mensch erfährt die chemischen Prozesse, die auch seine Energie bestimmen.

Wird die Flüssigkeit weiter erhitzt, so verdampft sie, und die Moleküle breiten sich mit Schallgeschwindigkeit im Raum aus. Das gasförmige Medium ist die Welt des Denkens, das in engem Zusammenhang mit der Atmung steht. Auf jede Inspiration muß Expiration folgen. Wissen kann man nicht zurückhalten, es verlangt nach Kommunikation, die im sprechen über das Medium der Luft erfolgt.

Wird die Materie noch weiter erhitzt und gerät in noch schnellere Bewegung, so geht sie schließlich in die reine Energie des Lichts, in Strahlung über. Damit ergibt sich als viertes Element in der Beschleunigung und Verringerung der Geschwindigkeit das Feuer als Teil des Lichtes und als Grundlage des Wollens, das aus der geistigen Energie der Bilder deren Verkörperung in Gedanken, Gefühlen und Empfindungen schafft, wenn der Mensch seiner inneren Leere, seines schwarzen Loches, seines Nichts als Wesensgrundes bewußt bleibt.

Die entropische Welt ist die Masse, die negentropische die Energie; zwischen beiden befindet sich die Information. Philosophisch bezeichnet man die kreisende Energie der Masse als Körper, das Wechselverhältnis zum energetischen Umfeld als Geist, und die Vereinigung beider Welten in der Information als Seele. Die vier Elemente Feuer, Erde, Luft, Wasser entsprechen den Funktionen Wollen, Empfinden, Denken, Fühlen. Aus ihrer Wechselwirkung entsteht der Bewußtseinsrahmen der zwölfgeteilten Sonnenbahn der Ekliptik, des Tierkreises. Damit ist die Grundlage der astrologischen Symbolik aus der Phänomenologie erwiesen.

  • Körper, Seele, Geist und die Beziehung zum göttlichen Ursprung sind raumhaft, verharren in der Zeit, und sind im Uhrzeigersinn zu begreifen.
  • Wollen, Empfinden, Denken und Fühlen sind zeithaft, verlaufen gegen den Uhrzeigersinn.

Hieraus ergibt sich die Bedeutung des Tierkreises als Projektion des Bewußtseinskreises, als Urbild der inneren Visionen; in diesem Schema ist die Gesamtheit aller Erfahrungen und Erlebnisse des Bewußtseins zu integrieren. Der Tierkreis ist das Menschenbild, in dem der Einzelne sich geistig als Teil der Gattung — des Menschen im All — erlebt. Es ist das Urschema des Wissens, in dem alle Erfahrungen ihren Platz finden. Somit befindet sich das Erleben der sinnlichen Qualitäten im rechten Gehirn und ist energetisch; der Unterschied einer Erfahrung im Traum zu einer solchen im Wachen wird mir erst nach dem Aufwachen klar.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Ars Magna · 1982
Kriterien der Offenbarung
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD