Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Magie der Chakras

Anhang

Das Chakraphon

Der Mensch ist ein körperliches, seelisches und geistiges Wesen. Daher kann die Urstimmung des Gemüts von allen Ebenen her erreicht werden. Die Chakras zu integrieren, so daß sie als Organe des Denkleibes, also im luftigen Element fortan wirken, ist das Ergebnis einer Bemühung des Einzelnen. Aber sowohl im persönlichen Ritus des Yoga als auch im gemeinschaftlichen der Feste im Erdheiligtum kann die Stimmung für eine Zeitspanne erreicht werden. Das gleiche müßte nun theoretisch auch durch eine Abstimmung der Longitudinalschwingungen im Luftbereich erzielt werden können, wenn man jene Töne und Intervalle spielt, hört oder summt, die den Chakras entsprechen.

Jedes Organ und jede Organgruppe hat außer ihrer materiellen Struktur eine bestimmte Vibration; so behauptet der früher zitierte Gehörforscher Tomatis, daß der Ellbogen auf die Schwingung von 500 Hertz anspreche. Auch in der indischen Tradition ist davon die Rede. Viele Kundalinimeister verwenden eine Tonfolge, die von der Durtonleiter bis zu bestimmten Ragas variiert. Desgleichen gibt es in der Musiktherapie viele Anempfindungen auf dichterischer Ebene.

Nun gibt es in der Obertonreihe einen Ton, dessen Intervall die Oktave in fünf gleiche Teile gliedert: der siebte Oberton. Er ist nicht im Bereich der Zwölftonstimmung und wurde daher, wie schon gesagt, von Pythagoras als Ekmelos bezeichnet und für den profanen Musikgebrauch verboten. Was wäre nun die mögliche Wirkung dieses Intervalls? Die Chakrengliederung sieben-fünf bestimmt die vertikalen und horizontalen Entsprechungen; siebenfältig:
1 – empfinden, 2 – denken, 3 – fühlen, 4 – wollen, 5 – Körper, 6 – Seele, 7 – Geist.
Fünffältig: 1 – Feuer, 2 – Mineral, 3 – Pflanze, 4 – Tier, 5 – Mensch.

In der Musik sind zwei Gesetzmäßigkeiten ausschlaggebend. Oktave ist Identität. Die Harmonie der Sphären ist aus dem Oktavgesetz evident. Was immer im Weltenraum die Schwingung der Erdsekunde in der Oktavierung wiederholt —
1 – 2 – 4 – 8 – 16 – 32 – 64 – 128 – 256 – 512…muß die gleiche oder eine analoge Wirkung zeitigen.

Ferner erzeugen die Maßlängen den gleichen Oberton und Unterton. Jedes Drittel einer Saite erklingt bei Grundton c als g,
jedes Fünftel 1/5, 2/5, 3/5, 4/5 als e.
Daher klingt auch jedes Siebtel 1/7, 2/7, 3/7, 4/7, 5/7, 6/7 —aber auch als Unterton 8/7, 9/7, 10/7 …… 22/7 als der ekmelische Ton.

22/7 ist der arithmetische Wert von PI, jener irrationalen Zahl, die die Berechnung des Kreises ermöglicht. Wenn dieser Gedankengang richtig ist, dann hätten wir im Siebenermaß der Chakras — bei Geburt sind die körperlichen Entfernungen äquidistant — das Geheimnis ihres tonalen Zusammenhangs entschlüsselt. Mit anderen Worten: ein Instrument, das sich auf die Vielfachen des siebten Obertones und Untertones im Rahmen der fünffältigen Stimmung beschränkt, müßte nur stehende Wellen erzeugen; solche, die im Raum von Ort zu Ort zu bestimmen sind. Nur sie zeigen die Möglichkeit, lineare Fortpflanzung der Schwingung in kreisförmige Wirbel zu verwandeln, also genau das, was die Tradition über die Erweckung der Chakras aussagt.

Der siebte Oberton wird nicht in unserer Musik verwendet, schwingt aber notwendig als Kombinationston mit. Wenn zwei Töne zusammen erklingen, dann sind stärker als ihre Obertöne und Untertöne ihre Differenztöne und Summationstöne in der Luft zu hören.

Differenz
1 c

7 ×
gespielter Intervall
3 g - 4 c
(Quarte)
1 c - 8 c
(Oktave)
Summation
7 ×

9 d

Das heißt also, daß die stehenden Wellen des siebten Obertons bei mehreren Intervallen mitschwingen. Daher muß jede harmonisch reichere Musik die Einstimmung der Chakras erzeugen. Um wieviel stärker müßte die Wirkung sein, wenn ein Instrument rein auf diese Schwingung aufgebaut wäre!

Ich bemühte mich, die Stimmung auf der Gitarre oder auf einer Zither zu erreichen, aber es war unmöglich, weil die Nähe von näher am Grundton gelegenen Obertönen und Untertönen, daher konsonanteren, die Stimmung sofort zunichte machte durch den Effekt der Resonanz. So ließ ich 1971 eine elektronische Orgel konstruieren, die die Töne geometrisch temperiert im Verhältnis der fünften Wurzel aus zwei genau fixiert. Als Grundton nahm ich die Sinnesschwelle von 16 Hertz für das Anahata-Chakra an und stimmte die anderen darauf ab. Die Wirkung war die Erwartete: man hört im Raum nur stehende Wellen, jede Bewegung des Kopfes läßt andere Töne erklingen. Eine Yogalehrerin, die halbseitig gelähmt gewesen war und immer noch Schwierigkeiten im Aktivieren dieser Seite hat, spürte eine wohlige Wärme anstelle der üblichen Kälte. Eine Reihe strenger höherer Beamter, denen wir es vorführten, war nach einigen Minuten in heiterer und freundlicher Stimmung, ohne zu wissen warum.

Inzwischen hat unser Freund Ernst Graf das Instrument vereinfacht, so daß sein Spielen keine Fingerfertigkeit erfordert. Damit ist vielleicht das erste Instrument geschaffen, das auf akustische Weise die Chakren in Einstimmung bringt, und damit der Musiktherapie auch einen neuen Einstieg bringen könnte.

Im Altertum war das akustische Wissen sowohl in Griechenland als auch in Peru und in Tibet umfassender als heute. Der tibetanische Totenchor folgt genau den ekmelischen Intervallen, wie wir an Hand von Tonbändern feststellen konnten; die Genauigkeit der Akustik griechischer Theater kann heute niemand nachvollziehen; hier stehen viele Entdeckungen bevor.

Was die Wirkungen der Ragas auf die Stimmung der Affekte in Indien anbelangt oder die Behauptung mancher Sufis, sie könnten durch gewisse Tonfolgen Pflanzenwuchs beschleunigen oder Blumen zum Verwelken bringen, ist theoretisch durchaus möglich. Doch jedenfalls haben wir durch das Chakraphon eine Handhabe, wie bei bewußter Intention auf Harmonisierung ein Spieler oder Zuhörer sich durch das Instrument in den Zustand eines normalen Wohlbefindens versetzen kann.

C h a k r a p h o n
Das Chakraphone wurde versuchsweise in kleiner Serie gebaut.
Arnold und Wilhelmine Keyserling
Magie der Chakras · 1983
Urstimmung des Gemüts
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD