Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das magische Rad Zentralasiens

V. Astrologie

Die Planeten

Der Mensch ist frei sich zum himmlischen Wesen zu entfalten. Die Planeten lenken sein Schicksal entweder im Sinn geglaubter Ideologien worin vergangene Zeiten den Sinn suchten, also im Bekenntnis oder werden sie zu Werkzeugen seiner Teilnahme am Werk der Sonne, wie es Hermes Trismegistos hieß.

Es ist dem All gleichgültig, ob ein Mensch frei handelt oder nicht. Aber da Gott die Liebe ist, spürt ein jeder, daß sein innerster Drang letztlich darauf zielt, daß er also als natürlicher Mensch auf den geistigen angelegt ist, auf die zweite Geburt, jene des Wesens.

A s p e k t e

Die musikalische Toleranz der Resonanz ist das diatonische Komma, 81/80, 9/10. 10° beträgt der Orbis der Aspekte zwischen den Planeten. Sonne und Mond sind immer in Zusammenhang und der Orbis der Lichter zu den Planeten beträgt deshalb 12°30'. Die Aspekte des Horoskops sind Gestaltungswerkzeuge des Denkens, keine physikalischen Gesetze. Daher kann uns die Sprache mit dem Sinn der Wortarten den Schlüssel zur Bedeutung der Planeten im Zusammenhang mit dem Tierkreis geben.

Die Chaldäer erfanden den Tierkreis, aber auch die Woche, dank welcher der einzelne die sichtbaren Impulse integrieren kann. Sie sind zwischen Mond und Sonne nach der Entfernung gegliedert, den Zeitumläufen. So ergibt sich die Form eines Siebensterns, der aber offen ist; die kreative Zeit der Chinesen. Eine neue Woche des Mondes ist ein neuer Bedeutungszusammenhang, gegliedert nach zunehmendem Halbmond, Vollmond, abnehmendem Halbmond und Neumond. Das Sonnenjahr umfaßt 52 Wochen, die Yinzeichen des I Ging.

W o c h e

Betrachten wir das Rad. Die Planeten wurden von der Sonne vom Löwen aus betrachtet, Mond ist im Krebs, Merkur in der Jungfrau. Hier weichen wir von Ptolemäus ab. Wir verwenden nur die Nachthäuser, weil die Signifikatoren der Taghäuser oder solaren Zeichen damals unbekannt oder vergessen waren. So ist Mond im Krebs, Merkur in der Jungfrau, Venus im Stier, Mars im Skorpion, Jupiter in den Fischen und Saturn im Steinbock beheimatet. Sie bilden die Urfamilie, woraus der Aufstieg des Menschen in der Kosmogonie beginnt.

U r f a m i l i e

Durch die psychologische Literatur sind wir gewöhnt, die Familienstruktur hauptsächlich negativ zu sehen, da Therapeuten es mit Kranken zu tun haben. In Wirklichkeit hat aber jeder Mensch planetarisch eine Zielvorstellung der Familie, an die er denkt, wenn er aus Liebe heiratet. Die Tugenden werden auf andere Menschen übertragen, wenn die eigene Familie das Versprechen nicht hält das man erwartet hat. Einer mit einem Vater von mangelndem Pflichtbewußtsein sucht sich einen strengen Vorgesetzten, einer mit einer verschlampten Mutter eine große Dame.

Die Familienrollen sind nicht genetisch sondern astral, als geistige Erwartung vorgebildet. Wenn man es an einer der sechs fehlen läßt, dann können andere einen dafür moralisch zur Rechenschaft ziehen, und man reagiert auf die Anwürfe.

  • Das Urbild des saturnischen Vaters oder besser des väterlichen Prinzips ist Pflichterfüllung, Ehrlichkeit, Anständigkeit, Vertrauenswürdigkeit.
  • Das Urbild der jupiterischen Mütterlichkeit ist die Würde, der Ruf, der Anstand, die Sittlichkeit, die Lebensform und die Höflichkeit, die Manieren. Wenn man einen Menschen unter diesen Begriffen kritisiert, wird er versuchen sich zu bessern oder aber in Haß verfallen.
  • Das Urbild der Venushaften Schwesterlichkeit ist der Liebreiz, die Freundlichkeit, die Schönheit und Annehmlichkeit, die Intimität, der Schmuck und der Lebensstil.
  • Das Urbild der Brüderlichkeit, der marsischen Männlichkeit im Skorpion ist die Bereitschaft zum Einsatz, zur Initiative, das Durchhalten, die Unermüdlichkeit, Kameradschaft und Aufrichtigkeit. Auf der Ebene zwischen Bruder und Schwester entwickelt sich exogam die geschlechtliche Liebe, die das Verhältnis zwischen beiden prägt, wobei die Sitten der Werbung und Auslese sich nach dem Zeitgeist wandeln.
  • Das Urbild der Tochter ist die Anmut, die Entfaltung, die Freude an der Vollendung, an der Schönheit, die Befriedigung der Wünsche und Bedürfnisse im Mond. Die Seele wird als Braut verstanden. In der zweiten Geburt wird sie dem Geist angejocht, wie es das salomonische Hohe Lied besingt. Im Zeichen 17 des I Ging, Die Nachfolge, begibt sich ein älterer Mann unter ein Mädchen, um sie zur Nachfolge zu bewegen. Der Mond kann nur von der tatsächlichen Anlage ausgehen, nicht von einer falschen jupiterischen Inbildvorstellung, die der Anlage nicht entspricht.
  • Das Urbild des Sohnes ist die Geschicklichkeit, die Schnelligkeit, das Entfalten der Begabung, das Lernen im Merkur, aber auch die Schlauheit, die Strategie. Jeder Sohn wird erst gegen die bestehenden Pflichten und Gesetze aufbegehren, bis er sie aus Einsicht anerkennt.

Die lunaren Planeten erfährt oder erleidet man. Ist im Horoskop einer rückläufig, dann begegnen die Anlässe von außen, sonst muß man sie selbst verwirklichen. Die kreative Initiative kommt aus den drei unsichtbaren Denkplaneten, Uranus, Neptun und Pluto, die den Zeitwortarten entsprechen.

Die lunaren Planeten haben keinen Gegensatz, ihre ursprüngliche Stellung im Rad ist 40° voneinander, also aspektlos. Doch die Denkplaneten auf 15° Zwillinge, Waage und Wassermann haben als Gegenüber einen Willensimpuls, und sind nur auf diesen hin, also auf die Wesenswerdung gerichtet im Werk zu integrieren. So sagte auch der erfahrene Thomas Ring, daß in Horoskopen vor 1962 diese drei Planeten nur kollektive Ereignisse anzeigten. Erst in der Wassermannzeit bilden sie in der technischen Zivilisation den direkten Einstieg ins Werk.

  • Uranus in den Zwillingen ist die Gruppe der Forschung, die sich im Lernen und Lehren objektiven Zielen widmet. Der ganze Lebenskreis kann nur auf die Offenbarung gerichtet, also auf die Zukunft hin verstanden werden, deren Ort im Rad das Zentrum der Milchstraße, symbolisiert durch Ketu auf 15° Schütze ist. Nur wer sich zu einer Aufgabe entschließt, kann an einer Gruppe teilnehmen.
  • Neptun in der Waage, also jener Konstellation, welche die Chaldäer dem Tierkreis hinzufügten, bestimmt die Gemeinschaft und die Geschichte, die aber nicht als Vergangenheit, sondern als Gegenwart erlebt wird. Das verdichtete, zum Gedächtnis gewordene Geschehen ist die Grundlage allen gemeinschaftlichen Einsatzes, der auf Recht und Sitte beruht. Der Fortschritt der Menschlichkeit läßt sich im Sinne von Elias als steigende Schamgrenze bestimmen; Sklaverei und Folter, vor wenigen Jahrhunderten selbstverständlich, werden vom heutigen kollektiven Gewissen nicht mehr akzeptiert, und auch der nationalen Loyalität sind Grenzen gesetzt.
  • Pluto im Wassermann, im Zeichen des Menschen, ist auf Luzifer auf 15° Löwe bezogen, also auf das Erbe der schwarzen Zwillingssonne, deren Tod unseren Planeten gebar. Die Sonne enthält nur Elemente bis 26 Eisen, die höheren müssen einem Neutronenstern entstammen. Der Mensch muß das Licht sich als Ich nicht selbst zusprechen, sondern Lichtträger werden, indem er im Sinn des sprachlichen Gedächtnisses alle Vergangenheit des Körpers auf Abruf durch Verräumlichung der Zeit verfügbar macht.

Die Sonne ist einerseits, vom Weltenjahr aus gesehen, im Löwen, andererseits der ganze Tierkreis, und drittens in der Präzession des Frühlingspunktes der Milchstraße eingeordnet. Pluto ist der Zugang zum Werk, das nicht auf die Erde beschränkt ist, sondern über die Ahnen die Brücke zur Neuen Erde schafft.

Der Mond ist geozentrisch zu verstehen. Merkur und Venus sind innerhalb des Jahreskreislaufs. Doch von Mars an überschreiten die Planeten den Zeitraum des Sonnenjahres; sie gehören also sowohl der Sonne als auch der Erde zu, Sonnenumlauf und Erdumlauf sind gleichsinnig. So wird die Sonne Symbol des Wesens, zur Identitätsschaffung: das zur Individualität geformte Sein. Auferstehen wird der Mensch als Sonnenbruder oder Sonnenschwester, als Lichtwesen.

Im Mikrokosmos zeigt dies die Fusion von 1 auf 2, Wasserstoff zu Helium, im Makrokosmos die Fähigkeit selbst strahlend zu werden, die den Heiligen kennzeichnet.

Ketu bestimmt die Beziehung zum Kraftfeld, Rahu zum Lichtfeld und Luzifer zum Wortfeld. Pluto ist die Grenze des Planetensystems, im Mythos der Herr der Unterwelt. Hölle bedeutet Fixierung an die ewige Wiederholung im Sinne des Gedächtnisses, der nur jener entrinnt, der sein Wesen im Strahlen, im Leben für andere aktualisiert hat.

Arnold Keyserling
Das magische Rad Zentralasiens · 1993
Schlüssel der Urreligion
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD