Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das Nichts im Etwas

4. Das Rad

Anjochung der Chakras

Doch der Körper ist nicht nur Fleisch und Knochen: er bildet auch die Nahtstelle zum Jenseits. Die Planeten im Tonal sind in Analogie zur Sprache und ihrem Ort im Gemütskreis zu begreifen. Die Planeten im Nagual wurden uns erst durch die indianische Überlieferung im Zusammenhang mit den sakralen Himmelsrichtungen verständlich.

Die Bindeglieder zwischen Tonal und Nagual werden in der indischen Überlieferung als Chakras bezeichnet: Wirbel, Schwerpunkte und Schaltstellen.

Ihr makrokosmischer Aspekt entspricht dem Sonnensystem, ihr mikrokosmischer der Atomstruktur als Schlüssel zum periodischen System der chemischen Elemente. Im menschlichen Größenbereich haben sie folgende Lokalisation, der sich auch im Visionstraum manifestieren kann.

C h a k r a s

Die Anjochung der Chakras als Weg zur inneren Leere, das Hauptziel der mystischen Erfahrung, wird im fünften Kapitel beschrieben. Für die Vision im Rad wird ihre Bedeutung makrokosmisch durch die Abstände der Planeten von der Sonne und mikrokosmisch in Entsprechung zu den Schalen des Atoms verständlich: es bedeutet das Innere des Rades, der Zugang zur Mitte. Für das Atom ist es der Kern, für die Planeten die Sonne und für das Horoskop ebenso wie für den Körper die Mitte der Erde, auf die wir durch die Schwerkraft bezogen sind.

Die Bedeutung der nagualischen Planeten wird durch die Anrufung in der heiligen Zählweise verständlich. So können wir die Chakras als Ausdruck der Ziffern verstehen und damit die Öffnung der Bewußtheit über das Wort anpeilen, sodaß wir uns in jeder Vision zurecht finden.

  1. Osten ist das Feuer und das Licht, das den Kosmos alldurchdringend zusammenhält und dessen Teil unser Gewahrwerden ist.
  2. Westen ist die Mineralwelt, die aus dem Licht entsteht und ihm die Invarianz, die Solidität in den drei Zuständen des Festen, Flüssigen und Gasförmigen entgegensetzt. Sie ist der Zugang zum Wollen.
  3. Süden sind die Pflanzen, die Erde und Himmel verbinden, das Licht in die Mineralwelt bringen und diese damit beseelen. Sie sind der Zugang zum Vertrauen und zur Unschuld der Seele.
  4. Im Norden sind die Tiere, die aus der Motivation der Triebe gesteuert werden. Der Polarstern als Ursprung aller Strategien, als Mitte der Visionen ist das Zentrum, durch welches der Mensch gleich dem Tier seinen Ort in der Evolution intuiert.
  5. In der Mitte ist der Mensch, der durch das Rad seine Rolle in der Welt immer wieder erfährt und vom Nichts zum Etwas sein Wesen aktualisiert.
  6. Im Südosten sind die Ahnen, durch welche die geschichtliche Anknüpfung im sokratischen Sinn möglich wird. Ihr Rahmen ist die sechsfältige Urfamilie, die Beziehung zu Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Sohn und Tochter, innerhalb derer der Mensch seine kleine Existenz in die große Geschichte eingliedert.
  7. Im Südwesten ist der siebenfältige Körper, dessen Chakras durch die Lebensgeister, die Elementale zusammengehalten werden.
  8. Im Nordwesten ist das Fühlen, die Fähigkeit, im Achterkreis die Gemeinschaft auf die Befriedigung aller echten Bedürfnisse aufzubauen.
  9. Im Nordosten sind die neun Musen, die über die Planetenkräfte die Teilhabe am Werk des Empfindens, am Gestalten der Welt zur Schönheit beflügeln.
  10. In der Mitte ist der Mensch im All als das wahre Subjekt jedes Einzelnen, das in der Liebe zugänglich wird, wenn dieser sein Karma, seine plutonische Anlage als Teil der Gattung verwirklicht.
Arnold Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD