Schule des Rades

Arnold Keyserling

Strahlen der Wahrheit

III. Kabbala des Rades

Die reellen Zahlen

Die dritte Rechnungsart der reellen Zahlen, also dem Wortsinn nach wirklichkeitsschaffende Vektoren, zeigen sich als Diagonale, die vom Nullpunkt her im Divisionsfeld Proportionen gleicher Wertigkeit verbinden, wie etwa die Reihe der Obertöne und Untertöne, und die im negativen Feld bei den Funktionen die Struktur des Atoms zeigen. Die mittlere Diagonale hat die Quadratzahlen, 1 · 4 · 9 · 16 · 25 · 36 · 49, und dann jenseits des Erfahrungsfeldes 8 × 8 = 64, 9 × 9 = 81 und 10 × 10 = 100, letztere die Namen Gottes im Islam.

Zum Teil waren diese Zahlen in der indischen Yogatradition bekannt, wie etwa 16 als Zahl des Anahata Herzchakras; zum Teil wurden sie erst durch die Chemie entschlüsselt. Jedes Atom hat einen Kern von Protonen und Neutronen; darum kreisen gleichzahlig mit den Protonen Elektronen nach der Atomzahl in sieben Schalen, die eine schier unendliche Anzahl von Energieniveaus ermöglichen. Die Entfernungen dieser Schalen sind durch die Reihe der Quadratzahlen gegeben, die auch die Schwerkraft, also die Fallgeschwindigkeit bestimmen; wir haben sie in konzentrischen Kreisen im Rad von der Mitte her abgetragen. Die zweite Diagonale des Multiplikationsfeldes zeigt die Kapazität der Schalen und Bahnen an Elektronen: 2 · 8 · 18 · 32. All diese Zusammenhänge sind im Atlas des Rades systemisch, arithmetisch und geometrisch dargestellt.

Die Proportionen gehören zu den reellen Zahlen, doch die Chakras der mittleren Diagonale zum seltsamen Attraktor der komplexen Zahlen, dem Eingriffsort des Subjektes aus dem Chaos in den Kosmos. Die Diagonale der Quadratzahlen verbindet die Mitte des Rades, also der Erde mit dem unendlich fernen Ostpunkt. Ihr entspricht die Einserdiagonale des Divisionsfeldes mit den Werten: ¹/₁, ²/₂, ³/₃, ⁴/₄, ⁵/₅, ⁶/₆, ⁷/₇. Bisher sind sie geometrisch im Rahmen der Zeugungsprinzipien. ⁸/₈ ist das Kraftfeld, ihr Gesetz ist 64, der I Ging oder genetische Code. ⁹/₉, wie die Ordnung des Tao Te King das Lichtfeld zeigt die Verbindung von Sinn und Leben, Tao und Te und ¹⁰/₁₀ die Namen Gottes, den Ansatz allen Rechnens im Dezimalsystem. Auch bei den Griechen war das große Opfer die Hekatombe, hundert Ochsen.

Diese beiden Diagonalen gehen aus der Erdmitte von Osten nach Westen in der Klärung und Konzeption, von Westen nach Osten aus den Attraktoren in die Verwirklichung und Kosmisierung. Die Diagonale der Chakras bildet im Horoskop den Horizont, der Tag- und Nachtwissen trennt. Die Bruchzahlen der Einserdiagonale zeigen die natürlichen Zahlen als Fältigkeit. Weiter als durch 10 kann man existentiell nicht sinnvoll teilen, es wird dann chaotisch. Von der Erdmitte nach Westen ist die Begegnung mit den jenseitigen Mächten.

Die reellen Zahlen sind Proportionen im positiven Bereich und Funktionen im negativen des Urkreuzes. Mit dem Grenzzyklus haben wir die Mitte des Rades überschritten und kommen jetzt in das Gebiet der Entfaltung aus der Erde, aus den Attraktoren des deterministischen Chaos. Im kontinuierlichen Bereich des Divisionsfeldes zeigen sich die Gesetze des Wachstums und der künstlerischen Gestaltung, abzulesen in den Obertönen und Untertönen beim Anzupfen einer Seite (siehe Atlas des Rades). Im diskontinuierlichen Bereich des Multiplikationsfeldes bestimmen die von der Null anhebenden Diagonalen die Leerform des Raumes, in welcher Materie entstehen kann.

Das Uratom als Modell hat einen Kern und sieben Schalen, die den Chakras entsprechen und in konzentrischen Kreisen von der Mitte nach außen im Rad abgetragen sind. Die Folge der Quadratzahlen 1 · 4 · 9 · 16 · 25 · 36 · 49 zeigt die Schalenabstände; die Ladungskapazität der Schalen und Bahnen an Elektronen folgt der zweiten Diagonale 2 · 8 · 18 · 32. Hier zeigt sich, daß die Zahlen des Urkreuzes nicht nur den Geist bestimmen, sondern auch die Materie. Nach der einsteinschen Formel E = mc² verwandelt sich Energie in Masse. Diese Energie hat ihren Ursprung im CHI der Schöpfung, ihre Einheiten in den Wirkungsquanten, sodaß man jedes Ding und jedes Wesen als ganzzahliges Vielfaches dieser Zahl 1 des Universums bestimmen kann.

A l p h y s i k

Wir betrachten den Torus-Attraktor aus seiner existentiellen Bedeutung, nämlich der Sehnsucht nach Gesundheit nach einem labil-intensiven Gleichgewicht der zahllosen Rhythmen. Zu veranschaulichen ist dieses Gleichgewicht in der Gegenläufigkeit der beiden Reihen: des Mikrokosmos im periodischen System der chemischen Elemente, und im Makrokosmos durch die an der gleichen Stelle im Tierkreis befindlichen linksläufigen Planeten.

Das Geheimnis der Gesundheit läßt sich durch verschiedene Kriterien bestimmen. Ihre Voraussetzung ist die Verlegung des Schwerpunktes des Gewahrseins vom Masseaspekt, also der Betrachtung von Organen und dergleichen, in den Energieaspekt, das Chi, welches sich körperlich in der Sexualität manifestiert und bewußtseinsmäßig im chaotischen Traum.

Jeder Fähigkeit des Handelns entspricht eine Krise des Leidens; beide müssen im Verstehen integriert werden. Im Mikrokosmos sind die Krisen abzulesen, wobei deren materielle Voraussetzung die homöopathische Erkenntnis ist, daß jeder Mensch die Rolle jenes Elements oder Stoffes übernehmen muß, das ihn grobstofflich krank macht. Krankheit ist also nicht nur ein Fehlfunktionieren (VI. Haus), sondern auch ein Signal des Körpers, in der analogen Entsprechung der Körperteile und Organe im Tierkreis, seelisch oder geistig eine bestimmte Arbeit anzugehen. Körper-fühlen im Tierkreis in Verbindung mit Mars ist der Ort von Sexualität und Tod, Stirb und Werde.

Die Indianer unterscheiden brainmind und bodymind, in Entsprechung zur linken und rechten Großhirnhemisphäre. Der Körper weiß im Tastsinn immer was ihm frommt, wie touch for health und Kinesiologie zeigen. Ferner ist jedes Traumbild positiv zu verstehen, also nicht als Symptom eines Fehlers oder Komplexes, sondern von etwas Zutuendem im Sinne des seltsamen Attraktors. Für den erwachten Menschen gibt es keine Probleme, sondern nur Gelegenheiten. Die homöopathische materia medica hat unsystemisch empirisch die Bedeutung der Elemente in ihrem energetisch informativen Aspekt zum Teil entschlüsselt. Das periodische System im Schema des Rades zeigt nun ihr Verhältnis zu den Krisen, die, sei es im Leben, sei es in einer Therapie einander folgen.

Die erste Schale enthält nur zwei Elemente im Grundzustand,das heißt im niedersten Energieniveau, das den Elementen ihren Platz im periodischen System anweist. Ihr Ursprung ist die Verwandlung von Wasserstoff in Helium, also die Fusionsenergie der Sonne. Diese Zweiheit ist in jedem Atom bis zum Uran stabil, diese Elektronen schweifen nicht. Doch gibt es auf Grund der Schalenstruktur 116 mögliche Plätze für Elektronen. Daher können zusätzlich zu den 92 natürlichen Elementen, die sich auf der Erde regenerieren, weitere künstliche geschaffen werden, von denen eines, das Plutonium 94, das gefährlichste Gift ist.

In der zweiten Schale entsteht der Achterkreis mit den Elementen der Luft, Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff, als Grundlage des Atems und des Denkens. Jede weitere Schale ermöglicht ein gesättigtes Molekül, wenn sie acht Außenelektronen besitzt, wie etwa Wasser, H₂O, oder Salz, NaCl. So sind die Chakras im Mikrokosmos des Rades in der Reihe der Edelgase abzulesen, der zehnten oder nullten Gruppe. Sobald ein solches Molekül erreicht ist, wird es zum Teil des entsprechenden Chakras, wobei die drei Felder Kraftfeld der Eisengruppe, Lichtfeld der seltenen Erden und Zahlenfeld der Kohlenstoffgruppe nicht in der ursprünglichen Folge abzulesen sind.

Da sich die Kabbala in ihrem Ziel der Verbindung von Diesseits und Jenseits auf den Wort-Zahlaspekt beschränkt, gehen wir nun von den Krisen aus. Die Voraussetzung, um sich mit ihnen zu beschäftigen, ist die Einsicht, daß sowohl ein Signal des Körpers als auch ein Traumbild immer positiv zu interpretieren sind. Die Erfindung des Bösen, des Teufels als Gegner Gottes durch die prophetischen Religionen muß überwunden werden, um die dritte Dimension der Gesundheit als 8 im Sinne des seltsamen-Attraktors zum Ausgangspunkt bewußten Tuns zu machen, durch Erweckung der Chakras als Edelgase.

Wir beginnen also mit den Krisen und überführen sie in Fähigkeiten, die mit der makrokosmischen Planetenbedeutung identisch sind. Ihre astrologische Integration, die einer Initiation gleichkommt, habe ich in meinem Buch Urreligion Astrologie an Hand des Enneagramms verdeutlicht; sie geht über den Rahmen der Kabbala hinaus.

Arnold Keyserling
Strahlen der Wahrheit · 1996
Von der globalen Zivilisation zur transzendentalen Weltkultur
© 1998- Schule des Rades
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