Schule des Rades

Arnold Keyserling

Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit

Einführung

Dimensionen

Es gibt vier Raumdimensionen und vier Zeitdimensionen, die sich in bestimmten Zahlenarten und Rechnungsweisen ausdrucken und ihren Zusammenhang in der Figur des Rades finden.

D i m e n s i o n s k r e i s
Raum:
1
Die erste Dimension des Raumes ist die Gerade, die eine unendliche Anzahl von gedachten Punkten umfaßt.
2
Die zweite Dimension ist die Fläche, die eine unendliche Anzahl von Geraden beinhaltet.
3
Die dritte Dimension ist der Kubus, der eine unendliche Anzahl von Flächen einschließt.
4
Die vierte Raumdimension ist das unendliche energetische Kontinuums des All, welches unendlich viele Volumen und Wesen enthält, die durch die Lichtgeschwindigkeit miteinander in Resonanz stehen. So ist die vierte Raumdimension die Aktualität und ihre Raumhaftigkeit äußert sich darin, daß die Wesen nur jene Kräfte in Resonanz aufnehmen, die mit Lichtgeschwindigkeit an sie herangetragen und daher absorbiert werden.
Zeit:
0
Es gibt keine nullte Raumdimension, aber sehr wohl eine nullte Zeitdimension. Diese ist der Augenblick, der das Gewahrsein bestimmt. Bewußtsein ist nicht in der Gegenwart — deren Wahrnehmung bekanntlich zwei bis drei Sekunden erfordert — sondern in jenem ungreifbaren Moment, der die Vergangenheit von der Zukunft trennt. In diesem Augenblick wird der Mensch des Göttlichen gewahr, wenn er imstande ist, darin zu verweilen.
1
In der ersten Zeitdimension wird der wandernde Augenblick zur Bahn; er erzeugt in der Zeit die Bahn, die unendlich viele Momente umfaßt.
2
Die Bahn, die sich in der zweiten Dimension um ihre Achse dreht und den Raum einer Scheibe im Umlauf ausfüllt, zeigt unendlich viele Stellungen.
3
Die Drehung der Scheibe des Umlaufs um ein halbes Mal schafft die Körperlichkeit der Kugel, die als potentieller Rahmen die letzte Zeitdimension bestimmt. So sind die Atombahnen vorgegeben ebenso wie die makrokosmischen Schwerkraftsverhältnisse, weshalb man einen Satelliten in einer gewissen Entfernung zur Erde fixieren kann.

Die vier Raumdimensionen und vier Zeitdimensionen sind von den Chinesen in ihrer kreativen Bedeutung im Buch der Wandlungen bestimmt worden; die Raumdimensionen sind Yin, die Zeitdimensionen sind Yang. Ihre Verbindung zu Zahlen und Rechnungsarten wurde logisch von Pythagoras entdeckt und ausgeführt.

Die nullte Dimension der Zeit mit dem Augenblick bestimmt das Gewahrsein, dessen Ursprung der ewige Strom vom Nichts zum Etwas ist, der persönlich und kosmisch die Zeit und die Wirklichkeit erzeugt. Die Rechnungsart ist das Zählen, die Zahlenart sind die natürlichen Zahlen, die Ziffern von 1 bis 9, deren Klasse die Null ist.

Die Ziffern sind der Ursprung aller Qualität, sie bestimmen die Schöpfungsprinzipien. Daher ist der kabbalistische Ansatz sinnvoll und richtig. 1 ist als natürliche Zahl nicht größer oder kleiner als 2. Wir können die natürlichen Zahlen als Fältigkeiten bezeichnen: einfältig, zweifältig, usw. Sie sind die Buchstaben der Zahlen und der Wirklichkeit. Der demokratische Begriff für Element, Stocheia, hat diese Bedeutung.

0. Gewahrsein · Augenblick, natürliche Zahlen · , Zählen

0123456789

Die erste Dimension umfaßt die ganzen Zahlen, die auf einer Geraden angeordnet werden können. Von der Mitte aus sind die Zahlen nach rechts positiv, nach links negativ, und ihre Mitte bildet die Null als Übergang von positiv zu negativ.

1. Empfinden · Linie, ganze Zahlen · , Addition

G a n z e - Z a h l e n

Im Rad ist diese Null am Ort des Aszendenten oder Frühlingspunktes im Tierkreis eingezeichnet. Die positive Rechnungsart, also von der Mitte nach rechts, ist die Addition. Sie wird zur Grundlage des Empfindens. Nach links ist es die Subtraktion, die Frage, die Fähigkeit die Zukunft zu erfassen, die Grundlage des Geistes.

Die zweite Dimension ist räumlich die Fläche und zeitlich der Umlauf. Beide veranschaulichen die rationalen Zahlen. Die Division des positiven Feldes zeigt die Brüche, das Lambdoma des Pythagoras; die Multiplikation des linken oberen Feldes die Produkte, das Gamma. Durch die Ziffern ist der Umkreis der als Schöpfungsprinzipien wirkenden rationalen Zahlen auf zehn beschränkt; bei den Brüchen ist die höchste Zahl 7 : 7, bei den Produkten: 49 = 7 × 7. Daher auch die Begrenzung der körperlichen Chakras auf 7.

2. Denken · Fläche, rationale Zahlen · , Division

R a t i o n a l e - Z a h l e n

Die Division, das Ur-teilen, ist die Grundlage des Denkens, die Multiplikation — Anerkennung der Wesen als Erzeuger ihrer selbst — die Grundlage der Seele, der Synergie.

Die dritte Dimension, die reellen Zahlen, die ihren Ausdruck in der Algebra gefunden haben, zeigt im negativen Bereich die Funktionen, etwa die Formel der Schwerkraft oder der Abstände und Ladungskapazität der Atomstruktur, die im positiven Feld die Proportionen, die wir durch Rückbindung von Brüchen gleicher Wertigkeit zum Nullpunkt des Zahlenkreuzes im Rad erkennen.

3. Fühlen · Volumen, reelle Zahlen · , Proportion

R e e l l e - Z a h l e n

Die Funktionen sind Träger der Körperwelt in ihren Konstanten, deren Zahlen sich allesamt daraus ablesen lassen, und die Proportionen bilden die Grundlage des Fühlens. Ihre mittlere Diagonale hat den Wert der Einheit, ihre Tendenz ist also die Erreichung der Ganzheit.

Die vierte Raumdimension enthält die komplexen Zahlen, die den Zusammenhang der Welt aufzeigen. Ihre Rechnungsart ist die Kombinatorik, die wiederum als Grundlage die neun Ziffern und die Zehn enthält, wobei über die Schallwelt die Gesetze der longitudinalen Materiewellen hörbar werden und über die Farbwelt die Gesetze der transversalen Energiewelt. So ist das Rad, das den Zusammenhang aller Gesetze zeigt, banal gesprochen der Zusammenhang aller Gesetze der ebenen Geometrie, die allein das Denken bestimmt, doch esoterisch gesprochen der Prüfstein, der Wahrheit und Falschheit in allen Welten unterscheidet und uns daher auch befähigt, die Grundlage der Kabbala aus ihrer mythischen Verbrämung zu lösen und allgemein zugänglich zu machen, wie es unser Buch versucht.

4. Wollen · Kontinuum, komplexe Zahlen · , Kombinatorik

K o m p l e x e - Z a h l e n

Die Kapitel sind im Rad von Osten nach Westen gegliedert:

  1. Osten, Gewahrsein: Zahl und Maß als Parameter der Sinneserfassung und Gestaltung.
  2. Nordosten · Südosten, Empfinden · Geist: die Sinne und die Qualitäten von Raum und Zeit als sprachlicher Rahmen des Wachens, der Erfahrung und der Offenbarung.
  3. Norden · Süden, denken · Seele: der Ursprung der Lautbedeutung und der Kreis der Zivilisation in seiner dynamischen Richtung auf die Vollendung der Menschheit.
  4. Nordwesten · Südwesten, Fühlen · Körper: Motivation und Intention. Das Drama der Traumwelt.
  5. Westen, Wollen — das zeugende Wort. Die Erkenntnis der Weltgrammatik als Grundlage der Mitarbeit an der Evolution, als Befreiung zur Menschwerdung.
Arnold Keyserling
Gott · Zahl · Sprache · Wirklichkeit · 1987
Die kabbalistischen Grundmächte des Seins
© 1998- Schule des Rades
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