Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Magie der Chakras

8. Zahl

Geistige Wesen


1. Arbeiter · Muladhara · NO-O · Jupiter-Merkur

Das Empfinden im Nordosten bildet als Muladhara die Brücke zum Gewahrwerden im Osten, zum Feuer, zum wahren Sehen. Hier gilt es zu unterscheiden, was man wirklich kann und mit Freude vollzieht; der Arbeiter schafft in seiner Tätigkeit Werte (Jupiter) durch richtige ökonomische Verwendung (Merkur) allen Materials.

Im Sehen öffnen sich die Augen, wenn hinter Farben und Formen die Wesen wahrgenommen werden. Als Feuer ist der Mensch unsterblich, empfängt sich im Osten dauernd selbst aus dem göttlichen Urgrund. Jedes Feuer ist Leben, das sich in der Bewegung in voller Bewußtheit dauernd erhält. Wie das Atom genährt wird aus den subatomaren Energieteilchen der elektromagnetischen Schwingung wie dem Photon, so ist der Feuergeist der Sonne Urbeginn allen Lebens.Krankheiten entstehen, wenn der Mensch einen falschen Osten hat, seinen Sinn in einer anderen Richtung identifiziert — dem Mineral, der Seele oder dem Denken. Die Gesundheit ist wiederzugewinnen, indem das unassoziative Wahrnehmen mit dem Können verbunden wird.
Der sonnennächste nagualische Planet ist Merkur, mit dem traditionell in der Alchemie die Anjochung begann; nur das Feuerbewußtsein kann gleich dem Hermes alle Welten durcheilen.

2. Gestalter · Swaddhistana · NW-W · Venus-Venus

Das Denken im Norden als ichbezogenes Chakra ist als Urort aller Strategien im Mineralreich des Westens, im Leib der Erde gegründet. Denken ist Beharrungsvermögen, die Bildung des Wesensatoms, des Zusammenhangs. Auf die Gestaltung gerichtet und aus der Gestaltung kommend — tonalisch und nagualisch ist Venus Morgenstern und Abendstern — ist dieses Chakra durch Einsatz aller Strategien zu integrieren, wie das Tier sie in seiner Wirkwelt verwendet. Für den Menschen liegt die Gefahr darin, seinem Gedächtnis zu vertrauen und damit zu versuchen einen erprobten Stil aufrechtzuerhalten.
Während das erste Chakra die Gesundheit im Durchbruch vom Inbild zum Urteil erreicht, verlangt das zweite Chakra das Einstehen für sich selbst in voller Hingabe; nur als Kind der Erde wird der Mensch mit seinem Leiden fertig. Der gesteuerte Atem, wie in der Rhythmisierung des Pranayama, befreit das Denken. Die Bewegungsmitte im Hara läßt alle Reflexion und alle Handlung aus der Mitte anheben.
Im Können ist das Werk die Erlösung zur Gemeinschaft und damit die Sprengung des Ichgefängnisses — was ich nicht kann, vermag ein anderer. Im Gestalten wird das Wissen als Voraussetzung der empfindbaren Kompetenz vermehrt und eine höhere Integrationsstufe erreicht. Wer im Hara schwingt, kann nicht aus seiner Mitte gebracht werden. Der Denker muß die Methodik seines Wissens hinter sich lassen, um aus dem Wollen der Erde heraus in der Hingabe gesteuert zu werden; er muß bereit sein, im Geben und Nehmen zu bestehen.

3. Helfer · Manipura · NW-S · Uranus-Mond

Das Muladhara Chakra enthält alle umsetzbaren Fähigkeiten des Könnens. Das Swaddhistana Chakra besitzt die Summe der Strategien, die dem Wissen und der Integrationshöhe des Könnens gewachsen sind. Im Manipura Chakra des Fühlens werden die Wesenswünsche zugänglich, die den Zustand des Menschen im Werden und Vergehen bedingen, doch auf die nagualische Pflanze, auf das Wachstum abgestimmt sein sollen.
Die Ebene der Zellen und des Traumes, des Werdeganges und der Sorge für die anderen und sich selbst, für die eigenen Bedürfnisse, offenbart sich in jenen Taten und Entscheidungen, in jenen Handlungen, von denen der Mensch sagen kann, daß er tatsächlich jemandem geholfen hat.
Wo einem etwas schwer fällt, kann man es oft gerade durch Hilfe für andere meistern, so wie ein Kranker dazu begabt ist, auf Grund seiner Bewußtheit Menschen seines Leidens zu helfen und sich dadurch zu befreien.

4. Führer · Anahata · W-N · Mond-Mars

Wollen ist die Fähigkeit sich und andere zu führen, im Entscheiden und Entschließen Kräfte einzusetzen, die aus dem Nichts, dem Tiefschlaf ansetzen. Der nagualische Aspekt des Tieres zeigt, daß der Wollende in alle Willensstrebungen der Natur eingegliedert ist, seinen Instinkt wiederfindet. Er kann gliedern, seine Kreisläufe harmonisieren und daher auch andere organisieren, sobald er seine innere Beziehung zu den Tieren kennt und anstelle persönlicher egoistischer Entscheidungen solche, die für alle gut sind, wählt. Wo er führt und wo er sich führen läßt — im Entscheiden, nicht im Denken — ist er fähig die Trägheit zu überwinden und die tatsächlichen Bedürfnisse und Motive anderer im Mond, also durch Empathie zu verstehen und zu erfüllen.

Wichtig hierzu ist die Frage: Wo habe ich tatsächlich andere geführt, wo mich führen lassen? Wenn es mir gelingt, diese Zeitpunkte zu verstehen und in eine Dauer zu verwandeln, dann kann ich in allen Umständen zu meinem Subjekt zurückkehren.

5. Freund · Vishuddha · SW-Mitte · Merkur-Luzifer

Freund ist der Mensch, dem die richtigen Worte einfallen, um einen anderen in seinem Wesen und seiner Dynamik zu bestätigen und zu fördern, auf daß er seinen Ort und sein Schicksal findet. Im Artikulieren gilt es die Herkunft des anderen zu verstehen, seine Vergangenheit zu akzeptieren, seine Geschichte. Persönlich ist der Schwerpunkt in der Harmonisierung und Abstimmung aller Rhythmen des Stammhirns und Kleinhirns, die fortan den Strategien zur Verfügung stehen. Durch den Tastsinn, die propriozeptiven Empfindungen, lassen sich alle Bewegungsansätze auf die Körpermitte eichen. Das Chakra wird integriert, indem man sich über alle jene Abläufe im Klaren ist, die man in ihre Einzelheiten zerlegen kann und bei denen man fähig ist, den Fluß in jedem Augenblick zu stoppen und wieder zu beginnen. Der Nagualaspekt hat den Schwerpunkt in der Mitte des Rades und ist in Entsprechung zu Luzifer: durch Teilhabe an der Menschheit wird der einzelne vom großen Energiestrom mitgerissen. Doch hier gilt es die Eigenheit, die Individualität zu wahren. Nur als dargestellter Archetypus wird der Mensch zur Person — Persona heißt durchklingen des Gottes — durch welche er seine Lebensmelodie im Menschheitsorchester erklingen läßt.

6. Lehrer · Ajna · S-SO · Neptun-Jupiter

Die Seele des Südens steht über die Kommunikation in dauerndem Verkehr mit anderen. Dieser zielt darauf sie zum Strahlen zu bringen. Hierzu muß die Seele die Gefahr der Kompetition überwinden und nagualisch der lebendigen Geschichte der Ahnen, des morphogenetischen Feldes der Gattung eingegliedert sein; das limbische System mit der Wiederholung von Lust und der Vermeidung von Schmerz ist gattungsbezogen. Überwindung von Selbstkritik und Selbstmitleid wird durch die dauernde Besinnung auf die Gegenwart im Sinne der Therapie erreicht, wobei immer wieder das tatsächliche Verhältnis zu den Eltern den dynamischen Ansatz darstellt. Wenn man weiß, wo man lehrt und von wem man lernt, ist man im echten Dialog und fühlt sich nie vereinsamt.

7. Wandler · Sahasrara · SO-SW · Mars-Saturn

Der Geist des Südostens schafft Begeisterung und Weg aus seiner Kraft, das Neue zu beginnen; die Sexualität ist marsisch im Unterschied zum Feuer von Muladhara. Die Richtung entstammt der höheren Ordnung der Milchstraße, und die Vision wird saturnisch der öffentlichen Ordnung eingegliedert. Die vierfache Imaginationsfähigkeit des Großhirns eröffnet den Zugang zu den Elementargeistern, die einem helfen, das dynamische Gleichgewicht zwischen Körper und Traum aufrechtzuerhalten, eine echte Zukunft zu haben und durch Abstimmung auf den göttlichen Urgrund nicht negativen Kräften der Zerstörung zu dienen. Der Wandler kann die Zukunft des anderen und auch die eigene zum Besten wenden, wie der echte Wahrsager, der aus den Keimen die lebensträchtigen aussucht.

8. Walter · Kraftfeld · O-NW · Saturn-Uranus

Die sieben Chakras innerhalb des Körpers sind Nahtstellen zwischen Tonal und Nagual, die drei höheren haben eine andere Rolle. Die sieben kommen aus dem Tonal und weisen zum Nagual, die drei sind im Nagual und wirken auf den Tonal. Da sie keinen Leib besitzen, sondern diesen aus der Energie bestimmen, bedürfen sie eines intentional geschaffenen Körpers: das Erdheiligtum als Grundlage des Walters im achten, das Netzwerk der Noosphäre für den Weisen im Neunten, und schließlich die Urreligion im zehnten Chakra.

Vom Tonal her ist das achte dem dritten zugewandt. Der Mensch als Seele hat 96 mögliche Probleme, zwölf des Himmels, die sich mit den acht Richtungen der Erde vereinen. Nur über Mitwirkung von Erde und Himmel lassen sich existentielle Probleme angehen, indem sich der Mensch Raum und Zeit gegenüber öffnet, wie ich es im Erdheiligtum beschrieben habe. Doch der Waltende hat unmittelbar Zugang zu den Kräften der Erde.

Gegenüber den Erzengeln gilt es den Willen zu stärken, sich zu entscheiden Krankheiten aufzugeben. Man erkennt die Motive der Kraft, kann daher den Erbschlüssel als Grundlage des embryonalen Wachstums verstehen, die Verhaftung des Menschen an die Unterwelt aufgeben, indem die totale saturnische Verantwortung erreicht wird.

Der indianischen Tradition zufolge hat nur der Schamane Zugang zu den drei höheren Chakras als Mensch der zweiten Runde. Er wirkt sich in der gewöhnlichen Welt über das Fühlen, über die Fähigkeit die Kraft zu sammeln und Menschen aus ihrer Trägheit herauszureißen, aus. In niederer Form gilt dies vom Dompteur und Helden des Zeitgeistes, der andere mitreißen kann, indem er ihnen einen kollektiven Lebenssinn zeigt, der die egoistischen Motive überwindet.

Das Erdheiligtum ist die Verkörperung des weiblichen Prinzips und wirkt sich tonal über den Süden, die Pflanze, Vertrauen und Unschuld aus. Dieses Chakra bestimmt als Motivation jene Intentionen, aus denen der Mensch seine Teilnahme am Werk angeht, die nagualisch dem neunten Chakra zugehört.

9. Weiser · Lichtfeld · Mitte-NO · Neptun-Pluto

Der Zugang zum Weisen führt über den Tod, über die Modalität des nachtodlichen Daseins. Nur wenn eine Intention gefunden wird, die jenseits des Todes wurzelt, dann kann der Mensch seine Melodie im Zusammenspiel mit anderen finden, die sich greifbar sinnlich in der Schönheit der Gestaltung des Werkes ausdrückt. Das tonale Gesetz der Neun ist das Enneagramm, die Sinne sind aus der göttlichen Harmonie in Harmonie zu setzen. Der Meister seiner Gestaltung begeistert andere für das Werk, das er plutonisch erfindet, auf daß es jedem jene neptunische Stellung ermögliche, zu der er nach Kompetenz, nach Können und Wissen befähigt ist. Die neun Musen sind Ursprung der Sprache, der Grammatik; nur in gleichgewichtigem Zusammenwirken ist ihre Harmonie zu erreichen. Die Bedrohung durch die plutonisch technische Zivilisation ist heute der Prüfstein. Wer nicht zur Intention durchstößt, die er aus eigener Vision empfängt, geht zugrunde.

Der Weise ist als Bild überall, er wird bereits im Leben Mitwirker, so daß er, wie die Indianer behaupten, als Lichtkörper auch an anderen Orten auftreten kann.
Das Leben ernährt, doch das Licht läutert und reinigt. Das wahre Sterben versteht sich als handwerkliche Vollendung des zu Tuenden, so daß nichts mehr an Motiven im Werk spürbar ist oder auf den Schöpfer zurückweist. Beim Anhören einer Bach’schen Fuge, beim Anblick eines Bildes von Leonardo denkt man nicht an den Urheber, er war nichts anderes als die Hand, die Noten schrieb oder den Pinsel führte. Nur die Sinneswelt ist wirklich, in ihr drückt sich alles aus.

In der Aura, im Lichtfeld, müssen Männliches und Weibliches in Harmonie sein. Gemäß der indianischen Lehre der vier Schilde trägt der Mann vor sich das seine, hinter sich das des kleinen Jungen, in der linken Hand das Schild des Mädchens und in der rechten das der Frau. So ist der Weg des Menschen in der Aura als dem Lichtfeld, das sich im Werk ausdrückt, die Annahme des Gegengeschlechts in sich, das keine Geschichte kennt und damit keine Demütigung und immer bereit ist zu sterben oder neu anzusetzen.

Die neu entstehende Welt hat als Urbild die Noosphäre, das Netzwerk als Gehirn der Erde, wo niemand dem anderen über- oder untergeordnet ist, es sei den funktionell in der Mitarbeit am Werk für eine gewisse Zeit. So wird Arbeit anstelle von Überlebens­strategie wieder werken. Das niederste Chakra Muladhara ist gleichzeitig der Zugang zum höchsten, das den Menschen über seinen Lichtleib und Kraftleib mit dem Rad, der Krone des zehnten verbindet.

10. Künder · Rad · Mitte-All · Pluto-Sonne

Der Mensch als Teilhabe an der Null, dem göttlichen Ursprung und an der Zehn, am Rad, ist reine Aufmerksamkeit. Über das Wollen offenbart sich der Mensch im All, das Urbild der Gattung, dessen Intentionen im Tierkreis der Sonne verkörpert sind. Der Weltbereich ist das Paradies jenseits von Raum und Zeit, erfahrbar im ewigen Augenblick, zu dem jener Zugang gewinnt, der plutonisch Name und Bedeutung als eine bestimmte Rolle, als Mitarbeiter an der Schöpfung erreicht. Dieses Sosein, die kosmische Individualität, wird zur strahlenden Sonne, in deren Gegenwart alles sich entfaltet. Der Künder empfängt mehr als eine Vision, er erzeugt den Zusammenhang all dieser in der Mitarbeit am großen Werk.

Bei Lebzeiten ist das Höhere Selbst nicht inkarniert, aber immer als Entscheidungsträger gegeben. Nach dem Tod des Körpers entscheidet das Verhältnis zum Licht, ob der Künder erreicht wurde, der an der Modalität des göttlichen Ursprungs teilhat — reine Freude, reines Sein, reines Schenken — und nicht mehr aus der Liebe fällt.

Wer in der Vision das Paradies schaute, erlebte unaussprechliche Schönheit und Güte als Heimat. Der Künder spricht im Herzen das innerste Subjekt eines jeden an und dringt daher durch die Schalen der Ichstrategien. Durch Abstimmung auf die Null und die Einheit ist jede falsche Richtung wieder zu ihrem Ursprung zurückzuführen und damit zu entgiften.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Magie der Chakras · 1983
Urstimmung des Gemüts
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD