Schule des Rades

Arnold Keyserling

Wassermannzeit

I. Kosmogonie

Galaktisches Bewußtsein

Das menschliche Bewußtsein ist galaktisch und sprachlich. Es erlebt nicht nur den Jahreskreis der Sonne, sondern darüber hinaus jenen der Planeten, von denen jeder mit einer anderen Bewußtheit in Beziehung steht:

  • Im Mondzyklus entfaltet sich seine Vorstellung und Fähigkeit zur Sorge.
  • Im Marszyklus findet er Zugang zum Tod, der Initiative und zum Kampf.
  • Im Merkurzyklus erlebt er den Rhythmus der Arbeit und des Handels.
  • Im Jupiterzyklus findet er seine Fülle und Heilung.
  • Im Venuszyklus erfährt er seine Fähigkeit zur Gestaltung.
  • Im Saturnzyklus wird er für die Öffentlichkeit und die Generationen verantwortlich.
  • Mit der Sonne ist er imstande, andere in ihrer Eigenheit wahrzunehmen und sie als Freunde zu akzeptieren.

Dieser Zyklus des galaktischen Bewußtseins hat seinen Niederschlag in der Woche gefunden, dem Siebenstern, der Alltag und Sonntag unterscheidet und damit die vier Phasen des Mondes Neumond der Regeneration, Vollmond der Fülle, zunehmender Mond der Entfaltung und abnehmender der Entwicklung — als Arbeitsrahmen erfaßt.

S i e b e n t a g e w o c h e S i e b e n t a g e w o c h e

Der Mensch ist im Bilde der Gottheit geschaffen oder entstanden. Durch seine Sprache kann er daher am Gewahrsein teilhaben, am pulsierenden All und dessen Subjekthaftigkeit. Doch letztere muß erst errungen werden und bedeutet den Durchbruch zum großen Raster der Menschheit im Weltenjahr. Der Tierkreis als immanente Gottesvorstellung wird als Bild des Menschen im All erkannt, dessen Füße die Fische und dessen Kopf der Widder ist. Dieser große Mensch entfaltet sich im Lauf der Menschheitsgeschichte. Ihr Rahmen ist die eigentliche Religion, die sprachliche Artikulation des Arterhaltungsinstinkts. Sie wird nur jenen Menschen zugänglich, die glauben, daß der Tod nicht ihr Ende bedeutet, sondern daß die Welt des Geistes und der Erfahrung, der Wechsel zwischen Leben auf der Erde und im nachtodlichen Traum die Voraussetzung der eigentlichen Entfaltung bilden.

Der Mensch kann sein galaktisches Bewußtsein, das Empfinden und Geist, Wirklichkeit und Traum als Gegensätze erlebt, nur überwinden, wenn er alle kosmischen Stufen integriert. Dies erfordert nun den Entschluß, sich mit dem Denken zu identifizieren, dessen Rhythmen nicht in der Woche, sondern nur im Weltenjahr zu begreifen sind, weil dieses den äußersten Rahmen des Verstehens bildet. Um dieses zu begreifen, müssen wir uns dem Rad zuwenden, das uns die kosmische Einstimmung, Methexis, ermöglicht.

Arnold Keyserling
Wassermannzeit · 1988
Visionen der Hoffnung
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD