Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das Nichts im Etwas

4. Das Rad

Macht der Planeten

Die Macht der Planeten als Motivation wird durch die Abhängigkeit von Vater und Mutter in der Erziehung geschaffen, bis daß der Mensch imstande wäre, das weibliche und männliche Prinzip, Urkraft und Urlicht als Mond und Sonne zu integrieren.

  • Die Abhängigkeit vom Vater wird als Saturn erlebt,
  • vom Bruder als Mars — Angst vor mangelnder Anerkennung, vor der Schmach der Feigheit
  • und vom Nachfolger und Sohn als Merkur, Angst vor Kritik später Geborener.
  • Die Abhängigkeit von der Mutter ist im Jupiter, Angst es ihrer Stellung in der Gesellschaft nicht gleich zu tun,
  • vor der Venus, als Gestalt nicht geachtet zu werden,
  • und vom Mond, in der Vollendung hinter anderen zurückzubleiben.

U r f a m i l i e

Die Sexualität ist im Fühlen Teil des Reproduktionstriebes und führt in die Abhängigkeit, solange der Mensch sich nicht von den Projektionen, der Übertragung befreit hat. Doch die Liebe als körperliche Vereinigung, als Stehen zur Fülle des Anderen gehört zum Wollen, nicht zum Fühlen.

Diesen Weg hat Sokrates als Mensch, der immer wieder das Nichts suchte, aus der Mitte gezeigt, indem er es persönlich ablehnte Lehrer oder Erzieher, Vater oder Mutter zu spielen und nur als Freund dem anderen durch Anamnese und Maieutik, durch Aufdeckung des unbewußten Wissens und Hilfe zum selbständigen Denken den Weg freimachte.

Anamnese und Maieutik sind die beiden Methoden des Schamanen. Damit wird der Bogen zur Urzeit zurückgeschlagen: jedem werden die zwei Helfer der vierten Stufe des Mysteriums des Asklepios zugänglich, der sie als Ausdruck von Yang und Yin begreift, wie es die Chinesen gezeigt haben.

Um die Liebe und damit die vierte Dimension und fünfte Schicht des Rades zu integrieren, gilt es im Körper-fühlen die Illusion zu überwinden, die Eigenschaften in sich zu erleben. Das Horoskop, die Aspekte der Planeten in Charakter und Schicksal in der persönlichen Verschränkung von Farbkreis und Tonkreis, Tierkreis und Häuserkreis, wie wir sie im Buch Anlage als Weg geschildert haben, ist gleichsam die Empfangsstation des Visionstraumes.

In der dritten Ebene des Asklepios-Heiligtums galt es zu fasten, den Zugang zu den vier Elementen zu finden und sie als humores zu harmonisieren. Der Visionstraum offenbart das jeweilige Problem.

  • Arbeit in der Erde verlangt Stärkung des Empfindens,
  • Tauchen ins Wasser Vertiefen des Fühlens;
  • Fliegen in der Luft Sehnsucht nach Übersicht im Denken,
  • und Feuer oder Tod Notwendigkeit der Erneuerung im Wollen.
  • Alles, was in der Vision unter einem ist wie hinabführende Stufen ist ein Hinweis, Vergangenheit, den Bereich des Körpers aufzuarbeiten.
  • Alles was über einem ist, bedeutet Hinweis auf eine trächtige Zukunft im Geist,
  • und alles auf der gleichen Ebene ist seelisch als Gegenwart zu erkennen.

Die vier horizontalen Richtungen wiederholen noch einmal die Funktionen:

  • was rechts ist, empfinden, ist zu tun;
  • was links ist, fühlen, ist zu erfüllen.
  • Was vor einem ist, ist zu bedenken,
  • und was hinter einem ist — hier braucht man die Hilfe eines Anderen zur Klärung der Vision, der einem sagt: Drehe dich um, was siehst du? — zeigt die Lage des Wollens.

Der Glaube, daß die Geister oder Gott einem wohl wollen und die Bilder senden, ist die Voraussetzung, um zu ihrer Hilfe Zugang zu gewinnen.

Ein weiteres Deutungselement ist der Tierkreis, tonalisch die Gestalt des Menschen im All. Wo immer die Sonne im Horoskop steht, dient der Mensch bereits im Leben der Gattung.

  1. Widder, bedeutet Kopf und Gehirn als Ort des Führens.
  2. Stier, ist Nacken und Sinnesorgane, Schwerpunkt der Mitgestaltung der Erde.
  3. Zwillinge, Arme und Lunge, versinnbildlicht den Austausch der Information.
  4. Krebs, bedeutet Brust und Magen, Schwerpunkt der Ernährung und des Heims.
  5. Löwe, Rücken und Herz, bestimmt die Haltung zu Meisterung und Spiel, die Anmut im Können.
  6. Jungfrau, Bauch und Eingeweide, zeigt das Verhältnis zu Arbeit und Leistung.
  7. Waage, Hüfte und Nieren, ist der Ort des Gleichgewichts und der Entgiftung.
  8. Skorpion, Muskeln und Geschlechtsorgane, ist das Tor zur Initiative und zum Neubeginn; das Zeichen transzendiert den Tod, da unsere Geschlechtszellen dem unsterblichen Keimplasma zugehören.
  9. Schütze, Oberschenkel und Leber, ist der Ort der Inspiration und der Speicherung potentieller Energie.
  10. Steinbock, Knie, Gelenke und Lymphe, bestimmt die Einstellung zu Verantwortung und Beruf.
  11. Wassermann, Unterschenkel und Skelett, bedeutet Teilnahme am Werk der Zivilisation. Alle rituellen Ordnungen stehen in Entsprechung zu den Zahlen der Wirbelsäule: sieben verbinden Kopf und Rumpf, fünf Rumpf und Geschlecht, und zwölf bestimmen die Ganzheit des Rumpfes.
  12. Fische, Füße und Milz, zeigen den letzten Stand des Menschen und den Zugang zur Regeneration.

Taucht eines dieser Bilder oder Körperteile in einer Vision auf — die auch aktiv hervorgerufen werden kann — so zeigt es eine Intention, durch deren Aktualisierung der Mensch sein Gemüt harmonisieren oder einen nächsten Schritt machen kann.

Arnold Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD