Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das magische Rad Zentralasiens

IV. I Ging

Weg des Sinnes

24Der Ansatz des Weges des Sinnes ist das Geheimnis der Goldenen Blüte im Zeichen Wiederkehr (24), wo das Kreisen des Lichtes den Keim zur Entfaltung bringt, dessen Sinn erst nach der Meisterschaft zugänglich wird. Doch diese Verinnerlichung muß sich dem Entgegenkommen (44), der Verführung, der Gefahr öffnen, weil nur durch diese Hingabe der himmlische Geist die Motive der Erde zur Entfaltung bringt.44
7Das erfordert große Disziplin, den starken Mann, wie sie ein Heer (7) braucht. Doch dieser muß seinen Massen, seinem Körper und seiner Seele freundlich gegenüberstehen und diese nicht vergewaltigen. Denn dadurch entsteht das Ideal der Gesellschaft, Gemeinschaft mit Menschen in Freiheit (13), die eigentliche Menschlichkeit im Zeichen des Wassermannes, in der Menschen nicht nach Herkunft, Weltanschauung oder Interessen, sondern in Liebe und Kommunion zusammenkommen.13
15In dieser Gesellschaft erreicht der Einzelne seine wahre Stellung als Bescheidenheit (15), sich mit dem zu bescheiden, was er wirklich ist: er verringert, was zu viel ist und vermehrt, was zu wenig ist. Dadurch wird er fähig, der Kraft der Erde im Zeichen des Auftretens (10) gewachsen zu sein: er tritt auf des Tigers Schwanz, und der Tiger beißt den Menschen nicht.10
11Als solcher bringt er eine Zeit des Friedens (11) und des Neuanfangs, doch nur dann, wenn er im Gegenzeichen Stockung (12) sich auf seine Rolle in seinem natürlichen Wirkungskreis und als Brücke zwischen Himmel und Erde besinnt und sich nicht anstellen läßt: Kaiser und Papst in einer Person.12
19Als beständiger Edler ist er im Zeichen Annäherung (19) in seiner Absicht zu lehren unerschöpflich und im Ertragen und Schützen des Volkes ohne Grenzen. Doch muß er sich auf jene Stellung zurückziehen, wo ihm die Gemeinen nicht schaden können und er seine Werte ohne Hindernisse und Feindschaft im Rückzug (33) bewahrt.33
36Noch eine Klippe steht vor ihm in der Verfinsterung des Lichts (36): die letzte Prüfung ist, in der Not beharrlich zu sein; sein Licht zu verhüllen, ohne es zu löschen, und im Streit (6), in den man ohne Verschuldung kommt, auf halbem Wege innezuhalten.6
46Wer diese Prüfung übersteht, für den geht es nun voran, wenn auch die Expansion nicht spektakulär wird: im Empordringen (46) häuft der Edle hingebenden Wesens Kleines auf Kleines, um es zu Großem zu bringen. In voller Selbstlosigkeit erreicht der Krieger die Unschuld (25), deren Zustand allein die beiden großen Prinzipien von Erde und Himmel zugänglich macht.25
2Mit der Zweiheit des Empfangens (2) und des Schöpferischen (1) ist der Einklang mit dem All erreicht. Der Edle trägt hingebenden Wesens die Außenwelt und muß sich im Osten immer wieder stark und unermüdlich machen, um jene Visionen zu verwirklichen, die der Zeit angemessen sind.1

Damit ist das Ziel der Wandlungen erreicht; der Mensch wird gleich der Erde ein Empfangender und kann die Intention des Schöpferischen in seinem Werk verkörpern. Als großer Mensch wird er anderen zur Seite stehen, um auch sie in die große Harmonie einzustimmen.

Jeder Mensch hat als Signatur eines der Zeichen, welches analytisch durch Bestimmung der beiden Komponenten zu entschlüsseln ist. Betrachtet man die sechs Urteile, die Zeichen, zu denen sie führen und anschließend das Gegenzeichen, so weiß man, welcher Mythos einen trägt. Ferner kann man über das Orakel des I Ging immer wieder die richtige Einstellung zu Yin und Yang finden und damit, wie Konfuzius sich ausdrückte, von den gröbsten Irrtümern frei werden.

Arnold Keyserling
Das magische Rad Zentralasiens · 1993
Schlüssel der Urreligion
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD