Schule des Rades

Arnold Keyserling

Der Traum vom Paradies

Voraussetzung

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Paradiesvorstellungen

Der Begriff esoterisch stammt aus der Schule des Pythagoras. Er bezeichnete damit jenes Wissen, das nur durch persönliche Wandlung zugänglich wird, im Unterschied zum exoterischen Wissen, das man schulisch, von außen erwerben kann. In den prophetischen Religionen ist seit der Verurteilung der Lehre des Origenes im 6. Jahrhundert der Weg der Selbsterlösung verdammt worden: nur über das Studium der heiligen Schriften kann ein gültiges Wissen über das Jenseits und das Paradies gläubig, ohne Nachprüfung, erreicht werden. Sowohl in Europa als auch bei den Schamanen hat sich aber der persönliche Weg zur Offenbarung unterschwellig erhalten um ihn begreifen zu können, müssen wir vorerst einige Begriffsbestimmungen vornehmen. Denn es gibt nicht eine, sondern mehrere Paradiesvorstellungen:

  1. Das goldene Zeitalter vor dem Sündenfall, da der Mensch noch in Naturharmonie lebte, von seinen Instinkten gleich den Tieren getragen.
  2. Ein Bewußtseinszustand unsäglicher Freude, im Yoga Samadhi, wo die Subjekt-Objekt-Spaltung aufgehoben ist. Bei ihm gilt es, eine infrapersonale und transpersonale Modalität zu unterscheiden.
  3. Die Paradiesvorstellung, die durch Riten schamanischer Art zugänglich wird, und von manchen Religionen wie der buddhistischen als Illusion bezeichnet wird.
  4. Das konkrete Paradies als jenseitiger Ort, wo man Persönlichkeiten trifft, die eine Weltbedeutung erlangt haben; dies ist nicht jedermann zugänglich; man denke an Goethes Wort: Wer keinen Namen sich erwarb, gehört den Elementen an. Hierzu gehört die Vorstellung eines Läuterungsprozesses, den der Mensch durchmachen muß, bis er die neue Seinsmodalität als Auferstehung des Fleisches; erreicht. Ein solches Paradies ist vom nachtodlichen Zustand zwischen Inkarnationen auf der Erde zu unterscheiden. Die meisten prophetischen Visionen des Paradieses scheinen aus diesem Quell zu stammen.
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