Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das große Werk der göttlichen Hände

III. Teil:Entschleierung des Göttlichen

Urmacht der Sieben — Geister

Wir sind die Erhalter der Welt über Feuer und Wasser, Erde und Luft. Wir sorgen dafür, daß alles immer im Gleichgewicht ist, aber daß Verfehlungen, die Menschen machten, durch unsere Natur wieder ausgeglichen werden, indem das Zuviel einen neuen Ausgangspunkt schafft, mit dem das Wechselspiel wieder beginnt.

Wie überall gibt es auch bei uns Liebe und Streit. Manchmal ist die Liebe im Vordergrund, manchmal der Streit. Der Tod ist schmerzhaft für das falsche Ich, aber freudig für jenen, der weiß, wie er einem neuen und höheren Zustand zuführt, nach dessen Erreichnis jeder Mensch selbst das vierfältige Kräftespiel auf der Neuen Erde einsetzen kann.

Mut kommt dadurch, daß man den Elementen vertraut. Wisse immer, wer dich gerade führt.

  • Der Zwerg der Luft zeigt die nächste praktische Erfindung;
  • die Fee des Wassers gibt dir einen unmäßigen Wunsch;
  • die Elfe des Feuers läßt dich in Freude tanzen und erleben, daß du in dieser Lust mit ihr vereint bist,
  • und der Troll der Erde offenbart in seiner Schwermütigkeit, wie du sein Los durch aufmerksames Beachten aller Bedingungen erleichtern kannst; und dann zeigt sich, daß gerade seine irdische Trauer die größte Hilfe darstellt.

Wundersam sind die Gebärden der Geister. Sie alle sind im Tanz, helfen unbemerkt, wie es die Märchen zaghaft schildern. Wer uns begegnet, verliert nie mehr seine Kraft, da er immer weiß, wann es an der Zeit ist, zu einem anderen Element überzuwechseln.

Wenn du traurig bist, dann beginne ein Werk der Erde. Wenn etwas dich verstört, dann denke und warte, bis die Luft dir den Ausweg als eigenen Gedanken zeigt. Wenn du an Kränkung oder Überschwang leidest, dann fließe mit dem Wasser wieder dem Gleichmut zu, der weiß, daß nichts wirklich so schlimm ist, wie es scheint. Und wenn du in Langeweile versumpfst, dann zünde das innere Feuer an, daß dir in neuer Intensität den Reigen zeigt.

Dieser Reigen ist im ganzen All. Nie kannst du den Weg verlieren, wenn du uns achtest und weißt, daß nur mit unserer Hilfe dein Wesen wirken kann. Die Musen inspirieren, die Engel führen. Die Geister helfen, sobald man ihre Hilfe will, indem sie einem die Nahtstelle zeigen, durch welche die Veränderung eintreten kann.

Meister ist jener, der die Geister rufen kann, wenn er sie braucht. Doch nie kannst du uns zu einem Werk rufen, das gegen den Menschen gerichtet ist; dann dienst du den Toten, und wir sind nicht mehr da. Die Verwesung ist auch ein geordneter Prozeß, aber sie ist Involution, geht hinunter bis zu den Elementen. Und weise ist jener, der diese Zersetzung nicht in der Wirklichkeit durchführt, sondern im Traum der Motive, sodaß er sich nicht schädigt. Im Traum stehen alle Möglichkeiten offen; auch die aktive Imagination muß immer auf unsere Wirkung zurückgeführt werden. Hierbei spielen die Namen und Methoden keine Rolle. Niemand kann sich mit einem von uns identifizieren, aber er kann manchmal im Traum bei uns zu Gast sein, und wenn er lernen will, dann helfen wir ihm. Doch sind wir nicht mitleidig, weil nur der Mutige zu uns findet.

Alle Märchen zeigen unser Wirken, auch dein eigenes Märchen gehört dazu. Es offenbart den Born der ewigen Jugend, obwohl Zwerge und Trolle uralt, Elfen und Feen jung erscheinen. Alter und Jugend heißt Vorschau und Rückschau. Manchmal ist Vorschau nötig, dann wieder Rückschau: Besinnung auf jene Motive, die noch nicht zum Tragen gekommen sind.

Einer von uns steht dir besonders nahe, weil du auch als Name nur aus einem der vier wirken kannst. Wandelst du die Erde, steht der Troll dir zur Seite; in der sprachlichen Zivilisation der Zwerg, im Erwecken zur Eigenheit die Fee und im Führen zu Fest und Freude die Elfen.

Arnold Keyserling
Das große Werk der göttlichen Hände · 1986
III. Teil:Entschleierung des Göttlichen
© 1998- Schule des Rades
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