Schule des Rades

Arnold Keyserling

Vom Eigensinn zum Lebenssinn

4. Durchbruch zum Imaginalen

Struktur der Chakras

Im Rad sind die beiden Achsen des pythagoräischen Zahlenkreuzes, fortlaufend von 1 bis 20 numeriert und mit der Zehn anstelle der Null als Mitte, die Darstellung dieser beiden Zahlweisen:

  • Invocation Count ist im Uhrzeigersinn,
  • und Conjurers Count im irdischen Gegensinn.

In der Anrufung, im Sinn des Lichts, ruft der Mensch die Wesen, ihm zu helfen. Dadurch, daß er sie anspricht, bewegt er sich auf ihr Niveau und kann mit ihnen den Überblick haben; er verliert seine Abgeschlossenheit, die falsche Ichbegrenzung. Man kann das etwa vergleichen, wenn man in einer Bank mit dem Kassier oder dem Direktor sprechen will, um die Bank zu verstehen. Nur aus der Sicht des Direktors ist der ganze Zusammenhang einsichtig, weil der die höhere Integration hat, der Kassier sich aber als ihr Teil weiß und notwendig daher der Übersicht ermangelt. So ist jeder einzelne der zwanzig Wesenheiten eine eigene Welt, und dadurch, daß sie in der Sweatlodge angerufen werden, sind sie ihm im Augenblick der heiligen Zuwendung gegenwärtig; es ist eine Öffnung gegenüber dem Licht, der Erleuchtung, getragen aus der Gemeinsamkeit des Wollens.

Wenn man hingegen versucht, gestörte Ordnung wiederherzustellen, dann bedarf man des linken Weges und der Zahl 20, des Todes, der Vereinigung der Gegensätze, welche durch den Conjurers Count verständlich werden. Von diesem aus gesehen ist das Gleichgewicht der Welt das Ziel, welches nur erreicht werden kann, wenn kein Glied des Alls sich verselbständigt. Der Conjurers Count hat zwei Komponenten: im Tonal sind es die zehn Lichter, die Chakras in indischer Terminologie, als Verbindungsstellen zwischen Körper und All, und im Nagual sind es die zehn Planeten als Untertöne.

2019181716151413121111
10
9
987654321
P L U T ON E P T U NU R A N U SS A T U R NJ U P I T E RL U Z I F E RM A R SM O N DV E N U SM E R K U RS O N N EChakras
asbcxfascfcc

Vom Raum aus gesehen, von der Sonne als Wesen her, haben die Planeten eine andere Ordnung als von der Erde und der Zeit aus. Sie haben Mollcharakter.

Am 10. März 1982 erhielt ich über Frankreich einen Brief von den Hopis, die mich auf die Konstellation aufmerksam machten, daß die Planeten in ihrer nächsten Sonnennähe alle in einer Richtung gestanden sind und daher eine Wandlung des Weltbildes eintrat; der Conjurers Count rastet wieder einmal ein. Das letzte Mal war es 1472, also die Zeit von Kopernikus, dem Ende von Byzanz, der Entdeckung Amerikas, der Renaissance, und dem Beginn der bürgerlichen Welt. Genau so fassungslos wie die letzten Vertreter des mittelalterlichen Kosmos, Aristokraten und Priester, vor dieser Wandlung standen, sind es heute die Bürger vor der neuen Welt der Aquarian Conspiracy, die mit einem Schlag der Schwerpunkt geworden ist. Und daher müssen wir die Wandlung tiefer besprechen, bis auf ihre metaphysischen Wurzeln.

Jedes Wesen ist ein Holon, ist Ich gegenüber der Welt des Tonal, und leer gegenüber dem Nagual. Geist heißt einfach eine größere Integration; eine Schulklasse ist eine höhere Einheit gegenüber dem einzelnen Schüler, eine Kompanie gegenüber dem Soldaten, eine Universität gegenüber den Professoren und Studenten, eine Kirche gegenüber dem Bischof. Doch alle diese höheren Einheiten — auch eine Gruppe hat einen Geist für die Zeit ihres Zusammenhalts — sind Teile des allumfassenden Geistes Wakhantanka, der Liebe, die gleichzeitig das Band der Wesen über den Tod hinaus ist.

Nun gibt es auf der Erde Feuer, Mineral, Pflanze, Tier und Mensch, und ihren höheren Zusammenhalt in der Geschichte, der Lebenskraft, den Gesetzen und den möglichen kulturellen Rollen bis zur Wechselbeziehung aller dieser im Rad. Es gibt aber genauso jenseitige Wesen. Diese haben nun das Ziel oder den Lebenszweck, auf der Erde inkarniert zu werden, um diese zu läutern. Das können sie nur über den Menschen. Wenn der Mensch aber wie die schwarze Erziehung die Liebe vergißt, in Geist und Kultur einen Wert sieht, dann werden Geister losgelöst, selbständig, sie werden das, was man in den prophetischen Religionen als teuflisch betrachtete. Teufel ist ein Geist, der den Zusammenhang mit der Liebe verloren hat, der glaubt, er selbst sei entscheidend, sei Gott. Nur der Mensch kann diesen Geist erlösen, ihn wieder in den Gesamtzusammenhang zurückführen, exerzieren; der Geist selber kann es nicht, da er irdische Macht nur über die Menschen erhält. Die Frage einer Schuld ist hierbei nicht wesentlich, da es nur darauf ankommt, wie man die Geister von ihrer falschen Autorität befreit und diese wieder dem Menschen gibt. Durch Hilfe für den Menschen und die Welt wird der Geist sinnvoll. Daher kann man nicht sagen, daß der Geist teuflisch ist, sondern der Mensch wird es, indem er einen kleineren Zusammenhang — die Bank, das Bekenntnis, die Nation, den Lehrstoff — als Gott erhebt. Das will nicht heißen, daß alle Geister gutwillig sind. Die Wesen des Jenseits können genau so griesgrämig sein wie jene der Erde, wenn man zum Beispiel den Morgenkaffee noch nicht getrunken hat und einen unangenehmen Anruf erhält, oder wenn man in seiner Eitelkeit gekränkt wird. Wie einmal ein Schamane sagte: Genau so wenig wie man in Harlem als Weißer mit einem Buschhemd und gefüllter Brieftasche spazieren geht, soll man sich auch nicht in Gefilde des Jenseits ohne Waffen bewegen, sonst kann man leicht darin umkommen.

Es gibt nichts, was im Weltall unbeseelt ist. Wenn der Mensch einen Teil oder ein Glied seines Organismus nicht bewohnt, dann läßt sich jemand anderer dort nieder, der nicht hingehört, ein entsprechend schlechtes Gewissen hat und sich daher böse gebärdet. So muß man ihn vertreiben. Die Beispiele aus allen schamanischen Kulturen sind bekannt, wie man den fremden Geist durch die Zuwendung des Schamanen und die Hilfe der Freunde und Angehörigen dazu bewegt, den falschen Ort aufzugeben — weil er auch für diesen ein falscher Ort ist und ihn nicht nützt.

Nun ist der Mensch Freund Gottes und Glied des Menschen im All; ihm obliegt es daher, die Geister zur Raison zu bringen und sie ihre positive Rolle finden zu lassen. Die Sonne scheint über Gute und Schlechte, auch der Tod trifft beide gleichermaßen. Aber der Mensch ist Mitkämpfer Gottes, ist Soldat des Universums, er ist Krieger, wie ihn Don Juan geschildert hat, wie er auch in allen Religionen gleichmäßig verkündet wurde.

Nur der Mensch kann die falschen Geister erlösen, weil er allein falschen Geistern Obdach gibt; Tiere sind selten besessen, Menschen fast immer, auch wenn sie in der bürgerlichen Terminologie die Besessenheit euphemistisch als Über-Ich, Aufgabe oder Pflicht betrachten. Nur die Liebe kann den Menschen wieder zurückführen, und sie ist nur dem zugänglich, der sie will, oder der — und das ist unsere Chance — von anderen dazu gebracht wird: wenn er in die Lieblosigkeit versunken ist, sie wieder als seine Heimat und seine Freude, sein Wohlsein zu finden im Unterschied zur bloßen Gesundheit.

Der Lichtkreis der Visionen gewinnt im menschlichen Organismus eine andere Ordnung, die uns dann später aus dem Kreis der Himmelsrichtungen und der Mitte verständlich werden wird. Betrachten wir nun die Struktur der Chakras im einzelnen.

C h a k r a s10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Höheres Selbst
empfinden
fühlen
Körper
Geist
sprechen
denken
Seele
wollen
Sexualität

Chakras sind Energiewirbel, die an die kosmische Energie angeschlossen werden können oder auch nicht. Die Inder bezeichnen sie als Lotusknospen, die zum Erblühen gebracht werden können durch den Aufstieg der Kundalini, der Schlangenkraft, die im Sacrum ruht. Erst der Mensch, der sich in die Anrufung seiner falschen Abgeschlossenheit begibt, kann sie erwecken, und dann haben sie eine bestimmte Bedeutung, die mit der mathematisch-qualitativen Bewußtseinsstruktur übereinstimmt.

  • Das erste Chakra, dem Merkur entsprechend, ist die Sexualität; hier muß der Mensch aus dem falschen Gleichgewicht, sexuell der Gewohnheit, heraus, und in das Wagnis eindringen, daß die Welt ewig neu ist — in Don Juans Worten den Feind der Angst überwinden, indem er die dauernde Klarheit erreicht. Er hat den Osten erreicht.
  • Das zweite Chakra ist das klare Wollen im Bewegungszentrum. Nur bei dem zugehörigen Planeten Venus ist die Reihe der Obertöne und Untertöne gleich, sie vertritt die Urgöttin für den Menschen in beiden Urordnungen, sie ist die Macht des Westens. Dies ist die Mitte des Körperbildes als Anmut, aus der allein das Wollen ansetzen kann, welches indianisch Schreiten im Einklang mit der Erde to walk the world in balance, bedeutet. Wer die Bewegungsmitte erreicht wie der Japaner im Hara, verfügt über ein Vielfaches der Kraft des Durchschnittsmenschen, wie jeder weiß, der sich mit den fernöstlichen Kriegskünsten vertraut gemacht hat. Doch muß er die Klarheit verlassen und sich den Wünschen anvertrauen.
  • Das dritte Chakra, dem Mond zugeordnet, ist das der Seele und der Pflanze, von Vertrauen und Unschuld, des Südens. Nur vom gegebenen seelischen Zusammenhang aus, wenn er die Unschuld erreicht und das falsche Machtstreben — die gefühlsmäßige Erpressung — aufgibt, kann er weiter wachsen, sonst überläßt er sich der Selbstkritik und dem Selbstmitleid und kommt nicht weiter — der Feind der Macht hat ihn gefangen.
  • Das vierte Chakra des Herzens gibt den Zugang zum Denken, zur Strategie. Hier muß der Mensch immer wach bleiben im Norden, nie der Trägheit der bedingten Reflexe anheimfallen. Nur aus dem Herzen, aus der Abstimmung aller Lebensrhythmen heraus, ist das Denken im Einklang mit der Natur. Wer mit dem Kopf denkt, dem geht der kosmische Zusammenhang verloren.
  • Das fünfte Chakra ist das Sprechen, die Fähigkeit, aus Einzelheiten in persönlicher Verantwortung Zusammenhänge zu schaffen. Diesem entspricht der Planet Luzifer, indianischer Überlieferung zufolge der erste, der aus Jupiter entstanden war, und der, sei es aufgrund einer kosmischen Katastrophe, eines Zusammenstoßes — so die nördliche Überlieferung — sei es durch falsche Technologie im heutigen Sinn — so die Inkas — zerstört wurde. Seitdem entspricht jedem Menschen einer der Milliarden Asteroiden dieses Großplaneten, und es ist unsere Aufgabe, die Stücke zur Menschheit, zum Menschen im All zusammenzufügen.
  • Das sechste Augenbrauenchakra im Südosten, das innere Auge, ist der Geist und entspricht Jupiter, den Ahnen, dem Feld der Geschichte, daran jeder teil hat; die Ahnen sind genauso für uns wirksam wie die Lebenden für jenen, der den Aufstieg über das Halschakra, den normalen fünffältigen Menschen, geschafft hat.
  • Das siebte Scheitelchakra im Südwesten, dem Saturn zugeordnet, ist die Fähigkeit, das gesamte Körperbild, den kinästhetischen Körper, bewußt im Zusammenhang mit der energetischen Traumsphäre zu erfassen, ja diesen im Doppelgänger zu verlassen. Wer die Ganzheit des Körpers durch Übungen wie jene von Feldenkrais erlebt, erreicht eine Seligkeit des Körpergewahrseins, die eng verwandt der seelischen Lust ist.

Mit dem siebten Chakra ist die kleine Harmonie, in der Alchemie bezeichnet als die silberne Rose, erreicht, der Mensch ist gleich dem Tier im Kosmos eingeordnet, glücklich, aber noch in seinem Bewußtsein durch den Körper gebunden, er kann noch nicht darüber hinaus wahrnehmen.

  • Das achte Licht im Nordwesten, dem Uranus zugeordnet — es hat jetzt keinen Sinn mehr, von Chakras zu reden — ist das Fühlen, das Erleben des Organismus im kosmischen Stoffwechsel, des Essens und Gegessenwerdens, des give-away; das Erreichen der Gerechtigkeit, Verständnis für die Bedürfnisse aller anderen, selbst wenn dies das Selbstopfer einschließt. Wie Uranus dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar ist, so verlangt auch die Wahrnehmung dieser Sphäre — welche die europäische okkulte Überlieferung als Gesundheitsaura bezeichnete, die den Körper als elektromagnetisches Feld in etwa 2 bis 3 cm Entfernung umgibt und sogar durch Kirlianfotografie veranschaulicht werden kann — eine besondere Entfaltung der Empathie; wer sich vor dem eigenen Leiden fürchtet, kann nie an jenem der anderen teilnehmen.
  • Das neunte Licht im Nordosten, Neptun zugehörig, ist die eigentliche Aura, die den Raum der Bewegung des Körpers ausfüllt und vor allem durch den chinesischen Tai Chi bewußt gemacht werden kann. Diese hat nun laut indianischer Überlieferung vier Schilder, die im Gleichgewicht sein müssen.

Der Mann trägt vor sich das Mannesschild, hinter sich das des kleinen Jungen, der eine Geschichte hat und oft gedemütigt wurde. Die meisten neigen deshalb dazu, das Schild des Jungen der Welt zuzukehren, um sich bemitleiden zu lassen. Aber der Bub — vorn ist Norden im Schild, hinten Süden — muß nach hinten gehen in Vertrauen und Unschuld, und der Mann kann den Einstieg in das Unbekannte durch seine linke, östliche Hand erreichen — dort ist das kleine Mädchen, rechts im Westen die Frau. Als Mädchen hat er keine Geschichte, kann also durch das, was ihm gefällt und wo er gefällt, den Einstieg in den Nagual gewinnen. So muß jeder alle beiden Geschlechter in sich hineinholen. Bei der Frau sind die Schilder anders besetzt: Vorn trägt sie die Frau, hinten das oft gedemütigte kleine Mädchen, rechts den geschichtslosen, abenteuerlustigen Jungen und links den verantwortlichen Mann. Auch sie gewinnt den Zugang zum magischen Selbst durch die rechte Hand, den Jungen im Osten.

Zur Integration der Aura, für deren körperliche Stärkung es viele Übungen gibt, gehört die Befreiung des kleinen gekränkten Kindes. Jean Houston hat dieses indianische Ritual zugänglich gemacht. Nach einer Übung des Körpergewahrseins läßt man unter der Führung eines Menschen das Bild des eigenen kleinen Kindes auftauchen. Jedesmal, wenn eine kleine Glocke ertönt, tröstet man das Kind — man behandelt es genauso, wie man damals liebevoll behandelt werden wollte, und dadurch gelingt es, die Kränkung zu überwinden.

  • Das zehnte Licht ist die Krone, das höhere Selbst, das als Kreis etwa 10 cm über dem Kopf schwebt und den Organismus als Ganzes lenkt, das aber selten anders als über den Traum zugänglich wird. Es gehört zum Planeten Pluto; sein Name weist ihn zurecht als Herrn der Gebundenheit an die Unterwelt, die ewige Wiederholung, aus. Das höhere Selbst muß sich umentscheiden, wenn der Mensch krank ist, es kann sich auch zum Sterben entschließen, den Menschen verdammen, wenn es die Überzeugung gewinnt, daß aus der gegenwärtigen Lage kein Ansatz mehr möglich ist. Der Schamane kann die Botschaft dieses Selbst lesen — er bewegt sich in das Maze, in das nebelhafte Labyrinth, und kann erkennen, woraus die Krankheit kommt, ob aus diesem Leben oder einem früheren. Erst wenn alle Chakren voll entwickelt sind, kann das Selbst als Brücke zum Nagual und zum Göttlichen dienen, der Mensch wird ein Mitarbeiter des großen Geistes.

Krankheiten entstehen, wenn diese Schaltstellen nicht mehr funktionieren, die Energie an solcher Stelle gleichsam ausrinnt. Dafür mögen vor allem vier Gründe maßgebend sein, die nach den Himmelsrichtungen gegliedert sind:

  • Die Krankheit des Ostens ist spirituell: der Mensch hat keine Hoffnung mehr, er glaubt, ihm könne nichts Gutes mehr geschehen.
  • Die Krankheit des Westens bedeutet, daß er keinen Lebenswillen mehr hat, kein Zutrauen zu sich selbst, also seiner Degeneration zustimmt.
  • Die Krankheit des Südens, der Seele, ist emotionell, psychologisch, sie entsteht oft durch gestörte Beziehungen zu Eltern oder dem anderen Geschlecht; Vertrauen und Unschuld sind verloren, die Kränkung ist so groß, daß der Mensch aus eigener Kraft nicht herauskam, zumal sie ihm von anderen zugefügt wurde.
  • Die Krankheit des Nordens ist mental, man hat die Strategie, den Weg verfehlt, sich einem falschen Zusammenhang eingeordnet.

Viele Schamanen erkennen, welche Krankheit der Betreffende hat. Durch Angehen der Ursache und die Behandlung in der entsprechenden Himmelsrichtung können die Leiden gelindert, ja beseitigt werden, indem der Schamane dem Körper hilft, wieder zu seinem eigentlichen Urrhythmus zurückzukehren. Es gibt auch eine Möglichkeit, die Chakras durch Kristalle energetisch zu aktivieren, ähnlich wie bei der Akupunktur durch Nadeln, und ich habe verschiedene wirksame Methoden erlebt, wobei aber wichtiger als die Methode die Reinheit und der gute Wille des Schamanen selbst ist.

Wesentlich vom Conjurers Count aus gesehen ist aber folgendes: Geister können einen Menschen besessen halten, ebenso Tote, wenn er sozusagen nicht zuhause ist. Alle Geister, genau wie die Menschen, haben ihren Ursprung im großen Geist, welcher die Fülle ist, wie Wakhan-Skwan die Leere, aus der alles stammt. Man kann also die Heilung dann erreichen, wenn man jene Kraft anruft, welche die Zahl des verletzten Chakras auf 20 ergänzt; wenn man zum Beispiel mit einem Kristall die entsprechende Anzahl von Kreisen beschreibt — beim ersten 19 mal im Uhrzeigersinn, beim zweiten 18mal, beim dritten 17 mal usw. Doch dies kann man nicht aus einem Buch lernen, man muß — wie alle Initiationen — es von einem Menschen lernen, der die Wirksamkeit selbst erlebt hat, und vor allen Dingen erkennen, welche Methodik, welche Medizin von den unzähligen für einen die richtige ist. Nach der schamanischen Auffassung ist Heilen Menschenpflicht, genauso wie Lernen, sein Leben verdienen und anderes mehr. Und wenn die Sufis sagen, der Name, mittels dessen man Gott erreicht, sei immer der eigene Name, und Hahnemann erklärt, eine einzige bestimmte Pflanze oder ein Mineral sei für jeden Menschen sein ergänzender Heiler, so hat auch jeder die Art und Weise, wie er dem großen Geist als Medium des Ganzmachens dienen kann.

Arnold Keyserling
Vom Eigensinn zum Lebenssinn · 1982
Neue Wege der ganzheitlichen Pädagogik
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD