Schule des Rades

Wilhelmine Keyserling

Mensch zwischen Himmel und Erde

V. Heilige Zeit

Das West Fest

W E S T
0° Waage
0° Waage, am 23. September, einer sternenklaren warmen Spätsommernacht im Erdheiligtum um 04:07 Uhr.Nach Wien zurückgekehrt, trafen wir uns am 19. September zum Monatsgespräch der Jungfrau. Dies ist der Monat, in dem ich das Veranstaltungsprogramm unseres KRITERION für das nächste Halbjahr formuliere, das den Geist dieser Arbeit und die genaue Abstimmung der Ereignisse — die in der Waage beginnen — gedruckt und ausgesandt zum Boten werden läßt. Bestimmung der Arbeitsvorgänge im tatsächlichen Geschehen.
Die Erzählungen unserer Freunde bezogen sich aber diesmal auf eine andere Ebene der Übereinstimmung. Ob im Versuch eines klärenden Dialogs mit sich Selbst, in der Teilnahme an einem Gespräch in Gesellschaft oder der seltsamen Begegnung mit einem Fremden, wurden die Bildkraft und das Gewicht der Worte so bewußt, die Hintergründe so durchscheinend, Verrückung und Ungleichgewicht derart empfindbar, daß sie mehrere unserer Freunde, an ganz verschiedenen Orten, in den Abgrund einer Krise führten, die sich ohne körperlichen Anlaß, in Erbrechen, Schweißausbrüchen und Zuständen der Ohnmacht äußerten. Als der dritte berichtete, wie er den Raum verlassen und sich am Klo übergeben mußte, konnten wir unsere Sympathie nur mit herzlichem Gelächter bezeugen. Für alle war diese Erfahrung ein Erlebnis der Reinigung und Befreiung, die in ein neues Gleichgewicht, ein seliges Vertrauen im Sosein mündete.

Im Laufe des Gesprächs wurde uns, durch die gütige List des Merkur, die Jungfrau in ihrem Aspekt der reinen Absichtslosigkeit, unvoreingenommen und vielschichtig in ihren Ebenen der Wirklichkeit, einsichtig. Und das war eine gute Vorbereitung auf das Westfest — Fest der Erde — der Vermählung

von
im
lassen und tun
SEIN

Diese beiden Aspekte des Wollens sind aber kein links und rechts. Wir können sie auf unsere Richtung bezogen als hinter und vor uns begreifen, in der

und der Trennung von den Geschehnissen
Zuwendung zum Keimhaften.

Letztlich sind sie, was nur im Geiste möglich ist, vollständig ineinander, wie das Nichts im Etwas, das Bestehende im Vergehen.
Als Körperwesen auf der Erde müssen wir ihrer getrennt gewahrwerden: wenn wir im Lassen Tod verwirklichen, können wir am Leben, am Keimhaften teilhaben, — und in der liebenden Zuwendung zum Vergänglichen, taucht die Erfahrung des Ewigen auf. Haben nicht alle Weisen der Menschheit versucht uns diesen Zusammenhang nahezubringen? Die Botschaft für das Westfest besagte:

Montag, 23. September 1985 · 04:07 MEZ
Wie können wir uns auf das West-Fest im Uranusjahr 1985 einstellen?

Das Fest des Westens ist fruchtbar; gebend empfängt man die Kraft der Erde. Zu sich stehend findet man seinen einzigen Platz, nicht zu hoch und nicht zu niedrig, wovon man wirken kann und anderen hilft, sich selber zu sein, im unsichtbaren Kräftenetz der Silberfäden.

Wie können wir die Göttin in uns bewußt machen?
Indem du dich einschwingst auf den großen Atem des All. Das Zusichstehen gleicht einem Halm, der im Winde schwankt, aber nicht entwurzelt wird. Jeder hat die bergende Kraft, wenn er seine Wurzeln nicht verliert und genau darauf achtet, wo sein Halm an der Oberfläche erscheint, sichtbar wird. Die Göttin wird bewußt durch die innere Schönheit, die den Körper durchstrahlt.

Wie können wir den Tod einbeziehen?
Der Tod geht euch nichts an. Ihr seid lebendig und jener, mit dem ich spreche, stirbt nicht.

Was gibt es für uns im Lassen zu tun?
Das Lassen und das Tun sind zwei Aspekte des Seins. Bist du, dann tragen dich beide Kräfte. Im Westen geht die Erde dauernd auf. Dieses Aufgehen ist das Sein, daß nämlich überhaupt nichts Negatives geschehen kann, im gleichen Sinne wie im Osten jede Vision und Forderung gut ist. Das Trennen von allen Geschehnissen verlangt Zuwendung zu allem Keimenden, das noch ausgetragen wird und im Tod dann neue Samen gebiert.

Hat der Westen mit Verwandlung zu tun?
Ja, indem der Begriff des Verwandelns dem Wogen des Seins entspricht: es ändert sich und bleibt doch gleich, das Etwas.

Ist es der Versuch, an der Nahtstelle zwischen Nichts und Etwas zu sein?
Ja. Sobald du im Atem schwingst, bist du die Brücke zwischen Himmel und Erde. Der Atem ist dauernder Wechsel und Wandel. Das Nichts des Gleichbleibenden ist die Wurzel zur Urmutter.

Kannst du mir eine Weisung geben?
Sei in dir das Werdende, suche den Beginn, und alle Wirkung führt die Anderen dazu, selbst frei zu werden.

Westen ist Freiheit, Osten Gehorsam.

Es ist so einfach, daß wir uns nicht zutrauen, wirksam zu verstehen und wieder fragen möchten — und das ist gut — Wie kann ich’s machen, was kann ich tun? obwohl wir wissen, die Antwort ist immer:

tun
die Antwort ist immer:
leben.

Leben ist da-Sein im Vergehn

Wilhelmine Keyserling
Mensch zwischen Himmel und Erde · 1985
V. Heilige Zeit
© 1998- Schule des Rades
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