Schule des Rades

Arnold Keyserling

Strahlen der Wahrheit

IV. Offenbarung der Erde

Wassermannland - Pluto

W a s s e r m a n n l a n dIn der Botschaft vom 18. Dezember 1972 hieß es: Der Mensch im All ist Ich; nicht das personale gehorsamheischende patriarchalische Ich eines strafenden allmächtigen Gottes, sondern die liebenden Präsenz des Urwesens. Die Anerkennung des persönlichen wachen Aufstiegs zum Himmel brachte Uranus — im Mythos dem Himmel zugeordnet. Die Verhinderung der Ausnützung vom Menschen als Finden der waagrechten Meeresebene, wohin alles Wasser fließt, ist der Maßstab Neptuns. Mit Pluto, dem Herrn der Unterwelt, tritt jetzt positiv die sprachliche Kreativität hinzu, die das I. Haus als Ich bestimmt. In Zukunft ist es die Fähigkeit, über das mathematische Radwissen, unter allen Lebensumständen die kreative Lebensgestaltung ohne Vergangenheit aus der Gegenwart der Seele in die Zukunft des Geistes zu entwerfen.

Damit wird das sprachliche Alter von dreieinhalb Jahren, die Mitte des ersten Jahrsiebt des Lebenskreises, zum Beginn der syntaktischen Kreativität, zum Einstieg ins Ich, in Zukunft die Fähigkeit des verkörpernden kombinatorischen Denkens. Die menschliche Umwelt ist heute das Internet, das zu jeglichem Wissen Zugang gibt, und böse sind jene Menschen, die es für eigennützige, selbstische Zwecke verwenden wollen. Die amerikanische und russische Revolution sind nicht mehr rückgängig zu machen. Jeder Erdenbürger erkennt sich zu, daß seine Entscheidung und Wahl von keinem allmächtigen Vatergott abhängt, der die Welt gleich einem Uhrwerk geplant hat, wie im sunnitischen Islam oder im calvinistischen Protestantismus mit seiner Lehre der Prädestination. Die Teilhabe am Sein und damit an Gott ist jederzeit über die Kabbala zugänglich, wie wir im dritten Kapitel beschrieben.

In der Himmelsleiter ist Pluto der zehnte Planet der Gerechtigkeit, das Tor zum höheren Selbst, das die Motivation der Selbstsucht entgiftet. Jede Offenbarung ist gültig, jedes Gottesbild und jedes Streben hat seinen positiven Platz im Ganzen, sobald das assoziative Bewußtsein dem Gewahrsein des körperlichen Denkens weicht.

Pluto brachte die Offenbarung des Rades in Brüssel im Wassermannland. Hieraus wird sich die neue historische Rolle des philosophischen Ansatzes entwickeln.

Griechenland, Rom, Kelten und Germanen, Juden und die Vielfalt der slawischen Nationen bringen den gleichen Reichtum ins Menschenreich, wie die Fauna und Flora der Natur. Der wirkliche Europäer verstand sich seit jeher im Werk, nicht in Gehorsam oder der Moral, so viel auch die Völker unter der feudalen Hierarchie der Fischezeit gelitten haben. Im Innersten verehrt jeder jene Pioniere, die ihren Weg gegen Konvention und Orthodoxie als Beitrag zum sich verkörpernden Pleroma, als Befreiung aus dem tierischen Gattungstrieb mit seinen religiösen Verbrämungen geschafft haben.

Weltgeschichte ist die Menschwerdung Gottes, der Brückenbau von der Erde zum realen Lichthimmel, den unsere Augen in der Milchstraße wahrnehmen. Das innere Ohr und Auge können ihn erleben und das senkrechte Leben der Himmelsleiter mit dem waagrechten der Nächstenliebe vereinen. Wie auch in früheren Epochen bestimmt der Aszendentplanet, heute Pluto, in seiner Wanderung durch den Tierkreis den Zeitgeist. Er ist eine Hilfe für alle persönlichen Entwürfe, sobald diese in der neuen Gemeinsamkeit der Freundschaft und materiellen Selbständigkeit münden. Seit 1996 im Schützen, verlegt sich der Schwerpunkt von der Wirtschaft und vom Krieg in die Suche nach dem Sinn.

Alle Politik beruht heute auf der Wechselwirkung von vier Bewegungen, die den Himmelsrichtungen entsprechen.

  • Der Norden der Erde glaubt an den Wert von Wissenschaft, Technik und denkerischer Planung. Er ist der Überzeugung, daß alles machbar ist. Das Bewußtsein prägt das Unbewußte, hier herrschen Rationalismus und Aufklärung.
  • Der Süden der Erde hat seinen Schwerpunkt in der Tradition, dem Einklang mit Erde und Religion. Es sind die Entwicklungsländer, deren moderne Vertreter die Grünen aller Schattierungen sind, zu denen aber auch nationalistische Prägungen gehören.
  • Der Westen mit dem Schwerpunkt in USA glaubt an die Initiative des Unternehmers, an die Tüchtigkeit und persönliche Freiheit. Aber der Kapitalismus bringt auch die Gefahr des Mißbrauchs bis zum Zerrbild der Mafia.
  • Der Osten legt den Wert auf Solidarität und Gemeinschaft mit dem Schwerpunkt in China, wo das Wirtschaftswachstum ungeahnte Ausmaße erreicht, trotz der Vorherrschaft des sozialistischen Gedankens. Für ihn besitzt die Solidarität den gleichen Wert wie für den Westen die unternehmerische Freiheit.

Ö k o s p h ä r e

Das vereinigende Band zwischen den Vieren ist das Geld, das Budget. In der Entwicklung der Ökonomie ging man vom liberalistischen Standpunkt des freien Spiels der Kräfte oder vom sozialistischen Ideal der gerechten Bedürfnisbefriedigung aus; im Sozialismus St. Simon, Fournier und Proudhon, im Liberalismus Adam Smith und J. S. Mill, vor allem Bentham mit dem größten Glück der größten Zahl.

In den traditionell hierarchischen Ländern glaubte man die Sicherung des Geldes durch Gold- und Silberwährung, Symbole von Sonne und Mond zu gewährleisten, die dann später durch Papiergeld, Schuldverschreibungen, Kredite und Zinsen und schließlich heute durch das elektronische Geld abgelöst wurden.

Das Geld in seiner merkurischen Rolle gibt dem Menschen die Freiheit, sein Leben auf der Wahl aufzubauen, sobald er den Einklang mit sich selbst gefunden hat. Geldherrschaft ist unausweichlich in der Wassermannzeit. Durch die Computer wird die Entscheidung nicht mehr der Intuition der Unternehmer anheimgestellt, sondern erfordert das Durchspielen möglichst vieler computerisierter Modelle des Handelns, um sich dann für das wahrscheinlich Beste zu entscheiden.

Überall auf der Erde seufzt man über das Sparpaket, die Fixierung des Lebensunterhalts in Einklang mit der herrschenden Gesellschaftsstruktur. Aber Pluto als mythischer Herr des Geldes — Plutokratie — gibt nur dem die Freiheit, der sie im Sinne der mitmenschlichen Gerechtigkeit also unegoistisch einsetzt. Durch die Freiheit der Wahl ergeben sich unendliche Möglichkeiten, wenn einmal die Bedürfnisse so weit berücksichtigt sind, daß der Selbsterhaltungstrieb befriedigt ist. Dieses Ziel kann erreicht werden, die augenblicklichen Nöte und Umwälzungen sind als Geburtswehen zu verstehen. So ist heute Politik Geld, das sich aber wegen der plutonischen Beziehung zur Gerechtigkeit in der Himmelsleiter nach Erfüllung des Notwendigen jedem die Möglichkeit gibt, seinen eigenen Traum und seine Vision aus dem Chaos in den Kosmos des gemeinsamen Werkes zu inkarnieren, wie wir es in der Kabbala des Geldes umrissen haben. Aber hierzu muß man den Quell aller Visionen und Träume kennen: es ist der werdende Gott, dessen Bild der Tierkreis ist, der Mensch im All als Personifizierung der Menschheit, der sowohl als Stimme des Ostens als auch als Radvision jedem über sein Horoskop zugänglich wird.

Die Summe aller Träume kommt aus dem Pleroma, den numerologischen Archetypen möglicher Verwirklichung. Auf der Erde hat jede Landschaft eine geistige Potentialität, die von den Mystikern und Metaphysikern mancher Kulturmonaden ergriffen wurde. Doch die künftige große ökumenische Gemeinsamkeit läßt sich fortan in der Metapolitik der Weltkultur bestimmen.

Der Ausgangspunkt ist geographisch Westeuropa und Westafrika. In Afrika wurde der Einklang mit der Evolution wiedergefunden, in Europa deren historisch sprachliches Verständnis. In diesem Bereich wurde das Rad entdeckt, die Fraktalität und das deterministische Chaos. Prigogine erkannte die dissipative Ordnung, daß Elemente zerstörter Zusammenhänge neuen Wesen zum Aufbau einer neuen höheren kosmischen Ordnung dienen, daß also die Negentropie stärker ist als die Entropie.

Die Beziehung der Erde zum Kosmos für die neue Gemeinsamkeit hat den Ansatz in Westeuropa, setzt sich aber über die Längengrade, die Geopsyche fort, deren Nullpunkt oder Ostpunkt in Mekka liegt. Wir wollen nun versuchen, die finale Vision des Pleroma, der Fülle der künftigen Menschheit aus der mystischen Tradition in eine neue Aufgabe zu überführen. Bedenken wir, daß Pluto-Hades mythisch der Schwiegersohn Sohn der Erdgöttin Demeter war, die die Mysterien von Eleusis gestiftet hat, den Durchbruch zur Lichterfahrung für jedermann.

Wassermann ist sechster Abschnitt der Menschheitsgeschichte. Der Schwerpunkt liegt auf Arbeit, Geld, Umsatz und Rationalität. Was für einen selbst sinnvoll ist, muß für andere nützlich werden; dies ist die Form der Nächstenliebe in der Wassermannzeit.

Jede Religion des Weltenjahres vereinte zwei Zeitepochen; der Paradiesmythos, Altsteinzeit und Jungsteinzeit, Übergang Löwe - Krebs. Der Mythos der Sintflut, die historisch nie stattfand aber in allen Überlieferungen zu finden ist, Krebszeit und Zwillingszeit. Das Gilgamesch Epos die Vereinigung von Gottmensch und Tiermensch, Gilgamesch und Enkidu. Der Kulturheroe der Zwillingszeit, Noah oder Utnapischtim überwand das Überfluten durch die Triebe mit dem Bau einer Arche, dem Beginn der Wissenschaft, und der Regenbogen wurde zum Symbol der Versöhnung. Die Suche des Gilgamesch, seinem Freund, dem Tiermenschen Enkidu zur Unsterblichkeit zu verhelfen, gelingt noch nicht, die Initiationen scheitern. Die Bibel, die Vedas, der I Ging ritualisieren den Alltag, lassen ihn durch göttlich formulierte Gesetze, Sanatana Dharma, zum Spiegel des Jenseits werden.

Religion war in der Widderzeit das offenbarte Gesetz Gottes. Buddha, Christus und Mohammed, brachten die Umkehr des Denkens; das Heil liegt nicht mehr in einer goldenen Vergangenheit, sondern der Zukunft eines neuen Paradieses. Die Weisheit nun, das Wissen als Weg zur Befreiung und Erlösung vereinte in ihren Pionieren Fischezeit und Wassermannzeit, hat darum ihren Schwerpunkt im vereinten Europa. Der entscheidende Schritt zur Auflösung des hierarchischen Weltbildes war seit einem Luziferumlauf, seit 1543, seit Beginn des Kolonialismus eingerastet. Um dem Leben seinen Sinn wiederzugeben, müssen wir die obere Linie, die Teilhabe des Menschen an der jenseitigen Welt in der Weltkultur neu begründen.

Den Untergang der hierarchischen Fischegesellschaft vollendete in chinesischer Nomenklatur der letzte Holzhundzyklus von 1934 bis 1994 mit einer Grausamkeit, wie man sie seit den Assyrern nicht mehr gekannt hat. Der Aufbau der neuen Gesellschaft verlangt, die drei Feuerhäuser der Wassermannzeit, das neptunische auf Menschenrechte und Demokratie gerichtete Amerika, das sozialgesinnte uranische China mit seiner Meisterung von Politik und Wirtschaft, und das mathematische und naturwissenschaftliche Westeuropa im Zeichen Plutos, der Erkenntnis des deterministischen Chaos, als Dreiheit anzuerkennen: in Kalifornien das Human Potential Movement, in Westeuropa Naturwissenschaft und Mathematik, und im uranischen China, dem Landstrich der Zwillinge Selbsterhaltung und Arterhaltung, Individuum und Gemeinschaft zu versöhnen.

Hierbei ist die untere Linie, die Naturwissenschaft mit dem Grundprinzip der Schwerkraft, und die astrologische Weisheit der Lichtoffenbarung der Landstriche aufeinander abzustimmen, was wir nun im folgendem versuchen wollen wobei wir Religionen weder geisteswissenschaftlich und historisch, noch als absolute Wahrheiten betrachten, sondern von ihrer ergänzenden Rolle in der globalen metapolitischen Zivilisation, um die Weltkultur als echte menschliche Umwelt jenseits lokaler Merk- und Wirkwelten — imperialer Relikte von Fischezeit und früherer Epochen — jenseits aller Bekenntnisse und Ideologie, auf Grund ihrer Konstanten als Brücke zum chaotisch-energetischen All verstehen wollen.

Die drei Komponenten der Fischezeit
I
V
IX
Fische
Krebs
Skorpion


Bekenntnis und Glaube,
Aristokratie,
Märtyrer und heiliger Krieg

sind heute noch ein Mittel der Fundamentalisten, um die Frauen und die Triebe im Sinne des V. Hauses zu unterdrücken, durch das Setzen der Dualität von gut und böse, Gott und Teufel, Himmel und Hölle. Wer sich aus ihnen befreit und die elitären Vorstellungen auserwählter Menschen und Völker, der Nachfolge überwindet, hat Zugang zur Fülle der menschlichen Entfaltung. Vom Wassermannland aus wurde in den letzten fünfhundert Jahren die Welt unterworfen, wie am Ende der Widderzeit durch Griechenland und Rom. Doch jetzt beginnt der positive Ansatz, nämlich die Frage nach dem Sinn allen Wissens zu stellen und alle sinnlosen Behauptungen aufzugeben. Nicht nur die Erde und die Menschheit sind eine Einheit, sondern der erfahrbare und denkbare Kosmos wurde zur tatsächlichen Umwelt. Daher gilt es fortan auch alle Gottesvorstellungen auf die mathematischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu eichen, die astronomische Wandlung, die vermeintliche Erkenntnis der Schwerkraft als Urkraft und die kopernikanische Hypothese, daß nicht die Erde, sondern die Sonne die Mitte des Weltsystems ist.

Doch die chaldäisch-alexandrinische Astrologie als Bemühung, den Sinn des Lebens durch Weisheit zu klären, ging nicht von der Schwerkraft aus, sondern von der Zeit und dem Licht, das seine Rolle als Urenergie erst durch Einstein und Planck um die Jahrhundertwende wiederfand. Die Babylonier wußten nichts von Planeten und Sternen, sondern von zeitlichen Wanderungen der Lichtträger, also der Planeten und der Sterne des Tierkreises um die Erde und den Polarstern. Betrachten wir nun die Lichtzeitordnung, die heute, mit der Raumordnung der Kosmologie seit Kopernikus, Galilei und Newton als Grundlage der Naturwissenschaft, in Vergessenheit geriet.

Lichtordnung
Zeit, Jahre
HimmelsleiterSchwerkraftsordnung
Urknall, All, Pulsierend
25.920
Präzession
4640Luzifer
24510Pluto10Luzifer
1659Neptun9Pluto5910Mio. km
848Uranus8Neptun4498
297Saturn7Uranus2872
126Jupiter6Saturn1428
25Mars5Jupiter783, 3
14Sonne5Mars227, 9
²/₃3Venus3Erde/Mond149, 6
¹/₄2Merkur2Venus108, 21
¹/₁₂1Mond1Merkur57, 91
24 Stunden0Erde4Sonne
Elektromagnetismus
Schwerkraft

Newton und Galilei wußten nicht, daß das All ein elektromagnetisches Kontinuum bildet, und das aus dem Licht die Massen mit der Schwerkraft entstehen. Dadurch, daß die Sonne Lichtträger im Leben, im Menschen im Bewußtsein ist, wandelte sich die Sehnsucht nach Sinn und Erleuchtung in den letzten fünfhundert Jahren zur Sehnsucht nach Energie und Macht. Die Wissenschaften, die Datenbanken und schließlich das Internet wurden zur eigentlichen Umwelt der technologischen Zivilisation, das Geld zum politischen Generalnenner und Träger aller Macht. Damit ist die untere Welle des Wassermannsymbols heute die Traum-, Todes- und Lichtwelt genauso umfassend wie die wache Erfahrung. Der Weg ist nicht mehr Nachfolge einer sprachlichen Offenbarung, sondern Erfassen der mathematischen Parameter: der Astrologie im makrokosmischen Bereich, der Physik und Homöopathie im mikrokosmischen, und der Sprache des Rades, dem Urcode der Semiotik und Astrologie im mesokosmischen des Lebens auf der Erde.

Arnold Keyserling
Strahlen der Wahrheit · 1996
Von der globalen Zivilisation zur transzendentalen Weltkultur
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD