Schule des Rades

Arnold Keyserling

Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit

1. Zahl und Maß

Schöpfungsprinzipien

Betrachten wir die Anjochung der Zahlen als Schöpfungsprinzipien, so zeigen sie folgende Stufen:

  • In der 1 empfange ich mich als Entwurf, als Aufgabe, immer mit dem Urgrund verbunden.
  • In der 2 erkenne ich meinen Partner oder auch das Chaos, das ich in einen Kosmos verwandeln kann — die Kosmisierung als Ursprung aller Religion.
  • In der 3 beginne ich meine Entwicklung, indem ich an einer beliebigen Frage ansetze.
  • In der 4 finde ich jene Mitte, die mir Motive und Intentionen zugänglich macht.
  • In der 5 trete ich über die Motive hinaus und erkenne die Stagnation als falschen Tod, als Illusion.
  • In der 6 werde ich zum Mitmenschen, mein Ich wird durch die seelischen Beziehungen konstelliert.
  • In der Leiter der 7 bin ich imstande, die Offenheit auch ohne den anderen aufrechtzuerhalten, also dem Gefängnis der Generationenfolge zu entrinnen. In vielen Sprachen zeigt dieses Wort einen Rhythmuswechsel an, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben.
  • In der 8 öffne ich mich den jenseitigen und diesseitigen Mächten, erlebe mich auch materiell als Teil der Natur.
  • In der 9 werde ich zum Mitgestalter am großen Werk der Erde.
  • In der 10, dem Gottesprinzip selbst, das 0 und 1 vereint, werde ich fähig, meinen Sinn mit der Emanation zu vereinen, also kabbalistisch die Schechina mit dem Ain Soph zu verbinden, und damit hüben und drüben ein lebendiger Mensch zu werden, und den Überstieg zum Paradies, zur Neuen Erde, zu wagen.

Aus der Kenntnis der Zahlen können wir nun die Sprachentfaltung aus dem Mythos in den Logos überführen und die kindliche Entwicklung nachvollziehen. Die Mitte im Sinne des Herzchakras ist das Wollen, das Erreichen des Tiefschlafbewußtseins als Ursprung der Aufmerksamkeit; die Fähigkeit, etwas zu nichts werden zu lassen, indem der Gegenstand der Betrachtung in die Erinnerung wandert und die Aufmerksamkeit leer dem Neuen gegenübersteht. Dies ist die höchste Stufe der Grammatik, die wir als letztes Kapitel betrachten werden; die vierte Dimension der Aktualität, in der allein der Mensch der göttlichen Potentialität gegenübersteht. Die dritte Stufe und Dimension vereint fühlen und Körper, die zweite denken und Seele und die erste Sinne und Bilder, empfinden und Geist. Nur die nullte Dimension des Gewahrseins erfaßt den Sinn und dieser ist durch die neun Ziffern und die Null bestimmt.

In vielen Büchern habe ich den psychologischen Sinn der Bewußtwerdung als die Spirale des Erwachens dargestellt. Hier nun wollen wir uns die Sprachstufen im kabbalistischen Sinn vornehmen, wodurch der Mensch zum magischen Mitgestalter der Welt erwächst.

Arnold Keyserling
Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit · 1987
Die kabbalistischen Grundmächte des Seins
© 1998- Schule des Rades
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