Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Stimme des All

Riten der Wassermannzeit

Freunde Gottes

Werdet wie die Kinder. Das Kind, das vom Nichtwissen ausgeht und in einer bestimmten Entwicklungsphase relevante Fragen stellt, ist auch heute die Grundeinstellung des Lernenden. Gleichzeitig ist jeder als Teil der Menschheit in die sechste Etappe, die der Arbeit, eingetreten, die der Entfaltung des einzelnen von 35 - 42 Jahren entspricht. Und Arbeit ist allemal Verwandlung (des Materials) von einem Zustand in einen weiteren. Es ist ein dynamisches Verfahren, das mehr denn je vom Lernenden gefordert wird. Der Mensch wird sich körperlich, seelisch und geistig zum Material der Verwandlung. Nachdem Lehrer wie Schüler zeitlebens an diesem Prozeß der Verwandlung teilhaben, sind sie einander Freund.

Der Mensch im All, im Tierkreis Urbild der Menschwerdung seit eh und je und für alle Zeiten, ist seiend, aber nicht statisch. Er ist auch der ewig werdende Gott, in diesem Zeitalter Freund des Menschen: der Freund im All.

Und dort bleibt er. Wir können ihn in geistiger Zuwendung erreichen, aber nicht erwarten, daß er sich auf der Erde inkarniert, um den Menschen bei der Hand zu nehmen und zu seiner Erlösung zu führen. Das Interesse für die eigene Erlösung oder den Samadhi ist verführend. Jetzt muß der Mensch seine Anlage zum Können inkarnieren, um Mitarbeiter am Werk zu werden.

Das Zeichen des Wassermann ist unter anderem das der Freundschaft und des Friedens. Freund ist die Bezeichnung eines Menschen in seiner potentiellen oder bereits aktuellen Beziehung zum Werk, und Werk ist seine Art und Einstellung des Mitwirkens am Ganzen — ob es im Brötchenbacken, Erziehen oder Städteplanen geschieht. Und das Ganze ist nicht auf die Erde begrenzt. Im kleinsten Tun den Blick auf das Ganze nicht zu verlieren ist nicht Größenwahn, sondern innige heilige Pflicht. Das Ganze ist nicht aussprechbar, nicht denkbar, aber in der Mitte des Bewußt-Seins ist jeder auf das Ganze bezogen. So ist zu hoffen, daß die Freunde Gottes, die Mitwirkenden am Werk — und allen steht es zu — sich untereinander befreundend ein Zeitalter des Friedens einleiten, wie es vorausgesagt wurde.

K ö r p e r k r e u zIst es nicht vielmehr das Zeitalter der Bemühung um den Frieden? Frieden ist wohl auch das Hauptproblem im Körperkreuz: Wassermann W A S S E R M A N N im Quadrat zu Stier S T I E R und Skorpion S K O R P I O N und in Opposition zum Paradies des Löwen L Ö W E. Die Entdeckungskraft des Zwillings ist in unbekannte Gebiete der Materie vorgestoßen und die konstruktive Begabung der Technik (Wassermann) hat neben wunderbaren Geräten immer gefährlichere Waffen erfunden, um Kriege zu vermeiden. So kann der Wassermann zur Hölle werden, wenn der Mensch nicht das verlorene Paradies (Löwe) in sich entdeckt und zum Lichtträger wird, in der Tiefe seines Wesens das Licht empfängt, das keinen Schatten wirft. Das Licht, das sein Gewahrsein wieder mit dem Ganzen verbindet.

Das Verständnis des Körpers, der Materie, der Erde mit ihren Raum- und Zeitbezügen bildet tatsächlich die Grundlage der Rückbindung auch von Seele und Geist zum Weltganzen. Das Netzwerk der Technik und Information umspannt die ganze Erde.

Wir können über Gebiete fliegen, wo Menschengruppen noch eine Lebensart, einen Wissensschatz aus der Krebs- und Zwillingszeit bewahrt haben: Die Dagara, von denen Malidoma Somé berichtet, australische Stämme, Indianer.

Alle Menschen sind im Wassermann potentiell gleichermaßen Freund. Wir können nicht in eine vergangene Lebensart zurückgehen. Aber die Kunde, die wir mit Ehrfurcht empfangen, kann uns eine grundlegende Wahrheit vermitteln, die uns zutiefst berührt und in unserem Zeitgeist ihren Platz findet. Als Teil der Menschheit tragen wir die Erinnerungen aller Wirklichkeiten vom Paradies bis heute in uns.

Nicht nur die Epochen der Zeit, sondern auch die geographischen Lebensräume rufen eine besondere Art der religiösen Sicht hervor. So kann die Vielfalt der menschlichen Beziehungen Diesseits-Jenseits einen Reichtum der Seinserfahrungen ausmachen. Wenn wir an den Urgrund der verschiedenen Weltbilder und Riten herankommen, an die eigentlichen Entdeckungen und Offenbarungen, die der Begabung einer besonderen Menschengruppe zugekommen sind, finden wir Wahrheiten, die alle Menschen betreffen — Perlen und Edelsteine — die das Allverständnis inspirieren.

G E O S O P H I E

Kann es in der Wassermannzeit, die alle Menschen, wenigstens theoretisch, auf gleicher Ebene anerkennt, eine Religion des Menschen geben, die einen allen einsichtigen Raster bietet, jedem menschliche Entfaltung und Vertiefung der eigenen Erkenntnisse gewährt? Ist das eine Utopie?

Viele Initiativen können nicht umhin, die Erde als Ganzheit zu betrachten und meinen, damit förderliche Schritte zu setzen. Sie behaupten zwar, sich um den Menschen zu bemühen, aber was ist das für ein armseliges Menschenbild, das die geistige Dimension gänzlich ignoriert! Es muß wohl eine Religion, eine Rückbindung entstehen, die sich auf den Menschen der Mitte zwischen Erde und Himmel bezieht; einfach und einsichtig, wie sie zu Beginn aller Epochen war. Einsichtig vermittels der Denkfunktion, die freilich das ganze Wesen in seiner Erd- und Allbezogenheit erfaßt. An dem Zusammenspiel der uns zugänglichen manifestierten Wirklichkeit ansetzend muß diese Religion auch dem Zugang zum Unsagbaren freigeben.

Das Höchste wäre zu erkennen, daß alles Faktische schon Theorie ist… man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre. — Goethe.

Die Theorie, Gotteslehre, ist nicht zu erfinden. Sie liegt nicht hinter den Phänomenen, sondern ist diesen inhärent, wenn wir Zahl und Maß als Schöpfungsprinzipien und Bewegung im Rahmen ihrer Systemik als Weltengrund erkennen.

Die Systemik des Rades zeigt die Ordnung und Ortung der Phänomene des Diesseits, des Tonal.

Wie oben so unten heißt es in den Smaragdtafeln des Hermes Trismegistos. Wie unten so oben, ist der Erkenntnisweg unserer Zeit. Das Jenseits ist eine Ausstülpung des Diesseits und umgekehrt. Am Erkennbaren des Diesseits ansetzend, am Leben im Rad ist das Jenseits nicht verschlossen, auch wenn seine Wirklichkeit, wie jene sagen, die Einblick haben, unvorstellbar und unsagbar bleibt.

Das Rad zeigt den Standort im Diesseits, über die Schöpfungsprinzipien, die Regeln von Raum und Zeit, die Komponenten unseres Bewußtseins und die neun Wirkkräfte in den drei Ebenen (Mikrokosmos, Mesokosmos, Makrokosmos). Von diesem Standort aus können Erfahrungen, Visionen, Offenbarungen aller Zeiten, die die andere Wirklichkeit betreffen, in Beziehung zum Menschen der Erde wirksam werden.

Wir mögen einer anderen Wirklichkeit, einer uns unbekannten Herkunft entsprungen sein, aber was taugt jenes Wissen, wenn wir uns in dieser Wirklichkeit nicht neu orientieren, wenn es uns nicht bekräftigt, unsere ganz bestimmte Aufgabe im Mitwirken am Ganzen, unseren Sinn zu finden. Das Rad ist Werkzeug der Erkenntnis und Orientierung.

Ein junger japanischer Mönch, eine reife und liebenswerte Persönlichkeit, betrachtete vor Jahren unser Rad verständnisvoll: Ja, das ist gut und schön, meinte er, aber was sind eure Riten?

Damals feierten wir bloß das Neujahr der Wassermannzeit jeden 4. Februar gemeinsam. Der Beginn dieser Zeitrechnung war uns am 5. Februar 1962 um 04:41 Uhr in Kalkutta zur Gewißheit geworden, und wir hatten bemerkt, daß die Jahrzehnte einen Rhythmus bildeten, indem — dem Enneagramm entsprechend — der Schwerpunkt des öffentlichen Geschehens jedes Jahr einer anderen der neun Wirkkräfte zukommt, während die neunte beziehungsweise zehnte eine Wesensveränderung einleitet. So ist vom 4. Februar 1994 bis zum 4. Februar 1995 ein Jahr der Venus, der Gestaltgewinnung neuer Zusammenhänge, das nächste ein Uranusjahr, das Informationsvermittlung von Erkenntnissen begünstigen könnte.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Stimme des All · 1995
Worte der zehn heiligen Mächte
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD