Schule des Rades

Arnold Keyserling

Atlas des Rades

Einführung

Das Rad ist das älteste Symbol der Menschheit; es ist der numerologische Schlüssel zur Weltweisheit. Während es unzählige Sprachen und Traditionen gibt, zeigt das Rad überall die gleiche systemische Struktur: ob es nun das buddhistische Rad der Lehre ist, das chinesische Symbol des Tai Chi, das indianische Rad des Gesetzes, der finnische Sampo, die pythagoräische Veranschaulichung der Dimensionen und Rechnungsarten, oder die zahllosen Räder der Rosenkreuzer, mit denen sie das Wissen hinter dem Wissen, die Esoterik oberhalb der Sprache beschreiben wollten. Wenn das gekreuzte Rad in einer Vision auftaucht, bedeutet es nach C. G. Jung die psychische Integration.
Tatsächlich ist das Rad viel älter. Es wurde in der neolithischen Revolution konzipiert vor elftausend Jahren und vereint die Kriterien von Raum, Zeit und Zahl, die einem ein Dasein zwischen Traum und Wirklichkeit, Tod und Leben ermöglichen.

Da wir nun einen neuen Schritt der Menschheit begonnen haben, vom ideologischen Bewußtsein zum globalen Gewahrsein, spiegelt es die Weltgrammatik, den möglichen Sinn hinter aller Bedeutung. Es gehört nicht den religiösen Überlieferungen zu, sondern jener der Weisheit, und ist für Menschen nützlich, die ihren eigenen Weg vom Dunkel zum Licht, zur Befreiung gehen wollen. Astrologisch ist es das Symbol der Erde im Kosmos. Seine Anschauung ermöglicht uns, von dem vereinzelten assoziativen Bewußtsein in das kosmische Gewahrsein überzuwechseln und eine Methodik zu entfalten, die nicht an das traditionelle Verhältnis von Lehrer zu Schüler gebunden ist.

Das Rad ist eine geistige Landkarte, mittels derer jener sich zurechtfindet, der den eigenen Weg zur Selbstverwirklichung auf einen persönlichen Auftrag, einem Mandat des Himmels oder einer frei gewählten Aufgabe beginnt.

Die Gesamtheit des Rades ist der Ausgangspunkt. Doch um es zur Lebensgestaltung in einen Weg oder ein Werk zu verwandeln, gliedern wir es in zwölf Karten, aufgebaut auf der fünffältigen Struktur, die sowohl synthetisch als Bild, als auch analytisch als Text artikuliert ist.

Wie das Buch der Wandlungen, wird auch das Rad erst durch eine gestellte Frage, ein Problem zugänglich, sobald man den Einklang mit der Erde und dem Himmel, mit der Motivation und der Intention, zwischen dem persönlichen Selbst und dem kosmischen Ich mit Gott sucht. Man muß also wissen, auf welche Frage eine Karte antwortet, und die Vorstellung aufgeben, daß man es schon weiß. Nur das sokratisch-buddhistische Nichtwissen führt zur Erleuchtung.

Wir stellen folgende Fragen:

  1. Numerologie
    Was ist die Zahl?
  2. Arithmosophie
    Wie liegt das Rechnen sowohl dem Denken als auch dem Leben zugrunde?
  3. Semiotik
    Was ist der Urcode aller Sprachen?
  4. Kosmogonie
    Wie verstehen wir unsere Stellung im Kosmos?
  5. Geosophie
    Was ist die mythisch geistige Struktur der Landschaften der Erde?
  6. Chronosophie
    Was sind die qualitativen Kriterien der Zeit, von der Astrologie bis zum Weltenjahr?
  7. Chakrasophie
    Wie erwecke ich die Lebensenergie des Chi in den Chakras?
  8. Alphysik
    Wie werde ich mit Krisen und Leiden auf Grund des Mikrokosmos fertig?
  9. Chirosophie
    Wie lese und deute ich die Zeichen der Hände meine Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft?
  10. Klaviatur der Kriterien
    Wie kläre ich meine Intention im Meisterspiel und erlerne die Sprache des Gewahrseins?
  11. I Ging
    Wie erkenne ich meine augenblickliche Motivation im Einklang mit Sinn und Leben durch das Orakel?
  12. Himmelsleiter
    Was ist der Sinn meiner Existenz im All, und wie kann mein Weg und meine Medizin für andere nützlich werden?

Der Atlas ist die Karte und nicht die geistige Landschaft. Den Weg in dieser findet man nicht durch schulisches Lernen, sondern durch erreichen der inneren Leere, und der schöpferischen Indifferenz und durch Fragen an das Jenseits. So ist der Atlas ein Leitfaden für jene, die Mitarbeiter am Werk der Erde sein wollen.

Arnold Keyserling
Atlas des Rades · 1995
Numerologischer Schlüssel des analogen Denkens
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD