Schule des Rades

Arnold Keyserling

Vernünftige Hermetik

7. Eklektizismus - 8. Synkretismus

Die von der Schulphilosophie und akademischen Welt verachteten Methoden des Eklektizismus und Synkretismus, als der Suche von gültigen Entsprechungen in fremden Gedankengebäuden und auch der geistigen Wesenheiten im Sinne der alexandrinischen Epoche ist durch die moderne Esoterik des New Age und Human Potential Movement, und auch durch die postmoderne Absage an allen Elitarismus zur gültigen Methode geworden (Paul Feyerabend: everything goes). Die moderne Bewußt­seins­for­schung hat die drei Subjekte des Menschen, psychologisch Selbst, Wesen und Ich, chinesisch die drei Tandiens des CHI erfahrbar gemacht.

Die Komplementarität tritt an die Stelle des Widerspruchs und des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten, welche zur Verengung des rationalistischen Weltbildes führten. Synkretistisch ist die dissipative Ordnung von Prigogine, daß entropische Bruchstücke zerstörter Ordnungen immer zum Aufbau von Wesen höherer Stufen verwendet werden. Der Gegensatz Bohr — Einstein erfaßt alle Wissensgebiete. Die Quantenmechanik, das deterministische Chaos mit den vier Attraktoren und der fraktalen Selbstähnlichkeit hat dazu geführt, das analoge Denken — für Thomas von Aquin in der analogia entis die Grundlage der theologischen Philosophie — als Mutterboden und nicht als Gegensatz des logischen Denkens zu begreifen.

Arnold Keyserling
Vernünftige Hermetik · 1999
Studienkreis KRITERION
© 1998- Schule des Rades
HOMEDas RAD