Schule des Rades

Arnold Keyserling

Urreligion Astrologie

11. Pluto - Luzifer

Sinngewahrsein

P l u t o - L u z i f e rDie Hölle ist heute nicht mehr in der Traumwelt, in einem vermeintlichen Fegefeuer, sondern auf der Erde. Himmel und Erde sind beide zugänglich, und es ist die Frage der persönlichen Wahl, ob man ein Diener der Liebe, oder des Hasses und damit der Hölle wird. Die Voraussetzung ist Anerkennung des Pluto, der technologischen Zivilisation des Körper-denken als menschliche Umwelt. Heute ist die Dreiheit der Wollenshäuser im Denken: V. Haus Zwillinge, die Meisterung betrifft die Fülle der Information, die über die gesellschaftliche Stellung entscheidet. Das Ideal im IX. Haus, Waage sind die Menschenrechte, das Ablehnen von Rassismus und Ideologien. Das I. Haus im Wassermann, die Selbstbehauptung, ermöglicht durch Kenntnis des Horoskops jedem das Finden seiner Medizin. Doch das Wollensdreieck behält im Tierkreis seine Bedeutung, und wir wollen das Zusammenwirken der drei Impulse, Luzifer, Rahu, Ketu jetzt im einzelnen verdeutlichen.

Das Wollensdreieck bestimmt den Satzbau, der die grammatikalischen Wortarten und Kategorien in syntaktische Anweisungen verwandelt. Hierbei ist der Widder bestimmt durch Rahu, den aufsteigenden Mondknoten, der Schütze durch Ketu, den absteigenden, und Luzifer, der potentielle Lichtträger ist im Zeichen Löwe. Als Satzformen steht Luzifer für den Aussagesatz, Ketu für den Fragesatz und Rahu für den Sollsatz.

Die Wortarten sind Fältigkeiten, keine Beziehungen, auch wenn sie solche einbegreifen. Im Ausdruck der Multiplikation sehen wir, wie Sinn und Bedeutung zusammenspielen.

Die 9 mit der 3 und der 6 sind das Satzgerüst. In jedem Satz ist eine Art des Verbes — transitiv, intransitiv oder modal — eine Person und ein grammatikalisches Geschlecht, und drittens eine Form, eine Zeit und ein Modus notwendig. Die Raumwortarten sind Erweiterung und Ergänzung der Bedeutung. Betrachten wir nun die Grammatik des Denkens und die Syntax des Wollens in der Gegenüberstellung:

GrammatikSyntax
1BindewortJ U P I T E RName
2HauptwortV E N U Slogisches Subjekt
3ZeitwortartenU R A N U Stransitiv, intransitiv und modal
4VerhältniswortM O N DObjekte
5EigenschaftswortM E R K U RAttribute
6ZeitwortpersonenN E P T U Ngrammatikalisches Subjekt
7FürwortM A R SNebensätze
8UmstandswortS A T U R NAdverbialbestimmung
9ZeitwortformenP L U T OSatzformen

Entscheidend für das Verständnis in Sprechen und Hören sind die virtuellen Intervalle, die das Denken in den kontinuierlichen Schallstrom oder Lautstrom setzen. Das Schweigen durch Artikulieren der Intervalle zwischen den semantischen Trägern ist Luzifer. Es ist die Aufmerksamkeit, die die Leere als Gegenstand erlebt, eines Sinnes mit der inneren Leere der buddhistischen Meditation; das Nichts, das zwar nicht Inhalt ist, aber Bedeutungen verbindet. Am klarsten erlebt man dies in der Musik, wo Ton und Intervall mathematisch und geometrisch voneinander geschieden sind. Im Horoskop sind die sinnvollen Intervalle die möglichen Aspekte. Zwei gehören zum Wollen, Konjunktion und Opposition, Oktave und Triton. Drei zum Denken, Halbsextil 30° und Quincunx 150°, Quinte, Quarte und große Septime; zwei zum Fühlen, kleine Terz, doch nur ein Winkel von 90° (Quadrat); zwei zum Empfinden, Sextil 60° und Trigon 120°, Ganztonschritt und große Terz. So erleben wir in der Musik unterscheidbare Nichtse, die im Zwölferkreis durch den Intervall der W u r z e l - 2:1 temperiert werden, um alle im Rahmen der Toleranz, 81/80, miteinander in Beziehung zu bringen.

A s p e k t w i n k e l

Wenn man Musik hört oder spielt, dann erlebt man Sinn ohne Bedeutung, die man aber wie im Gesang hinzufügen kann. So ist die Musik neben der Grammatik und Syntax das zweite Mittel, um von Bedeutungsbewußtsein in das Sinngewahrsein überzuwechseln. Daher wird in Offenbarungen der himmlischen Existenz immer die Musik als Vergleichsmittel herangezogen, weil in ihr Resonanz und Harmonie jedem spürbar werden. Leonardo da Vinci betonte, Musik sei das Urbild der echten Zivilisation:

die musica humana der Triebe und des Rhythmus,
die musica mundana des Melos, der Intervalle und der Planeten,
und die musica instrumentalis, in der jeder seine Stimme zum Konzert beiträgt.

In dieser Analogie ist das Horoskop das Instrument, und die Melodie in der Harmonik Ausdruck des freien Wesens, wie im kreativen Satzbau.

Arnold Keyserling
Urreligion Astrologie · 1996
Enneagramm und Himmelsleiter aus der Sicht des Rades
© 1998- Schule des Rades
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