Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Das Nichts im Etwas

Vijnana Bhairava Tantra

Urlicht - Wer bin ich

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Wer bin ich
ehe noch Bewußtheit eingesetzt?
Auf diesen Ursprung hefte ich mein Sinnen!
Dort liegt das Selbst
im Schoß der Wirklichkeit.
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Sind aber Kenntnisse, Bewußtheiten entstanden,
dann muß das Denken
auf Bewußtwerdung des Selbst gerichtet,
Gleichgültigkeit des Geistes zeugend,
den ungezweiten Sinn
der Wirklichkeit erwecken.
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Jede Kenntnis an sich
ist grundlos, fälschend.
Auf die absolute Wirklichkeit bezogen
ist sie niemandes Besitz.
Wer dies zutiefst verwirklicht,
wird zur Wirklichkeit.
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Wem Bewußt-Sein eignet
west in Jedem.
Nirgends ist Unter-Scheidung.
Wem alles aus dem gleichen Stoff gezeugt,
hat die Zukunft eingenommen.
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Das Denken zum Stillstand gebracht
— wo stürmische Wünsche, Zorn,
verstörter Stolz und Neid bewegen.
Das Bleibende:
Die Wirklichkeit.
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Das All
als einzig Bild
des wirbelnd bunten Wahns erfaßt!
Auch dies führt in Glückseligkeit.
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Man soll das Denken
nicht im Schmerz
und nicht im Glück vergeuden.
Erkenntnis hält sich in der Mitte.
Was Bestand hat
ist die Wirklichkeit.
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Wer die Verhaftung mit dem Körper abgestreift,
Vorstellungskraft und Denken im
ich bin in Allem fest verankert,
wird der Seligkeit teilhaftig.
Wilhelmine Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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