Schule des Rades

Arnold Keyserling

Wassermannzeit

II. Methexis

Das Rad

Das Bewußtsein des Rades kann mathematisch errungen werden. Doch ist es als Urbild in allen Kulturen als Vision überliefert.

Der mongolische Kulturheroe Kesar Ling erkannte wahrscheinlich am Ende der Altsteinzeit die Grundstruktur des Rades in den acht Raumrichtungen, den zwölf Tierkreiszeichen und den neun Ziffern. Noch heute trägt jeder Tibetaner am Gürtel ein Rad aus Messing oder Silber, wobei aber die neun Ziffern nicht im Enneagramm dargestellt sind, sondern im magischen Quadrat.

V o r d e r s e i t e R ü c k s e i t e

Dank der Entwicklung der Naturwissenschaft ist es heute möglich, das Rad aus der esoterisch-dichterischen Schau in die logisch-kritische zu überführen, wobei unser naturphilosophisches Modell der Evolution den Rahmen des kosmischen Bewußtseins absteckt:

  • Das momenthafte Bewußtsein des Gewahrseins erlebt die Quanta als Ureinheiten und gleichzeitig das All.
  • Das Photon und die Strahlungsenergie ist die Grundlage des sinnlichen Empfindens.
  • Proton und Elektron in ihrem Verhältnis von Anziehung und Abstoßung in der elektrischen Energie bilden die Grundlage des Denkens.
  • Das Atom unterliegt den Wärmestufen fest, flüssig und gasförmig in der Bewegungsenergie und strebt nach dem Grundzustand des Gleichgewichts; darauf fußen die inneren Signale des Fühlens.
  • Das Molekül ist als Zugang zum genetischen Code mit seiner Fähigkeit des Verbindens und Trennens die Grundlage des Wollens.
  • Der Körper ist aus den Elementen der Erde gefügt, und wird in der Schwerkraft durch das Stammhirn gesteuert.
  • Die Sonne ist Träger der Seele in ihrer Beziehungsvielfalt.
  • Der Geist in seiner galaktischen Steuerung befähigt uns, die planetarischen Möglichkeiten zu unterscheiden.

Die Schichten stehen symmetrisch zueinander. Senkrecht in der Beziehung von Gewahrsein und wollen, waagrecht, empfinden und Geist, fühlen und Körper. Die ichhafte Mitte im Werden und Vergehen, das Tier als Organismus zwischen Seele-Wirkwelt und denken-Merkwelt, ist der Ausgangspunkt der Bewußtwerdung. Dieser Ort ist nicht eigentlich wach; es ist der Pseudotraum der Selbstrechtfertigung, woraus die Religion uns erwecken will.

Arnold Keyserling
Wassermannzeit · 1988
Visionen der Hoffnung
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD