Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Das Nichts im Etwas

Vijnana Bhairava Tantra

Urlicht - Enthaftung

89
Anus und Ohr verschlossen,
besinn Dich auf die Schwingung ohne Laut.
Zugang zum ewig Unerschöpflichen.
90
Über die Tiefe eines Brunnens
mit regungslosem Blick geneigt,
löst sich das gezweite Denken
in einende Schau.
91
Wohin kann sich das Denken richten,
nach innen oder außen,
wo nicht das Göttliche
allgegenwärtig west?
92
Über die Sinne
in die Allgegenwart dringen
ist Bewußt-Sein; nichts anderes.
ist Aufgehobensein im Absoluten,
dem Urgrund der Fülle.
93
Anfang und Ende des Nießens,
Entsetzen, Unbehagen,
über einen Abgrund blicken,
vom Schlachtfeld flüchten,
Beginn und Schwinden des Hungers
und andere… sind Augenblicke,
da sich lebend’ge Neugier regt:
Bedingungen, den
Urgrund des Daseins zu erfahren.
94
In Erinnerung:
laß stetiges Denken
die Gegenstände voll erfassen.
Sobald Dein Körper in Vergessenheit gesunken,
naht sich die Allgegenwart.
95
Den Blick
von der Betrachtung eines Gegenstands
langsam in sich zurückversenken.
So wird man zum Gefäß der Leere.
96
Einende Schau
geboren aus tiefster Verehrung
des Selbstlosen
entspringt der Urkraft.
Sie unaufhaltsam zu erwecken
bringt Einung im Ursprung.
Wilhelmine Keyserling
Das Nichts im Etwas · 1984
Mystik der Wassermannzeit
© 1998- Schule des Rades
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