Schule des Rades

Arnold Keyserling

Gott, Zahl und Wirklichkeit

Zehn

Der Mensch, die Natur und auch der Kosmos sind eine Verkörperung der zehn Prinzipien, die sich miteinander vermählen. Kabbala bedeutet Zahl mit Buchstaben, Prinzip mit Wort zu vereinen: durch das zehnte Prinzip, die Wortwerdung der Zahl, Gott als die Sprache, und damit als das Prinzip der Fülle.

In der Fülle führt nur das Verstehen zu Gott. Durch das Verstehen erlebt man, wie sich die Zahlen zu den mannigfachen Erscheinungen vereinen.

Man erreicht erneut den Grund des Alls; doch nicht mehr als Leer-Sein, sondern nun als Fülle, als bewußtes Kind der Schöpfung in all ihrem Reichtum, welches auch den Reichtum der anderen Erscheinungen bejahen und fördern kann.

Das zehnte Prinzip ist das Prinzip der Philosophie: anstatt sich auf die Einzelheiten zu konzentrieren, untersucht der Philosoph, wie diese zu ihrer Entstehung und Auswirkung kommen. Er erlangt über das Verstehen die Vereinigung von Null und Eins, von Ganzheit und kristallhafter Durchsichtigkeit: in seinem Verstehen kristallieren die Weltpotenzen zum Gefährt.

So entsteht aus der Null und den zehn Schöpfungsprinzipien, unter Einordnung der Sprache und der Weltelemente das System der Vernunft, welches denjenigen Menschen zum Heil führen kann, der den Weg der Fülle zu gehen berufen ist: das ursprüngliche und natürliche System der Philosophie.

Arnold Keyserling
Gott, Zahl und Wirklichkeit · 1965
Studienkreis KRITERION
© 1998- Schule des Rades
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