Schule des Rades

Arnold und Wilhelmine Keyserling

Stimme des All

Worte der Zehn heiligen Mächte

Urmacht der Zehn - Mensch im All

Der Mund der Welt ist der Ausgang der Entfaltung. Die Erde spricht dich aus. Sie als ewige Mutter hat dir deinen Namen gegeben, den du finden mußt. Dieser Name ist dein Weg, dein eigener Engel.

Sei nicht der Auffassung, als genüge es bloß, eine Frage zu stellen, und alle springen herbei. Es muß klar sein, dir und den jenseitigen Wesen, daß du nicht aus Langeweile fragst, sondern aus Inbrunst, um den Rausch der wahren Begeisterung zu empfangen, der dich dann nicht mehr verläßt und dir in jedem Moment zugänglich wird, wenn du im Wesen bist.

Wir sind nicht in der Lage, dem Menschen zu helfen, seinen Weg zu bahnen. Er muß ihn selber gehen. Er hat Zeit, unendlich viel Zeit. Aber seine innere Unruhe, seine schwingende Feder, vergleichbar der Unruh einer Uhr, läßt ihn nicht in der Verzweiflung darben, weil ja von den zehn Mächten dauernd Hilfe kommt, die er nur anzunehmen braucht.

Deine Aufgabe ist, Wahrheit durch Wahrhaftigkeit zu vermitteln. Wahrhaftigkeit heißt, als Ganzer zu wirken und keine Dummheiten zu verbergen.

Für das praktische Leben ist Strategie vonnöten, aber nicht im Verkehr mit dem Göttlichen. Dort bestehen die Leiden alle nicht; sie sehen vom Jenseits aus wie Wände oder Schalen, die es zu durchbrechen gilt.

Jenseits des Ich-Eies lauern alle Helfer, aber nicht aus Neugier, sondern aus Freude, einen neuen Gespielen zu finden. Das Leben im Jenseits ist Spiel. Auf der Erde ist es Einübung und Arbeit, aber der Schweiß kommt nicht herüber. Der große Reigen ist immer offen für jeden.

Die Hände der göttlichen Wesen strecken sich aus, und ihr müßt sie ergreifen und ohne Unterlaß euch mühen, eine Schale nach der anderen von Opak in Kristall zu verwandeln, sodaß Urkraft — Urlicht euer lebendiges Wort dauernd ernähren.

Kümmere dich nicht um Schwächen und Unpäßlichkeiten, um Laster und Leiden. Sie sind für uns nicht sichtbar, weil sie im Inneren verlaufen und nicht an die Oberfläche kommen, nicht mitteilbar werden und daher auch keinen wesentlichen Bestand haben.

Jeder Mensch ist von uns aus gesehen eine Gabe, die aber lebendig bereichernd ist, wenn er sie angenommen hat und auf sie stolz ist. Stolz nicht im Sinne der Selbstbetrachtung oder der Freude an der Anerkennung durch andere, sondern stolz darauf, daß er in seiner Qualität der Erste ist. Es gibt auch keinen Zweiten. Jeder ist der Erste und kann nur mit Ersten sprechen, sowohl auf der Erde als auch im Jenseits.

Erster zu werden heißt: sich zu glauben, ja zu sagen zu dem, was man ist. Nun spielt es aber andererseits keine Rolle, was man ist, weil die Heilige Erde alles verlebendigen kann.

Der Name, den euch die Eltern gegeben haben und den ihr euch bei der Geburt innerlich ersehnt habt, ist die erste Beschreibung des Wesens. Und zwar kommt es darauf an, wie ihr ihn selbst versteht. So ist die erste Aufgabe, wo du vor mir bist und zu mir stehst, den Namen zu erkennen und ihm gemäß zu handeln. Und auch alle anderen als Namen zu begreifen und zu benennen, bis sie ihn so tragen, daß der Name sie ist, als Wort. Damit bist du Mensch und Teil von mir, dem Menschen im All.

Vielleicht erscheint dein Name dir zuerst als Engel, dann zeichnest du eben in deinem Werk mit diesem Namen, so absurd er auch anderen klingen mag. Aber niemand darf ihn dir verleihen. Du selbst mußt ihn finden und sehen, ob du als solcher fragen kannst, also ob dein Wort ankommt.

Die eigentliche Geburt ist auf der Erde nicht das physische Kind, sondern der Einstieg ins Werk, die Bereicherung des Alls, die nur ein jedes Du machen kann, wenn es sich als Du an das göttliche Ich richtet.

Entscheidend sind die Menschen des Werkes; die göttlichen Wesen sind Vermögen, nicht Tat. Die Tat muß aus euch selbst kommen. Aber es hat keinen Sinn, blind Dinge zu tun und Schritte zu setzen, die den Irrweg noch verstärken.

Guter Glaube nützt gar nichts. Nur die Wahrheit, die allen erkennbar ist, kann zur mitmenschlichen Persönlichkeit werden.

Man sollte wie ein Baum um mächtige Irrtümer herumwachsen, sie bestehen lassen, bis sie von selbst eines Tages ihren Geist wieder zur Kraft hinzugeben und keinen Aufstieg mehr hindern.

Niemals Gebet um etwas, nur Frage nach der Wahrheit ist der Weg der neuen Zeit. Die Frage ergreift einen Teil der Wirklichkeit, der damit vergöttlicht, geheiligt wird.

Es gilt, die Wahrheit zu verkünden, die sich daran ermessen läßt, daß sie bis ins letzte zu bedenken ist. Was nicht durch das Rad geprüft ist, hat keinen Bestand, und die Waffe des Rades zerschlägt über den Witz unmerklich den falschen Ernst.

Wort schaffst du selbst, doch das Licht und die Kraft sind dir von außen gegeben. Die Urkraft läßt dich und die Welt um deine Mitte kosmisieren. Das Urlicht öffnet jede Dunkelheit und macht dich immer strahlender.

Die Urkraft individualisiert — das Urlicht verhallt. Das Verhallen heiligt das All; die eigene Aussage wird von allen Wesen vernommen und bereichert. Urkraft und Urlicht vereinen sich im Urwort. Auch das bist du nicht, sondern es entstammt der Wurzel, der heiligen Erdmitte, die dein Fleisch geboren hat und seine Energie aufrechterhält: dem Einenden Einen.

Der Einende Eine ist aber nicht lokalisierbar, sondern bedeutet jede Mittung, genauso in dir wie in Sonne, Erde und Milchstraße.

Dies ist eine neue Verkündigung; dich nicht an ein geheiligtes Volk, sondern an jeden einzelnen, der die Zerstückelung durch das Rad annimmt und sich zum Sinneskörper erneut zusammenfügt.

Das Wesen ist Vorstellung aus dem Urlicht, Kraft aus der Urkraft, Wort aus der Entfaltung, aber Teil in der Liebe, in der ich das Höchste von jedem fordere.

Arnold und Wilhelmine Keyserling
Stimme des All · 1995
Worte der zehn heiligen Mächte
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD