Schule des Rades

Arnold Keyserling

Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit

4. Motivation und Intention

Reihenfolge der Ziffern

Der Traum besteht aus Abläufen, die den Menschen entweder als Motivation über den Selbsterhaltungstrieb zu einem gewissen Verhalten zwingen, oder ihn über den Arterhaltungstrieb mitreißen. Die magische oder numinose Bedeutung eines Wortes entsteht aus dem Traum; sie ist der Ursprung aller Bedeutung und Deutung.

Wo immer Zahlen auftauchen, schaffen sie diese Bedeutung. Da die Träger aller Zeitläufe die Planeten und die Sonne sind und diese gewisse Ordnungen aufweisen, können uns die drei Reihen der Planeten im Kosmos, im Mikrokosmos und Makrokosmos einen Schlüssel zu der Bestimmung der Sefiroth geben. Im Enneagramm zeigt sich die kosmische, die seelische Bedeutung. In der mikrokosmischen Reihenfolge, die ich in meiner Alphysik dargestellt habe, können wir die körperliche Motivation ablesen, und in der makrokosmischen Reihung der Planeten in ihrer Sonnenentfernung die geistige Intention.

Die Bedeutung der Sefiroth im Rad
1
2
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4
5
6
7
8
9
10
Tifereth
Hod
Bina
Chessed
Nezach
Chochma
Din
Jessod
Kether
Malchuth
Sefira
Eifersucht/heilen
Eitelkeit/gestalten
Ehrgeiz/forschen
Wahn/Einbildungskraft
Habsucht/unternehmen
Neid/verhandeln
Zorn/kämpfen
Machttrieb/verantworten
Ruhmsucht/entwerfen
Haß/Liebe
Jupiter
Venus
Uranus
Mond
Merkur
Neptun
Mars
Saturn
Pluto
Sonne
Kosmos
Mond
Venus
Jupiter
Pluto
Saturn
Mars
Merkur
Uranus
Neptun
Sonne
Mikrok.
Merkur
Venus
Mond
Mars
Luzifer
Jupiter
Saturn
Ketu/Uranus
Rahu/Neptun
Pluto
Makrok.

Die Figur des Dreiecks bestimmt die Zeitworte und die Syntax, die mannigfaltige Figur die Raumworte, die beliebig zu ergänzen sind. Durch die Division werden sie auf die Ebene des rationalen Denkens projiziert, da nur die unendlichen Brüche einen dimensionalen Schritt bedeuten die Teilung durch 9, 6, 3 und 7.

Somit ist das Enneagramm nicht die statische Gesetzlichkeit einer Struktur, sondern der Raster allen Programmierens. Jede der Wortarten ist als Wirkfaktor aufzufassen: einen, zweien, dreien, vieren, fünfen, sechsen, sieben, achten und neunen wären die richtigen urverbalen Inbegriffe, wobei alle Entsprechungen der früheren hier besprochenen Schichten der Sprache in die Kommunikation und Deutung einbezogen werden müssen. Damit wird für die Kabbala der griechische Schritt vom Mythos zum Logos nachvollzogen.

Diese Inbegriffe sind die Ur-Programmierung. Doch wir wollen sie nicht als Entscheidungshilfe für Manager oder Computerfachleute erläutern, sondern als Sinnträger, die Diesseits und Jenseits, unsere Erde und die Neue Erde, unser Wesen und das Sein des Menschen im All endgültig verbinden. Wir vereinen also die Zahlenstruktur des Gewahrseins mit der Grammatik des Wollens.

Wollen ist sowohl geschlechtlich als auch sprachlich Wahl und Entscheidung. Die sechs Raum-Wortarten entsprechen dem Vorgang der embryonalen Entfaltung bis zur Geburt, und die drei Zeitwortarten den drei Keimblättern Entoderm, Mesoderm und Ektoderm.

Die Raum-Wortarten wechseln seelisch zwischen empfinden und Fühlen, Wirklichkeit und Traum, linker und rechter Großhirnhemisphäre. Das Fühlen ist kollektiv, das Empfinden individuell.

7
1
4
Din, Fürwort, Kopulation,
Tifereth, Bindewort, Befruchtung,
Chessed, Verhältniswort, Polarisation, gehören zum Fühlen.
2
8
9
Hod, Hauptwort, Zellteilung,
Jessod, Umstandswort, Organisation
Nezach, Eigenschaftswort, Geburt; gehören zum Empfinden.
3
6
7
Bina, Zeitwortarten, Ektoderm,
Chochma, Zeitwortpersonen, Mesoderm,
Kether, Zeitwortformen, Entoderm; gehören zum Denken.
0Malchuth, Ja und Nein; gehört zum Wollen.

Z a h l e n k r e u z

  1. Malchuth. Gott wirkt, sein Werk mit oder ohne freie Mitwirkung des Menschen. Die Schechina, ein anderer Name für Malchuth, hat zwei Gesichter, ein zugewandtes und ein abgewandtes. Wer dem Haß und Egoismus dient, der sieht nur das abgewandte Antlitz und trägt zur Zerstörung bei, die selbst wieder neuem Aufbau dienlich wird. Wer die Liebe sucht, erlebt sie dreifältig:
    • im Kosmos als Kraft des Wesens symbolisiert in der Sonne,
    • im Mikrokosmos in Entsprechung zu den Edelgasen als Tendenz der Erfüllung des Achterkreises, und
    • im Makrokosmos als Vollendung des Reichs Gottes in der letzten Wortwerdung — der Fähigkeit, mit seinem hier erworbenen Wissen an der Neuen Erde mitzuwirken.

    Zehn ist gleichzeitig Null. Die anderen Sefiroth werden in der Reihenfolge der Ziffern verständlich.

  1. Tifereth. Der Impuls der 1 ist die Sehnsucht nach Integrität, negativ in der Eifersucht, positiv in der Fähigkeit des Heilens. Hierzu ist die Phantasie der Einfühlung, das Grundvertrauen, ebenso wichtig wie die klare Urteilskraft.
  2. Hod. Nur die Venus hat in allen drei Zahlenordnungen den gleichen Platz. Im Sohar als Majestät und Pracht bezeichnet, bedeutet sie negativ die Eitelkeit, positiv die Fähigkeit des Gestaltens, die durch Einbeziehung des Gebärens und die Erkenntnis der Eigengesetzlichkeit des Minerals entfaltet wird.
  3. Bina. Negativ wirkt der Ehrgeiz zerstörend im mitleidslosen Wettbewerb. Positiv bedeutet diese Sefira die Fähigkeit des Forschens, Lernens und Lehrens. Hierzu gilt es mikrokosmisch das Inbild eines Menschen oder einer Wesenheit zu erkennen, und makrokosmisch über die Einbildungskraft die mögliche Vollendung zu erfühlen.
  4. Chessed. Der Traum wird negativ zum Wahn, positiv dagegen zur Einbildungskraft, sobald jede vermeintliche Kränkung in Strategie verwandelt ist und der Mensch sich ganz der Kraft des Neubeginns anvertraut.
  5. Nezach. Dieser Impuls äußert sich negativ als Geiz oder Habsucht, die beide aus der Angst geboren sind. Positiv bedeutet er die Fähigkeit des Unternehmens, des Durchhaltens und der Dauer durch Erkenntnis der sozialen Rolle, wobei das Anliegen auftaucht, jeden beim Sündenfall verlorenen Funken des Menschen im All wieder zum Licht und zur Liebe zurückzubringen.
  6. Chochma. Diese Sefira ist negativ der Neid, weil man einer Gesellschaft nicht zugehört, will man sie vernichten. Positiv bedeutet sie die Fähigkeit des Verhandelns, des sozialen Kontaktes, der Initiative verlangt — sich nicht beleidigt zurückzuziehen — und den Menschen in seiner Fülle und Geschichte anzuerkennen.
  7. Din. Die Strenge Gottes ist negativ der Zorn, positiv das Kämpfen für Werte, deren Vertreten genaue qualitative Unterscheidung und Abstimmung auf die bestehende Ordnung verlangt, auf daß kein wachsender Keim verletzt werde.
  8. Jessod. Laut kabbalistischer Überlieferung gibt es in jedem Zeitalter sechsunddreißig Gerechte, was dieses Wort bedeutet. Negativ äußert sich der Impuls als Machttrieb, doch positiv wird er zur Fähigkeit des Verantwortens, aber nicht im Sinne einer vorgegebenen Ordnung sondern sich immer strebend bemühend, um den Einklang mit der Neuen Erde zu erreichen: Uranus ist auf Ketu abgestimmt.
  9. Kether. Dies bedeutet negativ die Ruhmsucht, der vor allem viele Pseudogurus anheimfallen, die glauben, einen neuen Weg bahnen zu können. Positiv dagegen ist diese Sefira, die Krone des Menschen, die Fähigkeit nur in den Anfängen zu sein, zu entwerfen, neue Möglichkeiten zu schaffen, wenn man andere zu begeistern und mitzureißen versteht und die Befreiung jedes Menschen zur Selbständigkeit und Liebe — Neptun ist auf Rahu gerichtet — zum Ziel wird.

Kein Traumbild, keine Imagination, keine Vision ist negativ an sich. Sie wird es nur dann, wenn der Einzelne sich mit der Dunkelwaltung, der Zerstörung identifiziert.

Der Evolution dient er auf jeden Fall. Wer einen Gottesnamen, eine Sefira nicht positiv ergreift, wird von ihrer dunklen Seite mitgerissen und sein Zerstörungswerk dient als dissipative Ordnung einem neuen Aufbau. Die exoterischen Religionen haben daher den negativen Aspekt des Hasses und des Selbsterhaltungstriebs durch Moralvorschriften eingedämmt und kanalisiert. Doch wer den esoterischen Weg geht, um Freund oder Mitarbeiter Gottes zu werden, muß alle vier Aspekte der Sefiroth getrennt anjochen, was im Rad durch das Verstehen des Chi, des Zahlenkreuzes möglich wird.

Arnold Keyserling
Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit · 1987
Die kabbalistischen Grundmächte des Seins
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD