Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Magie der Chakras

VI. An der Fülle teilzuhaben

Wie Zwei und Vier Gemeinsamkeiten aufweisen, indem Zwei den persönlichen Schritt im Tun und Vier die Einstimmung in das gesamte Geschehen ermöglicht, so ist Drei die Unschuld und das Vertrauen der eigenen Seele, während wir in Sechs den geistigen Zusammenhang aller Seelen, bzw. Wesenheiten erfahren, die uns angehen. Es ist eine Seinsbeziehung, die über die Liebe zum Tragen kommt. Wir sind in der goldenen Kette zwischen Vergangenheit und Zukunft, die sich in Silberfäden über die Erde spannt. Es ist die Beziehung zu Ahnen und Avatars, wie unsere indianischen Freunde die Wesen (in Sanskrit Terminologie übersetzt) bezeichnen, die ihre irdische Aufgabe vollständig erfüllt haben, aber noch zur Erde zurückdenken. Es ist die Teilhabe an der Geistesgeschichte. An der negentropischen Kraft der Geschichte, der Kraft der Entfaltung, wo Irrwege und Zerstörung nur insofern dazugehören, als sie zu neuem Verständnis, neuen Initiativen führen, als die Menschheit daraus lernen konnte. Das Wesentliche an jeder Geschichte, sei es die Geschichte der Menschheit oder der Schreibmaschine, ist ja nicht die Vermittlung der Daten, sondern der Erfahrung der Vergangenheit für den Schritt in die Zukunft. In diesem Sinne sind Ahnen und Avatars Lehrer — was denn sonst?

Ahnen sind nicht nur unsere genetischen Vorfahren, Ahnen sind wir uns auch selbst, in Bezug auf die Kraft der Erfahrung und Liebe, der Einstellung, die uns aus vergangenen Inkarnationen trägt. Wir können lernen, dies und das zu tun, das gehört zur Weisheit des Tieres zur Abstimmung der Rhythmen, — Vier.
Die Einstellung zum Leben, die das Ewige einschließt, ist, was wir aus unserer Vergangenheit (Ahnen) und von menschlichen Wesen, die ihren Raum- und Zeitkreis auf der Erde erfüllt haben, lernen können, — in deren Fußstapfen wir Kraft unserer jetzigen Einstellung treten. Ich bin Diener der Erde und gehöre zur Firma Gott & Co. Einer, der sich der Alte vom Berge nennt, sagt mir, er sei Diener der Erde. Endlich kommst du zu mir, ich habe darauf gewartet. Die Wesen warten darauf, daß wir zur Kenntnis nehmen, daß sie da sind und auch für uns da sind. Die Lehrer, die Avatars helfen, die richtige Einstimmung in das Ganze, die Fülle — über Sieben — zu finden.

Ich habe sowohl mit Lebenden, mit denen mich Liebe und Achtung verbindet, wie auch mit Jenseitigen, Seinskontakte erlebt. Es waren Bekräftigungen der Einstellung, keine praktischen Weisungen; daran kann ich sie von Hirngespinsten leicht unterscheiden.

Das dritte Auge im sechsten Chakra gibt Einblicke, die erschrecken können, wenn wir nicht zentriert sind, wenn ein vergleichendes Ich negativ assoziiert. Sie können auch höchste Seligkeit vermitteln, wenn sie in Bewußtheit in einer Nahtstelle des Lebens eintreffen, wo die Liebe, oder Bereitschaft, einen kleinen Tod zu sterben, eine Verhaftung oder Angst loszulassen, den Menschen befähigt und begnadet, ganz da zu sein. Ich glaube, daß sich die meisten dieser Phänomene messen lassen — aber bisher ist der Mensch im Zustand einer bestimmten Ganzheit der feinste Meßapparat. Vielen echten Sehern und Heilern gelingt es, ihre Reinheit, ihre Absichtslosigkeit zu bewahren und sich in kindlicher Unschuld abzurunden. Wenn nicht, verlieren sie die Begabung. Wenn sie benutzt wird, um sich das Leben bequemer zu machen, führt sie nicht weit. Die Erfahrung der Fülle ist ein Geschenk der Entäußerung, Sammlung und Bemühung auf allen Ebenen, und ihre Entfaltung verlangt das Gleiche. Dies ist, was jenen, die glauben, mit Hilfe von Drogen weiterzukommen, meistens fehlt. Ein alter Rutengänger erklärte einmal: Bei vielen schlägt die Rute aus; aber dann dauert es noch viele Jahre, bis man gewiß weiß, wie tief das Wasser liegt, und wohin es fließt.

Die Siddhis, die wunderbaren Fähigkeiten, werden auch von den Yogis gepriesen, und gleichzeitig wird vor ihnen gewarnt. Nur zu leicht stellt sich der Wunsch ein, sie als Ersatz für die Bemühung, mit seinen gewöhnlichen Fähigkeiten umgehen zu lernen, zu gebrauchen, eine außergewöhnliche Macht zu gewinnen, um die Ohnmacht der Unfähigkeit auszugleichen. Nur dem Heiligen Weisen stehen sie zu und dem Bescheidenen Einfältigen, und jenem, der dankbar die Zeichen der wunderbaren Welt entgegennimmt, ohne verführt zu werden, der sich in der Goldenen Kette der Wesen weiß, deren Entfaltungsmöglichkeiten in anderen Ebenen und Welten vielleicht unfaßbar scheint, der aber in dieser seinen Platz kennt, und seine relativ geringe und relativ große Macht ergreift.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Magie der Chakras · 1983
Urstimmung des Gemüts
© 1998- Schule des Rades
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