Schule des Rades

Arnold Keyserling

Musik und Sinn

Mensch im All

Der Tierkreis ist das älteste Gottesbild, der Große Mensch als Potentialität der Menschheit, der Mensch im All. Dieser Gott ist Potentialität, nicht Aktualität; sein Bild ist der Raster der Wiedergeburt im neuen Paradies oder auf der Neuen Erde. Durch das Horoskop hat jeder an ihm Teil; so ist Astrologie die musikalische Urreligion. Die sieben Chakras, die vier Funktionen wollen, empfinden, denken und fühlen — in der Traumwelt und der Natur Feuer, Erde, Luft und Wasser — zeigen in ihrer Verschränkung den ersten Atemzug des Geburtsmoments, die persönliche Anlage. Die Planeten entsprechen den Obertönen, die aber nicht vom Raum her, sondern von der Zeit als Himmelsleiter betrachtet werden. Die Intervalle zeigen uns, was zusammenwirkt als Aspekt.

E n n e a g r a m m · i m · T i e r k r e i s

c
g
d
a
e
h
fis
cis
gis
dis
b
f
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
Seele-wollen
Körper-empfinden
Geist-denken
Seele-fühlen
Körper-wollen
Geist-empfinden
Seele-denken
Körper-fühlen
Geist-wollen
Seele-empfinden
Körper-denken
Geist-fühlen
Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische
Kopf/Gehirn
Nacken/Sinne
Arme/Lunge
Brust/Magen
Rücken/Herz
Bauch/Gedärme
Hüften/Niere
Genitalien/Muskeln
Schenkel/Leber
Knie/Gelenke
Waden/Skelett
Füße/Milz
Politik
Kunst
Wissenschaft
Ernährung
Pädagogik
Wirtschaft
Gemeinschaft
Musik/Kampf
Religion
Staat/Beruf
Technologie
Medizin
Rahu
Venus
Uranus
Mond
Sonne
Merkur
Neptun
Mars
Ketu
Saturn
Pluto
Jupiter

Die Landschaften der Erde haben den Ostpunkt oder Frühlingspunkt in Mekka, also c.

  • Prim und Oktave, Konjunktion und Opposition, bzw. Triton, zeigen was auseinanderzuhalten ist, oder verstärkt wirkt als Komplex, das Wollen.
  • Quadrat oder kleine Terz zeigen einen Mangel oder ein Leiden, ein Motiv, das zum Handeln drängt, das Fühlen;
  • Trigon und Sextil, große Terz und große Sekund bestimmen eine Begabung, die man ergreifen sollte, das Empfinden.
  • und schließlich Halbsextil — Quinte/Quarte und Quincunx, große Septim das Denken.

Jeder Ton, also jede Komponente des Charakters und Schicksals, ist mit sieben Obertönen und Untertönen verbunden, mit anderen aber nicht.

So gleicht das Horoskop einem musikalischen Instrument, womit der Mensch im Konzert der Weltkultur mitspielen kann, wie es Leonardo da Vinci verkündete. Und in der deutschen philosophischen Sprache setzte man an die Stelle des Begriffs Psyche das Gemüt, das Stimmungen unterliegt, und das Subjekt des Menschen wurde als Stimme bezeichnet, und seine Aufgabe als Bestimmung.

In allen vorschriftlichen Überlieferungen war die Sprache, die Jenseits und Diesseits verbindet, die Musik und die Zahl. So verstehen wir, was Lü Bü We mit großer Musik gemeint hat. Auch die Erdzivilisation wird in der Wassermannzeit auf den Menschen im All abgestimmt, Tonal b-Dur/d-Moll.

So ist die große Musik oder Weltmusik in ihrer Polyphonie die Voraussetzung der Weltkultur, sodaß jede Stimme aus jeder Lage, zu jeder Zeit und an jedem Ort durch Kenntnis der Urstimmung des Rades daran teilnehmen kann.

Das wohltemperierte Klavier von J. S. Bach und das chinesische zwölftönige Qin im Zusammenhang mit dem I Ging ermöglichen alle Harmonien und Resonanzen zu berücksichtigen. Erst mit dem Beginn der globalen Gesellschaft der Wassermannzeit wird die Weltmusik tatsächlich die Grundlage der Kommunion, an der jeder teilnehmen kann, und damit aus der Verengung seines Ichbildes in den echten Dialog des Gewahrseins im Einklang mit dem Göttlichen, dem Menschen im All und den bereits befreiten Ahnen treten kann.

Arnold Keyserling
Musik und Sinn · 1997
Metaphysik der Weltkultur
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD