Schule des Rades

Arnold Keyserling

Strahlen der Wahrheit

III. Kabbala des Rades

1. Kabbala der Identität

Wir haben die neun Ziffern in ihren Sinnpotenzen beschrieben. Die erste Anwendung finden sie in den ganzen Zahlen der ersten Dimension in der Aneinanderreihung, räumlich der Geraden und zeitlich der Kurve. Hier liegt die Wurzel der jüdischen, germanischen, indischen und islamischen Kabbala. Die Zahlen wurden den Buchstaben in ursprünglich willkürlicher Folge dem Alphabet zugeordnet, was sich daher anbot, weil in vielen Sprachen Buchstaben als Zahlzeichen verwendet wurden, so im Hebräischen und im Griechischen, ebenso im germanischen Futhork.

Heute ist das europäische Alphabet weltweit in Gebrauch, darum nehmen wir seinen Schlüssel. Kabbala ist keine Metaphysik und auch keine Wissenschaft, sondern das Werkzeug, um als Subjekt Diesseits und Jenseits zu verbinden. Die erste Zahl, die uns als sprachliches Wesen bestimmt, der Name, hat eine ziffernmäßige Bedeutung heute im Paß und in allen Papieren der globalen Gesellschaft in gegebener Buchstabenfolge.

1
A
J
S
2
B
K
T
3
C
L
U
4
D
M
V
5
E
N
W
6
F
O
X
7
G
P
Y
8
H
Q
Z
9
I
R

In der westlichen Welt ist der Vorname Kennzeichen des Ich und der Nachname Chiffre des Selbst. Das Wesen ergibt sich aus deren Vereinigung. Ich nehme meinen Namen zur Veranschaulichung, die Methode zur Erkenntnis des Sinnes ist die Quersumme, die alle Zahlen auf eine der Ziffern zurückführt.

Ich
Selbst
Wesen
Arnold:
Keyserling:
Arnold Keyserling:
1 9 5 6 3 4 = 28 = 10 = 1
2 5 7 1 5 9 3 9 5 7 = 53 = 8
1 + 8 = 9

Mein Ich ist 1, jupiterisch heilend. Mein Selbst ist 8, saturnisch verantwortend. Meine Wesensaufgabe ist 9, also plutonisches Entwerfen, Strategien und planen, gleichzeitig durch die Eigenheit der Neun, daß alle Ziffern durch 9 geteilt sich selbst als unendlichen Bruch ergeben:

1 : 9 = 0,11111
2 : 9 = 0,22222
3 : 9 = 0,33333

jeden in seiner Unendlichkeit zu bestätigen und zu fördern.

Wesen, Ich und Selbst bilden die Person als Rolle in der globalen Gesellschaft. Ich bin als solcher in den Datenbanken bekannt und kann erfolgreich daher nur wirken, sobald ich die Null des Gewahrseins als wahres Subjekt in der Meditation erreicht habe, also Person als Nahtstelle zwischen Nichts und Etwas.

Jede Zahl, die mich öffentlich bestimmt — die Hausnummer, Telephonnummern, Autonummer etc. — kann ich in dieser Weise in unserem Alphabetraum als Zugang zum Subjekt verstehen. Mein Geburtstag, 9. 2. 1922 = 25 = 7, also Mars, fragen, kämpfen und werten. Diese Bestimmung ist mein persönlicher Ansatz der Numerologie und macht mich mit dem höheren Denken des Gewahrseins oder dem höheren Selbst, ähnlich wie beim Horoskop, vertraut. Er bestimmt die Aufgabe des ganzen Lebens.

Der Fixpunkt-Attraktor, Wachen, bestimmt die semiotische Identität. Diese Identität bedeutet ihre Schaffung, immer aus dem Nichts ansetzend, aus der Null. Das Gesetz der Sprache als Syntax zeigt das Enneagramm in seinem waagrechten Aspekt. Sobald ich neun erreiche, bin ich Partner der Null, also des Göttlichen. So eröffnet mir die Ziffer, die ich in den vorerwähnten Methoden habe, die mögliche Hilfe aus dem Jenseits. Die diesseitige Welt hat ihr Gesetz im Tierkreis und der hieraus erfolgenden Ordnung der Planeten, die jenseitige aus der Himmelsleiter.

E n n e a g r a m m

Syntaktisch sind 1 und 8 Verbindung von Konjunktion und adverbaler Konjunktion. 2 und 7 bestimmen das logische Subjekt als Dingwort oder Fürwort, 3 und 6 das grammatikalische, und 4 und 5 die Attribute. Das Verb kann auch als Satz stehen, 3 6 9, und ergänzt die Null.

Tierkreis
Tagwissen
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Sonne
Pluto
Saturn
Mars
Neptun
Merkur
Mond
Uranus
Venus
Jupiter
Sein, Wesen
entwerfen
verantworten
kämpfen
kommunizieren
unternehmen
wünschen
erkennen
gestalten
heilen
Himmelsleiter
Nachtwissen
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
Pluto
Neptun
Uranus
Saturn
Jupiter
Mars
Sonne
Venus
Merkur
Mond
Gerechtigkeit
Musen
Engel
Elementale
Ahnen
Mensch
Tier
Pflanze
Mineral
Feuer

Sinn der Kabbala ist, das Ichbildgefängnis zu sprengen und jenseitige Hilfe anzunehmen. Sie erfließt, sobald man sich ihr öffnet.

  1. Um zu heilen, muß man die Offenbarung von Feuer und Licht ansprechen. Auch Christus spürte bei einer Heilung, wie eine Kraft durch ihn lief.
  2. Um zu gestalten, muß man die Eigengesetzlichkeit der Materie verstehen, der Kristalle, Metalle und Salze, um das Metall zum Gold zu läutern, im Sinne des Hermes Trismegistos.
  3. Um zu erkennen, muß man naiv, in Vertrauen und Unschuld an seine Medizin und Aufgabe herangehen, seinen Stamm und sein pflanzliches Wachstum fördern, also im Fühlen anjochen.
  4. Damit die Mondwünsche nicht irreal werden, gilt es sie am Bewußtsein der Sonne als Herrn der Tiere zu prüfen, um das instinktive Gleichgewicht zwischen Selbsterhaltung und Arterhaltung von der unbewußten auf die bewußte Ebene zu heben und sein Wollen daran ansetzen.
  5. Um im Sinne von Mensch und Menschheit zu handeln, gilt es die Menschwerdung zum Ziel zu nehmen und die Ganzheit des Körpers zu verstehen, ferner die Geschichte meines Ich vom Urknall bis heute.
  6. Das seelische Kommunizieren erfordert die Hilfe der Ahnen, verstanden als inkarnierte Geister, an denen ich anknüpfe und die Weltkultur fortsetze.
  7. Der Geist wird erreicht, wenn das Kämpfen sich auf die Harmonisierung von Erde, Feuer, Wasser und Luft richtet, auf die Ausgewogenheit der vier Attraktoren und der Elementale.
  8. Die wahre Verantwortung erfordert, die Erde als Schule zu verstehen und im Sinne der Sufis zu wissen, wer in einer gewissen Situation Lehrer und wer Schüler ist. Damit wird das Leben zum Weg, geführt vom höheren Selbst als Engel, bis dieser das untere Selbst voll integriert hat.
  9. Das Subjekt wird plutonisch der Rechtfertigung enthoben, also befreit, wenn die kreative Fähigkeit von Syntax und Sprache die Gesellschaft auf das Werk und die Weltkultur abstimmt.
  10. Der Sonnenrahmen als Ritus und die Verwirklichung der Wesen wird möglich, wenn die Gerechtigkeit im chinesischen Sinn — daß jedes Wesen seinen Platz im Kosmos findet — zur Grundlage der Weltkultur wird.

Gott und alle Geister sind Potentialitäten. Das Schwergewicht des Gewahrseins muß die Fügungen des Jenseits als Lebenslinie erkennen und die bewußten Entscheidungen diesen unterordnen.

Goethe: Wer keinen Namen sich erwarb, gehört den Elementen an. So ist die erste Ebene der Kabbala im Fixpunkt-Attraktor und im Wachen der Name und die Sprache. Nichts darf das Bewußtsein bestimmen, was nicht geklärt ist. Die Askese der Wassermannzeit bezieht sich auf das Denken. Man darf keine Meinungen vertreten, sondern nur Einsichten und muß sich auf das Wissen beschränken, das man verstanden hat und zum Stamm des Wesens geworden ist, der fortan Teil der Weltenesche ist. Die Kenntnis dieser Gesetze ermöglicht, aus der Gegenwart des Bewußtseins in die Zukunft zu wirken und sie zu erschaffen, ohne sich um die negative Vergangenheit zu kümmern.

Arnold Keyserling
Strahlen der Wahrheit · 1996
Von der globalen Zivilisation zur transzendentalen Weltkultur
© 1998- Schule des Rades
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