Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das Nichts im Etwas

5. Mystik

0 - Gewahrwerden

In den ersten vier Versen ist der Sinn des Yoga erläutert:

  1. Nun folgt die Disziplin des Yoga.
    Das Sanskritwort für nun, atha, bedeutet, daß etwas außerhalb von Karma und Geschichte beginnt, als freier Ansatz.
  2. Durch Yoga werden die Wirbel der Assoziationen durch Verlangsamung zum Stillstand gebracht.
    Es wird die Mitte des Rades erreicht.
  3. Dann ruht der Gewahrwerdende in seiner Wesensidentität.
    Es ist also der Zustand erreicht, wo nicht mehr das Ich, sondern die göttliche Schöpferkraft, der innere Zeuge zum Subjekt geworden ist.
  4. In allen anderen Zuständen ist der Mensch von Bewußtseinsinhalten oder Assoziationen besessen.
    Jeder Zustand, wo irgendein Bild das Subjekt ist, schafft eine falsche Identität. So ist es das Ziel des Yoga, die innere Leere zum Träger des Bewußtseins zu erheben.

Dieser Zustand, Samadhi, kann spontan als Gipfelerfahrung auftauchen: als Naturerleben, als Gotteserfahrung, als überströmende Dankbarkeit, als Liebe, durch Verwandlung eines traurigen Zustandes in sein Gegenteil, oder durch bestimmte Pflanzen. Er kann aber auch durch den Weg der Disziplin erreicht werden, indem der Mensch sein Bewußtsein anjocht.

Arnold Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD