Schule des Rades

Arnold Keyserling

Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit

5. Sinn und Bedeutung

7 - Din - Fürwort

Der Beginn der mannigfaltigen Figur ist die Sieben, die die Raumworte und gleichzeitig die embryonale Entfaltung in Bewegung bringt. Die geschlechtliche Vereinigung ist die Voraussetzung einer neuen Geburt. Doch in der Sieben verlangt diese Vereinigung die Öffnung der Chakras, von denen jedes einer der Kategorien des Fürwortes entspricht.

  1. hinweisend. Dieser, der. Muladhara-Chakra bedeutet die Beobachtung und Wahrnehmung. Durch das Wort dieses oder im Artikel der die das, wird die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand gerichtet, der als Kraftquell und im Satz als logisches Subjekt auftaucht. Das Empfinden nimmt eine bestimmte Sinnesgegebenheit wahr, und damit einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Vertiefe ich mich in diese Kategorie und ihre Bedeutung, dann kann ich einen Ansatz zum Tun finden, der nicht ideologisch verfälscht ist.
  2. bestimmend. Derselbe, derjenige. Diese Kategorie gehört zum Swaddhistana-Chakra des Denkens, vereint Einzelheit mit Allgemeinheit. Das erste Fürwort steht als Kraft für den Namen, das zweite für das Hauptwort mit Singulär und Plural: ein Gegenstand wird einem Zusammenhang einverleibt und dadurch assoziationsfähig. Selbst dieser Mensch — oder : ein solcher. Auch hier steht die Vereinigung von Singular und Plural im Vordergrund, die laut Piaget der Beginn allen Denkens ist, woraus der Syllogismus abgeleitet wurde.
  3. unbestimmt. Was gutes, etwas neues, einiges, solches. Die dritte Kategorie gehört zum Manipura-Chakra — fühlen. Sie bezeichnet die Gemeinsamkeiten, die Menschen gefühlsmäßig zusammenhalten. Man tut das nicht. Niemand ist gekommen, keiner war da. Ein anderer wird es tun, sie werden einander helfen. Beide sind beschäftigt. Jeder Mensch, jegliches Ding, jedwede Leistung; alle Vögel fliegen, viele möchten etwas erreichen, wenige können es, mehrere oder etliche sind gescheitert. Hier steht das Allgemeine als gleichsam blinder Kraftquell vor dem Bewußtsein; man erkennt es nur an seiner Wirkung.
    So steht das unbestimmte Fürwort stellvertretend für die Zeitwortarten von sein, haben, werden.
  4. bezüglich. Im relativen Fürwort, das das Verhältniswort vertritt, bildet es die Einführung eines Nebensatzes. Die Urteile werden erweitert: wer viel hat, lebt gern gut. Ein Kraftzentrum, ein Wesen ist maßgebend für viele Verbindungen: der Mann, der gestern kam, dessen Tochter ich kenne, dem bin ich begegnet.
    Das bezügliche Fürwort gehört zum Anahata-Chakra des Wollens, mit seiner Hilfe werden umgreifende Wirkzusammenhänge veranschaulicht.
  5. besitzanzeigend. Mein, dein, sein: die fünfte Kategorie vertritt das Eigenschaftswort, man rechnet den Zusammenhang gemäß dem Vishuddha-Chakra dem eigenen Wesen zu.
  6. persönlich. Das persönliche Fürwort gehört zum Ajna-Chakra der Seele. Es vertritt die Personen des Zeitwortes und wird in manchen Sprachen wie deutsch, englisch und französisch der Konjugation beigefügt, in anderen wie italienisch oder russisch nicht. Daher wird für diese Völker die Ichhaftigkeit oft übertrieben. Ich beginnt eine Bewegung, du ist der Gesprächspartner, über es spricht man. Aber während in der Konjugation der Vorgang im Vordergrund bleibt, ist im Fürwort der seelische Täter herausgeholt.
  7. fragend. Wer oder was? Das fragende Fürwort gehört zum Sahasrara-Chakra, zum Geist. Auf deutsch ist es auf die Frage nach Person oder Sache beschränkt, die nach den Fällen des Verhältniswortes abgewandelt wird. Betonend wird wer zu welcher, unbestimmt zu was für einer, welch einer. Hier ist die Unterscheidung von Menschen und Sachen im Vordergrund, auf daß die Wesen nicht den Dingen untergeordnet werden.

Alle Fürworte sind Ansätze der Verwirklichung aus der Kraft, gleich wie in der Natur die geschlechtliche Vereinigung der Befruchtung vorausgeht.

  • Vom Kosmos, dem Mars her, entspricht es der Initiative,
  • vom Makrokosmos, dem Saturn her, der Erkenntnis der Lebenskräfte,
  • vom Mikrokosmos, dem Merkur her, der Individuation.

So ist der Gebrauch des Fürwortes die sprachliche Voraussetzung eines jeden Eingriffs in die Natur. Wenn ich eine neue Initiative beginne, so muß ich sie daher siebenfältig gliedern:

  1. Wirklichkeit
  2. Beziehungen
  3. Gesetze
  4. das Kraftnetz der Wirkursachen
  5. Die zugehörigen Eigenschaften
  6. die beteiligten Personen oder Kräfte
  7. wohin soll das Ganze in der Zukunft führen

Habe ich das Fürwort und damit die Chakras verstanden, so kann ich Möglichkeit und Wirklichkeit, Kraft und Licht im Wort vereinen. Und wenn irgendein sprachlicher Zusammenhang sieben Aspekte hat, dann bildet er den Ansatz zu einer neuen Verwirklichung, die oft zu dem Bestehenden in Gegensatz steht, weil eben gerade dieser Gegensatz zur Geburt eines neuen Wesens führen kann.

Arnold Keyserling
Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit · 1987
Die kabbalistischen Grundmächte des Seins
© 1998- Schule des Rades
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