Schule des Rades

Arnold Keyserling

Urreligion Astrologie

1. Erde

Enneagramm

Diesen Weg beschreibt das Enneagramm. Damit gewinnt die Astrologie in Zusammenhang mit dem Yoga eine gesellschaftstragende Rolle, so daß persönlicher Werdegang und kollektive Befriedung sich die Waage halten. So wird die Gefahr vermieden, in die früheren ausschließlichen Kollektive zurückzufallen. Heute führt jeder kleinere Zusammenhang als die Welteinheit wie Rasse, Volk, Kulturmonade oder Bekenntnis in Krieg und Zerstörung. In dieser Zeit lenkt kein Volksgott mehr die Geschichte, auch kein Avatar, sondern jeder muß aus dem Pleroma seine Rolle in der Ökumene erkennen und ausführen.

Der Mensch birgt den Born der Urkraft in seiner ruhenden Mitte, sobald er diese sei es durch Yoga, sei es durch Integrieren seines Horoskops erreicht. Der Trubel der Assoziationen im Bewußtsein wird verlangsamt, und das Wesen strahlt aus der Mitte. Im Horoskop verlangt dies ein Aufheben der Identifikation mit den Komplexen, den Ballungen von Planeten durch die Aspekte. Hier müssen die Abschnitte des Tier- und Häuserkreises mit den Planeten als Zeitmeridianen vom Nordpol zum Südpol mit ihren Schnittpunkten am Äquator, der Ost-Westachse des Horoskops angejocht werden.

Das Erlernen des Horoskops führt zum Verstehen des persönlichen Bewußtseinscomputers. Es kennt drei Stufen. Körperlich ist die Anlage eine bestimmte, seelisch die Beziehungsfähigkeit, die sich auch in den Aspekten äußert, und geistig das Integrieren der beiden großen Kreise, individuell des 84jährigen Lebenskreises, in dem jedes Jahr eine zusätzliche Aufgabe bringt, und kollektiv in der Einpassung in das Aion, also heute die Wassermannzeit, wo die Persönlichkeit durch das Horoskop bestimmt wird.

Jedes Bewußtsein — als ein Haben, ein Inhalt, der eine beliebige Synthese von Traum, Wachen, Reflexion und Sein als innere Ruhe bedeutet — ist eine Abwandlung der Urstruktur. Ebenso wie eine schwere Konstellation in einer Aspektfigur, droht es, einen falschen Mittelpunkt, zum Beispiel in einem Weltbild zu schaffen. Die fraktale Ordnung der Selbstähnlichkeit bestimmt die Evolution auf allen Ebenen, von der Materie bis zum Geist. So ist auch der Organismus in Analogie zum Uratom zu begreifen. Der nullhafte Kern jedes Atoms enthält eine bestimmte Anzahl von elektromagnetischen Protonen, vermehrt durch die gravitationellen Neutronen. So ist auch das geprägte Wesen des Menschen eine Einheit aus der Null; daher eine Motivation, von deren Reinheit das Wachstum ansetzen muß, also 0 - 1.

Im Rad ist die Mitte geprägt durch die Einserdiagonale des Divisionsfeldes mit dem Wert 1, anhebend im Nullpunkt des Zahlenkreuzes. Ihre Länge ist geprägt durch den temperierenden Intervall W u r z e l - 2:1. Ihr Verständnis ergibt sich aus der Division, also der Fähigkeit des Denkens. In der Wassermannzeit muß man nicht mehr mit Moral wie in der Vergangenheit das Fühlen beschränken, sondern die richtige Askese bestimmt das Denken. Es gilt falsche Bewußtseinsinhalte zu vermeiden und das Subjekt vom dinglich identifizierten in das energetisch handelnde, also in die Aufmerksamkeit aufsteigen zu lassen.

Jedes Atom hat sieben Schalen, und in den Elementereihen entspricht es einer der zehn Gruppen und einem Planeten. Die zehnte Gruppe der Edelgase mit Helium, was Sonnenstoff bedeutet, hat die achtfältige Sättigung des Moleküls, und entspricht damit den Chakras, die sich nicht mehr chemisch verbinden, das heißt nicht durch Bewußtseinsinhalte verfälscht werden können, sondern für sich allein stehen als Transformatoren der Energie. Sie verlaufen von Neon bis Radon. So ist die mikrokosmische Richtung im Rad von der Mitte nach unten, also der Erdmitte zur Sonne fraktal in Entsprechung zu den Chakras.

Doch nicht nur die Edelgase haben diese Struktur, sondern auch jedes gesättigte Molekül, das sozusagen seine Individualität erreicht hat, z. B. Wasser H₂O, oder NaCl, Salz.

Wenn man durch Erkenntnis und Übung die Beziehung zur Erdmitte erweckt hat, dann können die sieben Chakras zu jenen Flötenlöchern werden, durch die nach Lao Tse das göttliche Chi seine Melodien bläst. Solch eine Melodie ist mein Wesen als geprägtes Sein; der ruhende Wesenskern im Tiefschlaf, Anahata ist reiner Ausgangspunkt jeglicher Intention.

Die Bewußtseinsschichten bleiben voneinander getrennt, bis man sie im Tierkreis auf den Menschen im All abgestimmt hat. Dann unterscheidet man aus dem nullhaften Gewahrsein die 7 Chakras, die vier Funktionen und die drei Bereiche, alle gesteuert aus dem nullhaften Subjekt.

E n n e a g r a m m

Bei den Chakras sind die vier Funktionen zu trennen, und die drei Bereiche zu vereinen. Das erzeugt eine unendliche Bewegung und wird durch die Ziffern des Enneagramm, ausgehend von Punkt 7 in der mannigfaltigen Figur veranschaulicht. 7 Mars, 1 Jupiter, 4 Mond, bilden das erste Dreieck in der Folge der Integration. Alle drei sind in der Traumwelt, verlangen eine innere Arbeit an der Motivation. Sie bestimmen das Fühlen, indem sie körperliches, geistiges und seelisches Fühlen vereinen.

Das zweite Dreieck bestimmt das Empfinden. 2 Venus, 8 Saturn, 5 Merkur. Das Wechselspiel zwischen Traum und Wachen prägt das assoziative Verhalten. Daher läßt sich jeder Mensch, der nur die lunaren Planeten integriert hat, von außen manipulieren. Der Schritt von der Erdmitte zu Mars beträgt 60°, also eine Sextillänge oder einen Ganztonschritt; von Mars zu Jupiter, und von Jupiter zum Mond ein Trigon, 120°, oder eine große Terz. Vom Mond zur Venus beträgt der Schritt 80°, ist also außerhalb der Resonanz. Von Venus zu Saturn wieder ein Trigon, desgleichen von Saturn zu Merkur.

Jetzt folgen mit dem Intervall der 40° die drei Denkplaneten: 6 Neptun, 3 Uranus und 9 Pluto. Das Denkdreieck ist der einzige Weg, um Körper, Seele und Geist zu vereinen; in ihrem Gegensatz entsteht rückläufig das Wollensdreieck mit Luzifer, Rahu und Ketu, die nicht intervallisch zusammenwirken, sondern eine Einheit bilden, die ihre Erfüllung in der Sonne findet.

Das Rad und das sprachliche Enneagramm sind die Matrix der zweiten Geburt des geistigen Wortwesens. Sie ist in genauer Entsprechung zur ersten.

Das Enneagramm zeigt neunfältig die Mitose, von der Vereinigung von Same und Ei zur Urzelle bis zur Geburt und der Geschlechtsreife.

7)
Kopulation. Die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau: fünfhundert Millionen Samen werden ausgeschüttet, und einem gelingt es in das Ei einzudringen, welches sich danach gegen weitere Eindringlinge abschließt.
1)
Befruchtung. Der väterliche Same und das mütterliche Ei vereinen sich mit dem aus der Schöpfung stammenden Wesenskern, der schon viele Inkarnationen durchgemacht hat — als Wirkungsquant bei der Schöpfung, als Photon, schweifendes Lichtfünklein im All, als Elektron auf der Suche nach seinem Partner, als vierfältiges Atom in einer der neun Gruppen, als Molekül und damit als Genom im mineralischen Bereich. Ferner durchschreitet der Wesenskern die pflanzliche und tierische Form, bevor er in eine menschliche Inkarnation eintritt.
4)
Polarisation. Nun nimmt das Menschlein die Gestalt der Erde an. Die Urzelle bildet eine Kugel; die 2 × 23 Chromosomen, die väterliche und mütterliche Erbanlage, legen sich am Äquator übereinander. Nord- und Südpol senden neun Stränge aus — die neun Planetenkräfte — und die Chromosomen vereinen sich zu 46, dem Beginn der genetischen Individualität. 46 ist die Hälfte von 92, dem Uratom Uran. So ist der Mensch von Anfang an auf das Mineralreich abgestimmt.

Jetzt kommt der Übergang zum Dreieck des Wachens und Empfindens in einem Winkel von 40°.

2)
Teilung. Nach dem musikalischen Oktavgesetz beginnt sich die Zelle zu teilen: 1 - 2 - 4 - 8 - 16 - 32 - 64. Im Übergang zu Punkt 8 auf der rechten Seite bilden sich die drei Keimblätter. Aus dem Ektoderm entfaltet sich die Grundlage der Sinnesorgane als Basis des späteren Geistes, das Mesoderm mit dem Bewegungsapparat als Grundlage der seelischen Beziehungen, und das Entoderm mit Gedärmen und Gefäßen als Lebenskraft des Körpers. In der indischen Philosophie wurden die drei Komponenten als die Gunas, Sattwa — Rajas — Tamas artikuliert, und die ganze Medizin darauf aufgebaut.
8)
Organisation. Nach 52 Teilungen ist der Organismus mit seinen zwölf Organsystemen und Gliedern ausgewachsen, organismisch in der chaldäischen Darstellung, und als zwölf Kreisläufe in der chinesischen Struktur der Meridiane und ihren Entsprechungen in Organuhr, jupiterischer Generationsfolge und Jahreskreis.
5)
Geburt. Nach der merkurischen Geburt, gleichsam als Gottessohn Hermes, beginnt die Atmung und das Wachen. Die Geburtssekunde mit dem Beginn der Atmung und dem ersten Schrei bestimmt das Horoskop. Daher ist in allen Kulturen 5 die Zahl des Menschen. Die Atmung ist Grundlage des Denkens als Differentialkennzeichen seiner Gattung.

Nun folgt die Entwicklung bis zur Geschlechtsreife, also zurück zur Zahl 7. Mit der Kopulation tritt er in die Geschichte der Gattung ein, bekommt Kinder und setzt damit die genetische Folge fort. Doch irgendwann in seiner Existenz, auf Grund einer Verzweiflung oder eines Erlebens spürt er, daß nicht die irdische Kraft, sondern die himmlische Liebe und das Urlicht des Gewahrseins zum Subjekt des Wesens werden kann. Die Null oder Zehn, Symbol der Sonne, ist im Enneagramm in der Mitte zwischen Mond und Merkur — Mond, Polarisation 4, und Merkur sprachliche Geburt 5 in Entsprechung zur physischen.

A u g e · G o t t e s

Manche bleiben hylische Menschentiere, leben nur für Überleben und Fortpflanzung, manche entfalten das Dreieck, das Auge Gottes im Denken. Sie erkennen und verwirklichen den sonnenhaften Sinn der irdischen Existenz, daß aus der Sonne physisch und geistig, also in der Null und Zehn alle Planetenkräfte einbegriffen werden. So sprach Gurdjieff, der Entdecker des Enneagramms, nicht vom physischen, sondern vom planetarischen Körper, dessen Systemik als Information aus den planetarisch-semiotischen Impulsen geprägt ist.

Null bestimmt als Sunya, die Leere des Seins entdeckt von Buddha, die Erleuchtung als Tor der Auferstehung vom physischen zum geistigen Wortleib. Der Wiedergeborene wird strahlend gleich einem Stern; er wird zum Freund und Partner Gottes, des Menschen im All, Kollege der Sonne, der nach dem Tod als Ahne, Heiliger oder Weiser den Überlebenden hilft, wie die Urreligion berichtet.

E n n e a g r a m m

Arnold Keyserling
Urreligion Astrologie · 1996
Enneagramm und Himmelsleiter aus der Sicht des Rades
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD