Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Magie der Chakras

7. Wort

Dimensionen

In der senkrechten Ordnung der Chakras, vom Osten aus gesehen wird die Leere des Wollens und des Seins erreicht, wenn die Kraft der Erde und das Licht dem Himmel zurückgegeben wird. Die Kraft ist hierbei die achte Komponente, das Licht die neunte und die Aufmerksamkeit, das Gewahrwerden die zehnte oder nullte. Der Mensch gleicht einem Strahl der Erde, der ihre Mitte mit einem Visionsort des Himmels jeweils verbindet.

9 Licht7 Geist
6 Seele
5 Körper
4 wollen 0 oder 10 Gewahrwerden
3 fühlen
2 denken
1 empfinden8 Kraft

Das Empfinden nimmt die Kraft der Strahlung über die Sinne wahr, und wird durch die Strategien des Denkens gelenkt. Das Denken mit dem Empfinden kann als Ichbild funktionieren. Der Durchbruch entsteht, wenn der Mensch erkennt, daß er in seinen Strategien durch die Triebe des Fühlens gelenkt wird. Das Fühlen geht von Mängeln aus, die das Gleichgewicht verletzen. Nicht ich habe Hunger, sondern Hunger hat mich. Doch diese Motivation ist von der Struktur des Wollens, des Entscheidens, Entschließens und der Wahl, abhängig.

Das Wollen steht horizontal in Beziehung zum Gewahrwerden. Entscheiden und Entschließen sind Begriffe des Seins, des Verbindens und Trennens. So liegt die Struktur des Rades im rechten Winkel waagrecht zu den Chakras des Wollens. Die Art und Weise der Wahl hat ihren Grund in der Geschichte des eigenen Körpers, der Vergangenheit. Nur wenn diese ganz in die Gegenwart der Seele überführt wird, läßt sich der Körper integrieren.

Die Art und Weise dieser Integration wird aus dem Verhältnis von väterlichem und mütterlichem Erbe bestimmt, durch die seelische Situation zwischen männlicher Bewährung und weiblicher Sehnsucht nach Geborgenheit.

Diese Situation wird über ein Bild im Geist bewußt, der eine bestimmte Vision dafür wählt, womit sich der Mensch oft mit einer Theaterrolle anstatt mit dem Dichter identifiziert. Diese Rolle ist aber nur eine mögliche: sobald die Visionssphäre durch Richtung auf den Himmel im Sinne des vorigen Kapitels zugänglich wird, erlebt der Mensch den Grund seiner selbst oberhalb seiner Person im All und kann dann die Vision durch die sieben Stufen zurück auf die Erde bringen. Sie wird im Geist als Entwurf gefaßt, in der Seele verantwortet, im Körper gestaltet, im Wollen durchgesetzt, im Fühlen auf die Bedürfnisse anderer abgestimmt, im Denken artikuliert und schließlich im Empfinden inkarniert.

Der Mensch existiert in drei Welten. Im embryonalen Leben ist er ganz Yin, zentrifugale Entfaltung nach dem Gesetz des Genoms. Im nachtodlichen Zustand ist er ganz zentripetale Integration, Yang, zurückgeworfen auf die Motivation aus dem letzten Leben und einer möglichen Intention in der Begegnung mit dem Licht. Zwischen Geburt und Tod aber ist er imstande, die Ordnung des Sonnensystems, der Chakras zum Aufbau einer bleibenden Individualität zu verwenden, den Kopf über den Körper mit dem All zu verbinden. Die drei Welten erlebt jeder alltäglich. Im Tiefschlaf kehrt er in die Geborgenheit des embryonalen Zustand zurück, im Traum erlebt er die nachtodliche Welt der Integration als visionäre Ergänzung seiner wachen Existenz, und im Wachen ist er in der Artikulation, der Vereinigung von Licht und Kraft, Vorstellung und Bewegung im Entscheiden des Wollens.

Wollen bedeutet verbinden und trennen, hat sein Urbild im inhaltsleeren Sein, und ist damit die einzige Brücke zum nullhaften Gewahrwerden, zur Vereinigung mit dem göttlichen Ursprung. So geht die horizontale Ebene des Rades gleichsam durch das Herz; Gott ist weder über noch unter dem Menschen, er bildet das ewige Gegenüber.

Das Sein hat sein Urbild in der Zahlenwelt. Daher kann nur deren Verständnis die Chakras aus dem Erleben und der Übung in das Verstehen überführen.

Der Himmel bedeutet den Zugang zum Licht, die Erde zur Kraft. Zu integrieren sind beide über das Gewahrwerden, das sowohl die Vielheit der Ichstrategien als auch die seelische Eingliederung in die Generationenfolge umfaßt: nur als Nichts im Etwas ist der Mensch Partner Gottes.

Das Gewahrwerden wechselt jede Sekunde im Rhythmus der Erde von Beobachtung zu Erinnerung, von Yin zu Yang, von Linie zu Kreis. Aus dem Erkennen dieses Wechsels entwickelte Pythagoras die Mathematik und das Rad, das die Grundlage der Verhältnisse von Himmel, Erde und Mensch veranschaulicht. Das Rad entfaltet sich durch die Bestimmung der Elemente von Raum, Zeit, Zahl und Sprache im Kreis der Dimensionen, der die mathematische Grundlage der Funktionen und Bereiche erhellt.

Es gibt vier Raumdimensionen und vier Zeitdimensionen, von denen jede einer anderen Erlebensweise zugrunde liegt.

D i m e n s i o n s k r e i s

Raum ist positiv und geht vom Gegebenen aus. Zeit ist negativ und schafft das Gegebene aus dem Nichts: Zukunft ist noch nicht, Vergangenheit ist nicht mehr, Gegenwart existiert für das Bewußtsein nur im Augenblick, der wiederum die Dauer verneint. Wir werden die Dimensionen nach Raum, Zeit, Zahlenart und Bewußtseinsfaktor bestimmen.

Die nullte Dimension der Zeit ist Träger der Subjekthaftigkeit, des Augenblicks, der keine Ausdehnung kennt. Mathematisch gesprochen sind wir wandelnde Augenblicke. Hier ist der Mensch mit dem göttlichen Ursprung identisch im Gewahrwerden und der Aufmerksamkeit; erreicht er diesen Zustand, dann ist er in der Liebe und der Freude.

Die nullte Dimension bestimmt die natürlichen Zahlen 1 bis 9 mit der Null, die Ziffern als Ursprung aller beharrenden Qualität in den drei Welten: die Gruppen der chemischen Elemente des periodischen Systems im Mikrokosmos; die Planeten mit der Sonne im Makrokosmos; die Wortarten der sprachlichen Grammatik als Grundlage unseres Lebenssinnes in der menschlichen Welt.

Die erste Dimension des Raumes ist die Gerade, die eine unendliche Anzahl gedachter Punkte umfaßt. Zahlenmäßig entsteht sie durch Addition der ganzen Zahlen, die man auf einer Linie in gleichen Abständen anordnen kann. Für das Bewußtsein ist sie die Grundlage des Empfindens, das additiv auf der Beobachtung beruht. Die erste Dimension der Zeit ist die Bahn, die durch die Wanderung eines Zeitpunktes durch den Raum entsteht. Ihre Rechnungsart in den ganzen Zahlen ist die Subtraktion und ihre Qualität der Geist, der geistige Weg, der durch Fragen, durch Leermachen in die ungewisse Zukunft führt.

Die zweite Dimension ist räumlich die quadratische Fläche, die eine unendliche Anzahl von Geraden enthält. Ihre Rechnungsart ist die Division, ihre Zahlenart die rationalen vernünftigen Zahlen. Als Zahlenwelt enthält sie, wie im Rad ersichtlich, alle Brüche größer und kleiner als eins, die im Rahmen eines Kreises mit Umkreis 10 durch Verknüpfung der waagrechten und senkrechten Achse entstehen. Als Qualität ist sie die Grundlage des Denkens, dessen Urbild die Gleichung ist:

12 : 4
Analyse
=
Urteil
3
Synthese

Im Unterschied zum Empfinden, dessen Elemente voneinander getrennt bleiben und Schritt und Einheit sind, ist das Denken kontinuierlich; aus je zwei Brüchen läßt sich durch Division ein weiterer bilden. So kann das Denken beliebig viele Urteile vollziehen, beliebig viele Wissensinhalte als Gedächtnis speichern. Was nicht in der Fläche darzustellen ist, übersteigt das denkerische Vermögen. So läßt sich auch das Rad banal als Summe aller möglichen Verhältnisse der zweiten Dimension des Raumes bestimmen.

Die zweite Dimension der Zeit ist der Umlauf, eine Achse kreist um den Ausgangspunkt und bildet räumlich eine Scheibe. Die rationalen Zahlen der Zeit, der Gegenwart, entstehen durch Multiplikation, ihre Qualität ist die Seele, die auf der Zweierbeziehung fußt und synergetisch in der Beziehung ein Vielfaches der Einzelenergie erzeugt.

Das Rad ist flächig, die anderen Dimensionen sind nur in der Projektion auf die Fläche zu begreifen. Ich kann nicht mehr erdenken, als sich durch die Beziehungen ergibt. Das erscheint als Begrenzung, birgt aber metaphysisch die Möglichkeit zum totalen Verstehen von Welt und Mensch. Nur in Seele und Denken, räumlich im Süden und Norden, werden die Bewußtseinsinhalte integrationsfähig. Im Osten sind sie zu erwählen, im Westen zu verwirklichen. Wie das Denken unendlich viele Wissensinhalte speichert, so integriert die Seele unendlich viele Verhaltensweisen und Kompetenzen.

In der dritten Dimension des Raumes wird eine unendliche Anzahl von Flächen vom Kubus umfaßt. Seine Rechnungsart ist die Proportion mit vier Gliedern: 1 : 2 = 2 : 4. Sie bildet die Grundlage des Fühlens, das analog und traumhaft assoziiert. Die reellen Zahlen der dritten Raumdimension sind durch Diagonalen zu veranschaulichen, die Brüche gleicher Wertigkeit mit der Null verbinden: wo sie gegensätzlich dazu eine senkrecht liegende Strecke durchschneiden, zeigen sie das entsprechende geometrische Verhältnis an. Hierdurch wird das Gesetz der Obertöne verständlich. Nur die Proportionen lassen sich auf den Grundton beziehen, der durch die Einserdiagonale im Divisionsfeld bestimmt wird.

Diese Zahlenverhältnisse bildeten die Grundlage der griechischen Baukunst, von den Tempeln über die Häuser zu den Möbeln. Wo die musikalisch übersetzten Strecken nicht gut klangen, nicht harmonisch waren, durfte ein Objekt nicht gebaut werden, weil es die Affektivität des Menschen gestört hätte.

G a m m a - Q u a n t z a h l e nDie dritte und letzte Dimension der Zeit wird durch die Drehung der Scheibe um ihre halbe Achse erreicht, die den Raum einer Kugel ausfüllt. Dies ist die Welt der Körper. Die Diagonalen des Multiplikationsfeldes zeigen die Gesetze der Atome: jedes Atom ist von sieben Elektronenschalen umgeben, die in ihren Abständen der mittleren Diagonale folgen: 1 - 4 - 9 - 16 - 25 - 36 - 49; die zweite Diagonale: 2 - 8 - 18 - 32 zeigt die Kapazität der Schalen an Elektronen an. Die Rechnungsart heißt Funktion. Während die unteren Zahlenverhältnisse, die Welt unserer Größenordnung bestimmen — Pflanzen und Kristalle wachsen nach diesen Proportionen — werden die Atome durch dauerndes Kreisen der oberen Zahlenverhältnisse erzeugt.

Die Gerade entsteht durch das Fällen eines Lotes auf einen Punkt; die Fläche steht senkrecht zur Geraden, der Kubus senkrecht zur Fläche. Die vierte Dimension des Raumes zeigt die Kontinuität des All: die Mitte des Kubus steht zu seinen acht Ecken im rechten Winkel. Der Augenblick belebt das Atom, nimmt im Licht achtfältig Energie auf. Doch schaltet es diese elektromagnetische Energie im Rad in gravitationale longitudinale Schallenergie um. Um die Töne des unteren Feldes in Harmonie zu bringen wird der Quintenzirkel als Rahmen der Resonanz des Wollens gebildet. So läßt sich das Verhältnis von Raum und Zeit, Lichtkreis und Tonkreis, mathematisch genau bestimmen.

Zur nullten Dimension gehören die natürlichen Zahlen, welche die beharrenden Qualitäten bestimmen. Diese neun Ziffern bestimmen makrokosmisch die Planeten im Enneagramm. Seine Rolle habe ich in anderen Büchern gezeigt. Wesentlich für das Verständnis des Bewußtseins ist, daß die Planeten sowohl Wissen als auch Verhalten bestimmen, und daß die Klärung der Sprache den Schlüssel zu ihrem Verständnis gibt.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Magie der Chakras · 1983
Urstimmung des Gemüts
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD