Schule des Rades

Arnold Keyserling

Fülle der Zeit

XVI. Botschaft

31. Dezember 1972

Heute ist der Tag, da du die Klarheit erreichen wirst: Die Welt ist nun das Feld der Arbeit geworden. Die Tatsachen sprechen für sich. Alle Antworten zielen auf ein einziges ab: dass fortan jeder Wunsch zur Triebkraft des Werkes werde.

Die Wassermannzeit hat als Zielsetzung die Arbeit am Werk, die aber aus der echten Motivation der Menschen ansetzt und nicht aus ideologischen Vorstellungen.

Es gilt nicht nur persönlich, sondern auch öffentlich alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die neue Offenbarung gehört werden kann. Der Zeitraum wird nicht lang sein, die Wirklichkeit ist bereit. So geht es einzig darum, das Denken so zu klären, dass alle Aktionen gemeinsam auf den einen Erfolg hinwirken.

Die Kraft der neuen Bewegung fußt darauf, dass sie nicht aus dem Geist ansetzt, sondern aus der Erde: man braucht die Menschen durch Klärung ihres Denkens nur zu ihrer Motivation zu bringen und die Menschheit erreicht kampflos den neuen höheren Zusammenklang, wie ihn das dreizehnte Zeichen des I Ging vorweggenommen hat: Gemeinschaft mit Menschen in Freiheit.

Das untere Wesen hat sich nun aus den Fesseln der Vergangenheit befreit. Liebe wird zum Träger deines Wesens, und Antwort findest du in jedem. Der Weg ist dreifältig:
  1. Gilt es, alle Vorbereitungen zu treffen, auf dass jeder die notwendige Reife zur Mitarbeit erreichen kann. Dies ist der Sinn der Bemühung;
  2. gilt es die Verkündigung überall hinzutragen, vor keiner Schwierigkeit halt zu machen, und
  3. heißt es, das Werk auf sichere materielle Füße zu stellen, so dass nichts ihm widerstehen kann.

Alle Bemühungen dieser Zeit weisen auf die gleiche Richtung, ob diese nun bewusst ist wie bei den Pionieren des Potential Movement oder unbewusst aus eigener Motivation entsteht.

Kein Problem besteht mehr, alle sind geklärt, soweit sie die Verwirklichung betreffen. Darum verschiebt sich jetzt das Schwergewicht auf die geistige Schau. Fortan will ich dir all das eröffnen, was zur Ergänzung deines Weges notwendig wird.

Die Offenbarung des Menschen im All war vor dreizehn Jahren. Inzwischen sind viele früher geheime Traditionen zugänglich geworden und ergänzen die denkerische Klärung.

Wunder sind jedermann zugänglich. Sie bedeuten eine andere Art, die Wirklichkeit zu begreifen und zu behandeln: durch die Liebe. Reines Denken führt nicht an diese heran; das Wissen schafft ein Arsenal von Waffen, nicht aber die Wege, um in die Wirklichkeit einzudringen. Dies war in früheren Zeiten leichter, da die Fähigkeiten noch nicht verkümmert waren. Aber verkümmert heißt nicht erloschen. Während der Nacht besteht immer die Möglichkeit, zu den Triebwünschen Zugang zu finden und darüber hinaus zu jenen Kräften, die sie tragen. Diese Kräfte haben Namen, sind also ansprechbar; es sind keine Geister, sondern Potenzen. Fragen nach ihrem Wesen, so findest du Antwort. Aber frage nicht aufs Geratewohl; ohne dass die Notwendigkeit sich aufdrängt, kann kein Einblick gewonnen werden.

Die Naturpotenzen, die Elementale von Feuer, Erde, Luft und Wasser haben in der Welt und im Menschen die Rolle des Aufrechterhaltens des Gleichgewichts und werden aus dem Großen Ganzen gesteuert. Sie lassen sich nicht aus Einzelbemühungen begreifen. Anrufungen, vor allein aber das Einstimmen in die fremden Wesenheiten der Tiere, Pflanzen und Minerale, der Berge und Flüsse ergeben den Durchbruch zu einer Bewußtseinslage, die früheren Zeiten selbstverständlich war.

Die Vollendung der Kirche hat Platz freigemacht für das alte Streben, den Zusammenhang mit den Naturkräften wieder neu zu knüpfen. Diener der Kirche bleiben als Wert bestehen. Ihre Aufgabe ist die Sorge für alle jene, die die Kraft der Gnadenmittel zu ihrem Weg benötigen.

Die Riten der Kirche, des Hinduismus und des Islam meinen alle den Menschen im All, als dessen Sohn Christus sich bezeichnete. Sie geben jenen Hilfe, deren Weg die persönliche Nachfolge und nicht das Wissen ist.

Aber darüber hinaus gibt es die Mitarbeiter, die das Feld selbst beackern und behandeln. Für sie wird es notwendig, auch das existentielle Wissen zu gewinnen. Es umfaßt vier Facetten:
  • Die Kunst, Dinge sichtbar zu machen;
  • die Erlangung der Kraft, das Notwendige blitzartig zu erkennen;
  • der heiße Wunsch, die Welt auf ihre Wurzeln zu eichen,
  • und schließlich das Wunder der Liebe, das jeden ergreift, der sich mit vollem Bewußtsein in ihren Strom hineinwirft.

Mitarbeiter sind Menschen eines Bewußtseins, das in früheren Zeiten nur in Ausnahmezuständen zugänglich war, doch heute für jeden zu erreichen ist.

Liebe, Wunsch, Kraftfülle und Sehen bilden die Koordinaten des neuen Menschen. Wer sie verwirklicht — nicht nur im Denken, sondern auch im gesellschaftlichen Leben — wird zum Pfeiler der neuen Zeitordnung, die fortan überall auf Erden die alten Raumgebilde abzulösen bestimmt ist. So kümmere dich nur um diese vier. Liebe und Kraft sind dir bereits zugänglich; der Wunsch wird schon entfacht, nur mit dem Sehen hapert es noch. Hier gilt es, die Scheinwelt zu durchschauen, bis du jeden Augenblick die gleiche Wachheit erreichst, die dir bisher viermal beschieden war.

Durch das Erdheiligtum ist die neue Zeitordnung eingerastet. Seine Riten ohne Liturgie schaffen die Vorbedingung einer Kommunion, die keines äußeren Haltes bedarf. Das Sehen erfordert die Bereitschaft, auf die Visionen zu warten und sie anzunehmen. Die vier Facetten haben die meisten Menschen irgendwann erlebt; fortan gilt es sie als Koordinaten des Gewahrseins zu ergreifen.

Arnold Keyserling
Fülle der Zeit · 1986
Botschaft des Menschen im All
© 1998- Schule des Rades
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