Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Das Nichts im Etwas

Vijnana Bhairava Tantra

Urlicht - Gegensatz

65
Ein Hemmnis
daß sich irgendeiner Triebkraft
plötzlich widersetzt,
sei es von mir oder den Umständen bewirkt,
kann in die Leere führen,
die das eigene Selbst befreit.
66
Den Laut A
kurz und tonlos wiederholen;
das Denken also einsetzend und lösend.
Der mächtige Strom des Bewußtseins
wird unerwartet hervorquellen.
67
Den Geist versenkt
ins Ende eines tonlosen Lauts,
dem Denken jeden Grund entzogen
tritt man in Beziehung
mit dem ewig Unerschöpflichen.
68
Innewerden des eigenen Selbst
im unendlichen Firmament
in allseitiger Weite.
Wenn die Bewußtheit jeden Halt verliert,
enthüllt die Urkraft
ihr wahres Wesen.
69
In einem Schmerzenspunkt des Leibes
in fester Stetigkeit verharrend;
jenseits der sinnlichen Wahrnehmung
dringt er in die Seligkeit.
70
Man überzeuge sich
vom Nichtsein seines Körpers,
der Gedanken,
Triebe.
Was bleibt ist des Bewußtseins
ungezweite Macht.
71
Die endliche Mannigfaltigkeit
nicht als Form und Eigenschaft
des Urgrunds zu verstehn
ist Täuschung!
72
Erwacht ein Wunsch,
blitzartig entgegentretend
dring’ ein in seine tiefsten Wurzeln,
bis Du im Ursprung aller Wunschkraft west.
Wilhelmine Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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