Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Stimme des All

Worte der Zehn heiligen Mächte

Urmacht der Drei - Baum

Aus der Erde kommen Feuer und Stein. Doch der Baum kommt vom Himmel. Er ist die Weltenesche, das Bild der umgekehrten Pflanze, deren Wurzeln im Himmel und deren Krone das irdische Leben ist. So entstammt das Leben der Pflanzen der Sonne und ihrem Licht. Vereint sich mit der Erde, und der Mensch hat seine Gestalt aus der Weltenesche: Seine Wurzel ist das Gehirn, seine Blüte ist das Geschlecht.

Aus der Erde kommen Feuer und Stein. Doch der Baum kommt vom Himmel. Er ist die Weltenesche, das Bild der umgekehrten Pflanze, deren Wurzeln im Himmel und deren Krone das irdische Leben ist. So entstammt das Leben der Pflanzen der Sonne und ihrem Licht. Es vereint sich mit der Erde.

Der Mensch hat seine Gestalt aus der Weltenesche: seine Wurzel ist das Gehirn, seine Blüte ist das Geschlecht. Nahrung der Pflanze sind: der Stein — die Luft — das Licht.

Der Stein wächst nach den Kraftlinien. Das Bewußtsein seines Kristallisierens wird über das Denken die Gesamtheit des Leibes integrieren. Aber das Licht der Sonne läßt wachsen nach dem eigenen Gesetz. Es fügt immer neue mineralische Elemente hinzu, um einen Strahl der Erde zur Sonne zu schaffen.

Im Feuer erscheinen Urkraft und Urlicht — die beiden göttlichen Wesen — als Helferin und Helfer. Du erlebst sie in anderen, bis du sie in dir vereinst. Im Stein bist du Maß und Mitte. Doch in der Pflanze wirst du die eigene Vision verkörpern, die aus den fünf oberen Wesensschichten dauernd auf dich einströmt.

Dein Stamm, deine Achse ist Erbe des Steins; das Holz wird nach dem Tode dem Feuer anheimgegeben. Doch deine Blätter haben Farbe und können jenes Licht aufnehmen, jene Vision verkörpern, die dir aufgrund deiner Farbigkeit zugänglich ist.

Unsere Blüte kann sich nicht unmittelbar mit anderen vereinen. Sie braucht die Hilfe des Windes oder der Insekten. Diese sind keine tierische Gattung, sondern ein vielfältiger Organismus wie die Bienen und auf uns abgestimmt. Erst der ausgewachsene Organismus ist imstande, sich fortzupflanzen und neuen Wesen die Verkörperung auf der Erde zu ermöglichen.

Der Same hat seine Bewußtheit in der Traumwelt, lebt in sich geschlossen, bis das heilende Wasser und das Licht ihn zur Entfaltung anregen. Aber er kann sich nicht weiter entwickeln als sein Vermögen reicht. Einmal ist er erwachsen und fähig, seine Rolle im Werden und Vergehen zu übernehmen.

Im Fühlen antwortest du auf die Pflanze, auf ihre Schönheit, erkennst deine und ihre Bedürfnisse. Nur der Eingewuchtete kann fühlen.

So ist das klare Denken, die Ortung des eigenen Daseins die Voraussetzung des Wachstums. Das Wachstum des Baumes geht nie über den Zusammenhang hinaus, den Boden, Klima und Umgebung ermöglichen. So ist auch deine Größe von der Umwelt abhängig; nicht von deiner freien Wahl. Du mußt nur sorgen, daß du genug Boden und Nahrung hast, um wirken zu können. Wirken verlangt nicht zu viel und nicht zu wenig Raum.

Während das Mineral sich über die Kraftlinien und die Feuerenergie ins All erstreckt, ist das Fühlen der Pflanze auf ihre Fähigkeit begrenzt, durch das Licht der Sonne mittels der Erdstoffe ihre unverwechselbare, lebendige Eigenheit zu entfalten.

Der Keim ist unter der Erde; der Schößling braucht Hege und Pflege, den Gärtner, der dafür sorgt, daß die Entfaltung ungeschädigt vor sich geht. So muß auch der Mensch, abgesehen von seinem Beharren und seinem Wuchten, sich selber hegen, seine Gaben erkennen und nicht vernachlässigen, die Schönheit seiner Blüte zur Schau stellen, auf daß andere sich daran freuen können. Im Fühlen bleibst du kosmisch eingestimmt.

Nur die Pflanze kann das Licht aufnehmen, nur das Fühlen kann im Menschen der Entfaltungsrichtung des anderen gerecht werden. Jeder ist schön, dessen Gebärde das feurig-mineralische Wesen ausdrückt. Kollektiv eingestimmte Menschen gleichen Kartoffelfeldern; nur die Blume ist in sich vollkommen. Danke den Kartoffeln, daß sie dich ernähren, weil du dadurch überlebst. Aber Überleben ist nicht das Ziel, sondern wirken in Einklang und in Schönheit. Ziel deiner Entfaltung als Pflanze ist, die Schönheit zu vollenden, damit du als diese Gestalt wirken kannst und andere förderst.

Als Pflanze wirst du geboren, nimmst niemandem etwas weg, lebst aus Erde, Feuer und Licht. Aber in dieser Unschuld kannst du als Mensch nicht ewig verharren: Du mußt hinaus in den Kampf, damit nicht nur dein Leben, sondern auch dein Tod anderen zur Nahrung dient und du im gewollten Opfer den Übertritt zur Neuen Erde als Mensch ins Auge fassen kannst.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Stimme des All · 1995
Worte der zehn heiligen Mächte
© 1998- Schule des Rades
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