Schule des Rades

Arnold Keyserling

Das Nichts im Etwas

5. Mystik

2 - Denken - Seele

Die acht Glieder des Empfindens und Geistes können von außen vermittelt werden. Doch die Schaffung der Seele als Brücke zwischen Körper und Geist ist das Thema der nächsten Schicht, die sich im REM-Traum äußert und worin der mögliche Sinn des Lebens aktualisiert werden kann.

Der nicht erwachte Mensch hat seine Funktionen und Bereiche als Erlebensweisen im Kopf, wie wir im zweiten Kapitel beschrieben haben. Doch Körper und Geist beeinflussen einander immer. Es gibt keine Bewegung ohne Vorstellung, auch umgekehrt keine Vorstellung ohne Ausdruck. Die Seele als Wesen alterniert beim Durchschnittsmenschen zwischen drei Seinsweisen: Existenz auf der Erde im Wachen zwischen Geburt und Tod, embryonale Existenz im Mutterleib ohne Gewahrsein, und nachtodliches Erleben der Integration bis zur Wiedergeburt in einem anderen Körper. Doch im Wachen kann zwischen der embryonalen und nachtodlichen Existenz, zwischen Körper und Geist durch Erwecken der Chakras ein eigener Organismus durch das Denken geschaffen werden, womit die Gehirnfunktionen eine Lokalisierung im Körper finden und Zugänge zu Weltbereichen eröffnen. Der linksläufige Kreis der Funktionen und Bereiche wird zur senkrechten Achse, die folgende Schwerpunkte hat:

7. Geist
6. Seele
5. Körper
4. wollen
3. fühlen
2. denken
1. empfinden
Sahasrara
Ajna
Vishuddha
Anahata
Manipura
Swaddhistana
Muladhara
Scheitel
inneres Auge
Nacken
Herz
Nabel
Kreuzbein
Perineum
Großhirn
limbisches System
Stammhirn
Blutkreislauf
Stoffwechsel
Atmung
Bewegung

Die Seele als Substanz bedeutet ein bestimmtes Verhalten zwischen Geist und Körper, das durch die bedingten Reflexe des Gedächtnisses fixiert wird. Durch Anjochung der geistigen Funktionen und Bereiche an ihre körperlichen Entsprechungen entsteht ein bleibendes seelisches Gefüge, das den. Lichtleib artikuliert und befreit, sodaß er bereits im Leben den Leib verlassen kann. So ist der mystische Weg nach der zweiten Geburt oder Bekehrung denkerisch und technisch zu beschreiben.

  • Das Empfinden muß auf die Bewegung geeicht werden. Keine Bewegung soll ohne Vorstellung verlaufen, und die Vorstellung sollte über die Bewegung nicht hinausgehen.
  • Das Denken folgt dem Atem. Wie die Pause zwischen Einatmen und Ausatmen nur kurz sein kann, sollte alles Wissen sofort weitergegeben werden, um für neues Platz zu schaffen.
  • Das Fühlen ist auf den Stoffwechsel geeicht, wurzelt in den Trieben in der Harmonisierung der vier Impulse. Essen ist Töten. Eichung der Nahrung auf die tatsächlichen Bedürfnisse befreit das Fühlen vom negativen Erleben der Schuld; nur jener überwindet die Erfahrung der Ursünde, der bereit ist, auch sich wiederum der Welt hinzugeben. So ist der Fühlende im Stirb und Werde.
  • Das Wollen im Herzen, das Wählen, Entscheiden und Schließen, muß hinter die Rhythmen treten und die eigene Verantwortung finden. Wie das Herz den Blutkreislauf reguliert, muß der Mensch seine Welt steuern.
  • Der Körper hat seinen Schwerpunkt im Stammhirn und im Rückenmark, das nur bei senkrechter Achse bewußt wird. Hier muß man die tatsächlichen Kräfte in Ruhe und Bewegung erleben und das Körpergewahrsein zur Grundlage des seelischen und geistigen erheben.
  • In der Seele ist das limbische System zu aktivieren, sodaß man sich nicht mit Lust identifiziert und Unlust aus dem Wege geht: gut ist, was einem und dem anderen auf seinem Wege hilft,böse das was schadet.
    Die Fähigkeit des Gewissens ist dem limbischen System rückverbunden. Im Tierreich ist alles, was gattungsbezogen ist, lustbetont, und alle Vereinsamung verursacht Schmerz.
  • Der Geist schließlich ist die Fähigkeit des Imaginalen, die Teilhabe an der webenden Vorstellungskraft, die wie das Empfinden immer neu erfahren wird und niemals festgehalten werden kann. Das siebte Chakra bedeutet die Öffnung zum All, Geist ist immer Heiliger Geist.

Die entsprechenden Orte sind zu spüren und zu erwecken, sie haben viele Aspekte, die wir in unserem Buch Magie der Chakras beschrieben haben. Fast jede der Asanas wurde einem bestimmten Chakra zugeordnet, desgleichen viele Pranayamas. Doch diese Erweckung nach der Lokalisierung gehört zur nächsten Schicht des Hatha- und Kundalini-Yoga.

Arnold Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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