Schule des Rades

Dago Vlasits

Wir müssen ihnen mitteilen

…daß Sie ein Nichts sind. Aber seien Sie beruhigt, dies gilt für alle Beteiligten. Alle Wesen, die sich in diesem Universum tummeln sind Nichtse mit ein bißchen etwas drumherum. Selbstverständlich gehen wir von der Annahme aus, daß Sie als Leser weder der Gattung der Steine, noch jener der Pflanzen, noch jener der Tiere angehören, noch sonst von einer unter- oder übermenschlichen Art sind. Für die eben Genannten ist nämlich vorliegendes Schreiben als gegenstandslos zu betrachten. Doch als menschliches Wesen werden Sie sich wahrscheinlich mit großer Leidenschaft an ihr persönliches Etwas klammern, etwa an Ihren Körper, an Ihre Mitgliedschaft bei einer Partei oder Religionsgemeinschaft, oder an die Tatsache, daß Sie besonders gute Steaks fabrizieren können oder daran, daß Sie ein Versager sind. In einigen Punkten können wir Ihr Klammern wirklich verstehen und mitfühlen. Manche Ihrer Besonderheiten sollten Sie jedoch auf den Müll schmeißen, da niemand damit Freude hat. Nun brauchen Sie natürlich bei Ihrer Läuterung nicht übertreiben und alles wegschmeißen. Vieles was Sie haben ist gut und wertvoll, und vor allem trägt es zur Vielfalt von dem bei, das wir Welt nennen. Die Welt — das sind die vielen Etwase, welche die Nichtse mit sich herumtragen.

Aber warum soll ich ein Nichts sein, wird so mancher beleidigt fragen. Vor allem wenn er ein besonders dickes Etwas sein eigen nennt, wie einen tollen Beruf, eine liebe Familie oder gar ein stattliches Bankkonto. Keine Angst, wir wollen Ihnen weder etwas wegnehmen noch Ihnen den Spaß verderben. Schließlich muß die Arbeit getan, für Nachwuchs gesorgt und die Steuer bezahlt werden. Und wenn es Sie freut — um so besser. Hier soll auch keiner zu Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit angeregt werden. Sie würden staunen, könnten Sie an dieser Stelle schon erahnen, wieviel Sinn und Verantwortung wir dem Menschen zumuten.

Vorerst lehnen Sie sich jedoch einmal gemütlich zurück und fragen Sie sich, wer Sie eigentlich sind. Was bleibt übrig, wenn Sie Schritt für Schritt etwas von Ihrem Etwas wegnehmen? in Gedanken wohlgemerkt. Sie wissen genau, daß Sie etwas wie das oben Genannte, nämlich Job, Familie und Geld — Gott bewahre! — verlieren könnten. Sie würde es aber noch immer geben. Wenn wir Ihnen jetzt auch noch die Möglichkeit ausmalen, daß Sie einmal versehens bei Rot über die Kreuzung fahren und dann nie wieder Tennis spielen könnten, dann werden Sie uns vollends für makaber oder zynisch halten… Nein, wir wollen Sie wirklich nicht erschrecken. Mit diesem Gedankenexperiment wollen wir nur verdeutlichen, daß Sie eine Menge Abstriche von Ihrem Leben machen können und daß Sie trotzdem Sie bleiben. Also fahren wir fort mit unserem existentiellen Striptease. Sie kennen zum Beispiel Augenblicke, wo Sie alles vergessen und nur mehr die Schönheit eines Gänseblümchens auf der Wiese empfinden, oder nur mehr an ein Wort denken, welches Sie in einem Lexikon suchen, oder nur mehr Ärger fühlen und wünschen, daß man Sie mit all diesen albernen Vorstellungen endlich in Ruhe läßt. Doch wir müssen auf weitere Reduktion insistieren und laden Sie ein zum Todessprung: Was bleibt, wenn Sie all diese Einzelheiten wie Sinnesdaten, Gedanken und Gefühle, auf die sich Ihre ganze Aufmerksamkeit konzentriert, auch noch ausblenden? Was bleibt, wenn Sie kein Gänseblümchen mehr sehen, kein Wort mehr denken und keine albernen Vorstellungen mehr verwünschen? — Nichts! Leere! Es ist die Leere Ihres Gewahrseins, die im nächsten Augenblick wieder einen neuen Bewußtseinsinhalt, ein neues Etwas aufnehmen kann. Wenn Sie bis an diese Grenze gehen, bleibt kein Was, aber ein Wer. Dieser Wer ist die Mitte ihrer Welt. Es ist die Mitte jeder Welt. Wo immer jemand Welt erlebt, ist es Wer. Es ist kein Ding, das man betrachten kann, es ist die Voraussetzung jeder Betrachtung. Und das sind Sie!

Tat tvam asi — Das bist Du — antwortet der Weise Uddalaka Aruni seinem Sohn in der Chandogya Upanischad. Er belehrt ihn darin, daß die unsichtbare Substanz im Kern der Frucht eines Feigenbaumes das Urschöpferische ist, aus dem der Baum und auch alles andere hervorgegangen ist. Dieser letzte Grund, aus dem die Welt besteht, ist identisch mit dem Selbst aller Wesen. Brahman, das Got oder Wu Chi sind nur einige der Namen, mit denen man im Laufe der Menschheitsgeschichte das Namenlose bezeichnet hat. Das Nichts, die Leere Ihres Gewahrseins ist identisch mit dem Nichts, dem die Welt entspringt, und diese Identität ist Ihre Identität und Ihre eigentliche Subjekthaftigkeit. Auf Grund dieser Erkenntnis müssen Sie nun nicht glauben, daß Sie der liebe Gott persönlich sind. Nur in jenen Momenten, in denen Sie zu diesem letzten Grund vorstoßen, haben Sie an dieser schöpferischen Urpotentialität teil.

Sie sind also — geometrisch gesprochen — das Nichts eines ausdehnungslosen Punktes, der in der Zeit des Augenblicks existiert. Dieses Nichts scheint sich aber nicht zu genügen. Offenbar hat es eine gewisse Freude daran, dauernd Etwas zu produzieren. So wie im Urknall die Welt aus dem Nichts hervorgeht, wird die Leere Ihres Gewahrseins dauernd von Etwas erfüllt. Der Wechsel von Nichts zu Etwas, der sich immer und überall im Universum vollzieht, geschieht aber nicht vollkommen chaotisch. Normalerweise wird in Ihrem dunklen Nichts nach einer gewissen Regelhaftigkeit Licht gemacht, denn neben Zufälligkeit ist Strukturiertheit das Hauptmerkmal Ihres Welterlebens, es besteht also grundsätzlich aus neuer Information und redundanten Wiederholungen, aus Chaos und Ordnung. Zuweilen gleicht Ihre Welt dem Durcheinander eines Feuerwerks, in ruhigeren Zeiten gleicht sie einer Leuchtreklame, bei welcher das Aufleuchten der einzelnen Lämpchen zu homogenen Gestalten und kontinuierlichen Bewegungen organisiert ist. Falls sich Ihre Welt ausschließlich wie ein Feuerwerk ausnimmt, wird man Ihnen bald einen anderen Wohnort zuweisen, da Sie für Ihre Mitmenschen ein ziemliches Problem darstellen. Es werden sich dann professionelle Helfer um Sie kümmern. Falls hingegen in Ihrer Welt immer alles wie am Schnürchen läuft, ihre Welt nur aus Reklametafeln mit immer gleichen stereotypen Gestalten und Bewegungen besteht, wird man Sie zwar zu den verläßlichen Staatsbürgern zählen, doch die Langeweile könnte unerträglich werden. Halbwegs lustig wird das Leben erst dann, wenn Sie verstanden haben, daß Sie immer wieder etwas Feuerzauber erleben dürfen, und die auftauchenden Lichter des Feuerwerks dann zu neuen Reklametafeln organisieren sollen — wenn Sie können. Wenn sich Ihre Gestaltung dann auch noch sinnvoll in das bestehende Ambiente einfügt, wird sie von den anderen als ein neues Stück Welt akzeptiert und Sie werden als kreativer Neuerer gefeiert.

Doch wie kommt man in diese beneidenswerte Lage? Viele sind bereits dort, Genies, die einfach kreativ sind, ohne vorher groß darüber philosophiert zu haben, wie denn eigentlich die Welt funktioniert. Es sind zumeist Menschen, die auf der Feuerwerkseite des Lebens geboren sind. Die konnten gar nicht anders als ihr persönliches Chaos zu bändigen und kreativ werden. Bevor Sie nun, werter Leser, den ungleich verteilten Feuersegen als ungerecht empfinden, bedenken Sie erstens, daß es nicht jeder von den obengenannten zu Weltruhm gebracht hat, sondern daß so mancher einfach abgebrannt ist. Und die Erfolgreichen hatten es auch nicht immer leicht, oft haben sie sich die Finger gehörig verbrannt. Zweitens, und das sei besonders hervorgehoben und als unser Anliegen und Angebot verstanden, geben wir Ihnen zu bedenken, daß auch Sie die Möglichkeit haben Ihre Genialität zu erlernen. Anstatt mit dem Schicksal zu hadern, sollten sie von dieser Möglichkeit weitestgehenden Gebrauch machen.

Um Ihnen nun unser Angebot näherzubringen, haben wir uns trotz allem Respekt vor dem Humanum erlaubt, Sie schlicht als in­for­ma­tions­ver­ar­bei­ten­des System zu begreifen. Denn ob Sie nun den Menschen als göttliches Wesen oder als eine molekulare Rechenmaschine zu verstehen belieben — wie jeder vernetzte PC ist auch der Mensch dadurch zu definieren, daß er Informationen empfängt, verarbeitet und sendet. Information aber ist letztlich immer Wirkung, also das, was Wirklichkeit erschafft. Gleichzeitig finden Sie aber natürlich auch eine bereits fertige Wirklichkeit vor, diese entspricht dem Netz, in welches Sie eingebunden sind, Ihrer Hardware und dem Betriebssystem, nach welchem Sie funktionieren. Leider sind die meisten Menschen damit nicht besonders gut vertraut. Daher konzentriert sich unsere Lektion zum einen darauf, Sie daran zu erinnern, welche Komponenten unverzichtbar zum Menschsein gehören, zum anderen auf das Bewußtmachen der aufregenden Tatsache, daß jeder Mensch ein offenes System ist, welches völlig neue Information aufnehmen kann, auch solche, welche noch nie ein anderer menschlicher Rechner auf seine Festplatte runterladen konnte. Doch von welcher Datenbank kommen diese neuen Informationen? Nun, erinnern Sie sich an die Erkenntnis, die all Ihre persönliche Wichtigkeit zunichte machte und gegen die Sie sich anfangs so gewehrt hatten, nämlich die Erkenntnis, daß Sie ein Nichts sind. Dieses Nichts ist identisch mit dem schöpferischen Ursprung von allem was war, ist und sein wird. In ihrem persönlichem Dasein ist dieses Nichts die Nahtstelle zwischen der unendlichen Informationsfülle des Chaos und der endlichen Information der Ordnung.

An dieser Stelle müssen wir auch pflichtgemäß eingestehen, daß unser respektloser Vergleich Ihres Daseins mit einer Rechenmaschine nicht ganz richtig ist. Sie sind nicht ausschließlich ein Blechtrottel, der nur vorgefertigte Informationen und Programme aus dem Netz runterlädt. Wann immer sie leer und offen sind, steht Ihnen die unendliche Datenbank des Chaos gratis zur Verfügung. Dieser Zugang steht ihnen dann offen, wenn auftretende Systemfehler den üblichen Ablauf Ihrer Programme durcheinanderbringen, was man gemeinhin als eine Krise bezeichnet, oder wenn Sie in der Meditation alle Programme abschalten und auf leer gestellt sind, oder wenn Sie sich einfach ihr Nichtwissen eingestehen und lange genug eine fragende Haltung einnehmen. Was dann geschieht, ist nicht einfach ein download, sondern muß ganz traditionell als Inspiration bezeichnet werden. Nur hierin unterscheiden Sie sich von anderen in­for­ma­tions­ver­ar­bei­ten­den Systemen. Veränderungen durch zufällige Mutationen oder durch Lernen gibt es auch bei nicht-menschlichen Systemen, doch nur der Mensch kann wissen, daß er Nichts ist, und daß das Gewahrsein der Leere den Zugang zu Kreativität und Genialität bildet.

Neben Krise, Meditation und Frage ist auch eine besondere Art des Wissens geeignet, die schöpferische Offenheit zu erlangen. Aus diesem Grunde haben wir auch zur Metapher des Computers gegriffen, denn dieser Weg geht über das Kennenlernen der Grundkomponenten und des Betriebssystems, welches Ihnen der Kosmos zur Verfügung gestellt hat. Andererseits geht es um ein Ent-lernen, um ein Löschen falscher Programme, die in Ihrem Leben ihr Unwesen treiben und Sie daran hindern, Ihrer ureigensten Natur gewahr zu werden. Denn solange Sie die Gesamtheit der Systemkomponenten und Programme nicht kennen, sind Sie durch diese unbewußt bedingt. Damit Sie nun beginnen können, Programmierer ihres eigenen Lebens zu werden, haben wir anbei die Grundkonfiguration Ihres Bewußtseinscomputers zur Darstellung gebracht:

F u n k t i o n e n · B e r e i c h e

Aus jeder der sieben Komponenten können Informationen in Ihr Gewahrsein gelangen, als Sinnesdaten, Gedanken, Gefühle, Entscheidungen, Körpererfahrungen, Beziehungserlebnisse oder Vorstellungen und Visionen der imaginalen Welt. Über diese Komponenten können Sie auch ebensolche Informationen an ihre Mitwelt senden. Ob es sich beim Gesendeten und Empfangenen aber um Erkenntnisse oder Irrtümer, Beziehungsprobleme oder Harmonie, um Verspannungen oder Orgasmen handelt, hängt vom Zustand und Gebrauch ihrer individuellen 7 Komponenten ab. Ihre Gefühlskomponente etwa kann beispielsweise mit einem unzulänglichen Treiber ausgestattet sein, oder eine Programmschleife läßt dauernd eine kleine, schäbige Animation ablaufen, die Sie zur Verzweiflung treibt. Genauso erzeugt vielleicht die falsche Einstellung der Scanner ihrer 5 Sinne ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit. Zu Ihrer Entschuldigung sei vermerkt, daß Sie ja ersteinmal nichts dafür können, denn was durch die 7 Komponenten in ihr Gewahrsein gelangt, ist bereits organisiert und programmiert, bevor Sie noch selbständig zu denken beginnen. Dafür sind einerseits die Tugenden und Blödheiten Ihrer Eltern verantwortlich, andererseits die Erkenntnistiefe und Beschränktheit der lokalen Kultur, welcher Sie angehören. Auf einer tieferen Ebene aber gibt es eine natürliche Systemik, welche weder auf dem elterlichen noch auf dem zivilisatorischen Mist gewachsen ist, und das ursprüngliche Funktionieren ihres Lebens bedingt. Diese ursprüngliche Grundkonfiguration wollen wir kurz definieren:

  1. Die Voraussetzung jeglicher Bewußtwerdung ist die Leere Ihres Gewahrseins, es ist das wahrnehmende Subjekt. Die Totalität aller möglichen Bewußtseinsinhalte läßt sich nun durch 7 Inbegriffe definieren, welche dem Gewahrseins als achtem (oder nulltem) bewußt werden können.
  2. Empfinden ist die Welt der sinnlichen Erfahrung, welche Ihnen durch sehen, hören, riechen, schmecken und tasten vermittelt wird.
  3. Denken ist die Welt der Sprache, welche uns Kommunikation und das Entwickeln von alltäglichen als auch wissenschaftlichen Strategien ermöglicht.
  4. Fühlen ist die Welt der 4 Triebe Sicherung, Aggression, Nahrung und Reproduktion. Als Motive, Wünsche und Träume sorgen sie für die Erhaltung des Organismus, treiben zu Entfaltung und Wachstum an.
  5. Das Wollen ist leer, doch auf die Welt der Kräfte aller Art gerichtet. Ansatzpunkt jeglichen Handelns ist das Wählen, das Richten der Aufmerksamkeit auf irgendeine Kraft oder energetische Äußerung in diesem Universum. Im Entscheiden und Entschließen greifen wir verändernd in die Welt ein. Das Wollen ist also der Schalter, durch welchen wir uns einerseits dem Feuerwerk der Schöpferkraft öffnen, andererseits unsere Erleuchtungen in Sinn und Ordnung verwandeln.
    Das Urereignis, welches für alles verantwortlich zeichnet, haben wir schon eingangs vorgestellt, es ist der Schritt von Nichts zu Etwas, von Null zu Eins. Dieser Prozeß vollzieht sich myriadenfach in jedem Augenblick und erschafft unser Universum. Im Mikrokosmos ist es die Aktualisierung der Quanten als Masse/Energie, im menschlichen Bewußtsein das Gewahrwerden einer Information, makrokosmisch die Aktualisierung der Raumzeit, des Alls im Urknall. Als Wollende stehen wir dieser Urkraft gegenüber, können uns ihr öffnen oder verschließen.
  6. Der Körper ist die Welt des organischen Zusammenhangs; Aufbau und Funktion beruhen auf dem genetischen Code. Der Körper ist unsere Habe, unsere Anlage, welche wir von der Vergangenheit geerbt haben, oft genug in Form muskulärer Verspannungen. Wirkliches In-Besitz-Nehmen erringt man nur durch Entwicklung des Körpergewahrseins, die Erfahrung der Körperganzheit durch den kinästhetischen Sinn.
  7. Die Seele ist die Welt der personalen Beziehungen. Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn und Tochter sind die 6 möglichen Rollen, welche im komplexen Spiel der gesellschaftlichen Prozesse eingenommen werden. Hier ist der Stoff, aus dem die Beziehungsprobleme sind, denn die unbewußten Eltern-, Erwachsenen- und Kind-Ichs geben reichlich Gelegenheit zu Manipulationen und Abhängigkeiten aller Art. Hier passieren Verwechslungen wie jene von Papa und Chef, oder daß sie etwa meinen, Mamas Anstandsregeln könnten ihren guten Ruf sichern, anstatt daß Sie die eigenen Werte finden, für die Sie einstehen und die Ihre echte Integrität und Autorität begründen. Alle gesellschaftlichen Interaktionen vollziehen sich auf Basis dieser sechs Rollen, doch nur wenn Sie immer wieder hinter diese Rollen treten, ist echte seelische Begegnung in der Gegenwartmöglich.
  8. Der Geist ist die Welt der Imagination und Vorstellung ganzheitlicher Bilder und Gestalten. Er ist nicht der Bodensatz des kulturellen Lebens in Sinne der Welt 3 von Popper, die als Bibliotheken und ähnliche Institutionen erkennbar ist. Vielmehr ist Geist das Erregende im Sinne der chinesischen Philosophie, das was uns erschüttert und ergreift. Der Geist ist immer Zukunft, das Zukommende, aus welchem wir unseren ureigensten Weg kreieren.

Dies sind also in knappen Worten die Bewußtseinskomponenten mit deren Möglichkeiten und Eigenschaften. Es läßt sich noch viel mehr darüber sagen, Sie werden aber verstehen, daß wir Ihre werte Aufmerksamkeit nicht über Gebühr strapazieren wollen. Den Hinweis, wie der nächste Schritt zum tieferen Verständnis Ihres Bewußtseinscomputers aussieht, wollen wir Ihnen trotzdem noch zumuten.

Im ersten Schritt haben wir Sie zu einem Nichts reduziert, im zweiten ihre 7-fältige Grundkonfiguration, ihr fundamentales Etwas, welches sie mit allen Menschen teilen, bewußt gemacht. Im dritten Schritt wollen wir sie nun schließlich zu ihrer wahren Lebensgröße aufblähen, wobei sie nun feststellen werden, daß sie eigentlich in einer zwölffältigen Lebenswelt existieren. Die 4 zeitartigen Funktionen empfinden, denken, fühlen und wollen kombinieren sich mit den 3 raumartigen Bereichen Körper, Seele und Geist zu 12 Raumzeit-Sphären, traditionell als die 12 Tierkreiszeichen der Astrologie bekannt. Letztere hält für Sie einen reichen Schatz an Wissen bereit, und einen noch reicheren an Quatsch, denn zugegebenerweise ist die königliche Kunst heute ziemlich heruntergekommen. Besitzen sie aber den rationalen Schlüssel der hier vorgestellten Inbegriffe, so können sie selbst in den schäbigsten Astrologiebüchern einige brauchbare Informationen finden und die Spreu vom Weizen trennen. Vielleicht sind Sie in der Lage, mit Hilfe unserer Inbegriffe sogar dem schwülstigsten Geraune aus dem esoterischen Blätterwald etwas Sinn zu entnehmen und sich selber einen ersten Reim auf das Ganze zu machen. In der Hoffnung auf solch selbständiges Erarbeiten der relevanten Einsichten wollen wir Ihnen dennoch zumindest eine skizzenhafte Darstellung der zwölf Aspekte Ihrer möglichen Lebensganzheit zu liefern:


I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
Tierkreis
Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische
Inbegriffe
Seele-wollen
Körper-empfinden
Geist-denken
Seele-fühlen
Körper-wollen
Geist-empfinden
Seele-denken
Körper-fühlen
Geist-wollen
Seele-empfinden
Körper-denken
Geist-fühlen
persönlich
Persönlichkeit
Besitz
Werdegang
Familie
Meisterung
Arbeit
Gemeinschaft
Tod
Aufgabe
Beruf
Freunde
Erfüllung
kulturell
Politik
Kunst
Wissenschaft
Ernährung
Pädagogik
Wirtschaft
Recht
Exekutive
Religion
Staat
Kultur
Medizin
körperlich
Kopf/Nervensystem
Nacken/Haut
Arme/Lungen
Brust/Magen
Rücken/Herz
Bauch/Gedärm
Hüfte/Nieren
Genitalien/Ausscheidung 
Oberschenkel/Leber
Knie/Gelenke
Unterschenkel/Skelett
Füße/Milz

Die 12 sind zeitlich und räumlich zu verstehen, zeitlich als 84-jähriger Lebenskreis, bei welchem alle 7 Jahre ein anderes Lebensthema in den Vordergrund tritt, räumlich als jene Weltzwölftel, deren Berücksichtigung eine ganzheitliche Lebensführung ermöglichen, denn die 12 sind ein Bild des integrierten Körpers vom Kopf bis zu den Füßen. Lassen sie eines aus, so ist ihr Leben genauso reduziert, als ob sie ein Organ oder Körperteil nicht gebrauchen würden. Zugleich ist der Tierkreis der Körper des Großen Menschen, nach diesem Muster ist die menschheitliche Zivilisation organisiert. Die Funktionen und Kapazitäten der 12 Körperteile und inneren Organe müssen Sie, werter Leser, durch analoges Schließen in ihrer individuellen Lebensganzheit und in der kollektiven Zivilisation selber wiedererkennen, bzw. sich darauf einstimmen und Ihr Leben danach organisieren.

Wie Sie sehen, läßt unsere Mitteilung an Knappheit nichts zu wünschen übrig, Sie werden schon mehr tun müssen, als diese Mitteilung zu lesen, wenn Sie Meister ihres Bewußtseinscomputers werden wollen. Was wir Ihnen aber trotz aller Kürze nicht vorenthalten dürfen, ist eine Auflistung der Verarbeitungsmodi, welche Sie auf das auf Sie einstürmende (oder eintröpfelnde) Leben anwenden sollten. Es gibt neun dieser Verarbeitungsmodi, mittels welcher Sie auf die einwirkende Information, welche Ihnen Ihr Leben anbietet, rückwirken können:

  1. heilen
  2. gestalten
  3. erkennen
  4. sorgen
  5. unternehmen
  6. kommunizieren
  7. kämpfen
  8. verantworten
  9. entwerfen

Es sind die neun Planeten unseres Sonnensystems, an diesen können Sie die variable Konstellation der neun Wirkweisen ablesen. Sie bestimmt die Wirklichkeit und die daraus resultierenden Möglichkeiten in jedem Augenblick. Von besonderem Interesse für Sie dürfte dabei die Konstellation im Augenblick Ihrer Geburt sein, denn das Geburtshoroskop ist Ihr persönlicher Schaltplan, aus welchem Sie entnehmen können, wie die neun Verarbeitungsmodi bei Ihnen zusammenwirken, und in welchen der zwölf Raumzeit-Sphären Sie besondere Aktivitäten entwickeln sollten.

Die neun Wirkweisen entspringen den Qualitäten der 9 Zahlen selbst. Eigentlich sind die Zahlen der Urstoff, aus welchem alle Informationen gebaut sind, die Information der Hardware wie der Software ihres Kosmos verdankt ihr Sein den Zahlen. Somit sind Sie also in eine durch die Zahlen vorgefertigte Welt hineingeboren worden, als User und potentieller Programmierer können sie diese dennoch nach eigenen Maßgaben teilweise verändern. Auf dieser Ebene der Einsicht stehen Ihnen dann die neun Zahlen als die besagten Verarbeitungsmodi zur Verfügung. Neben dieser Liste der Wirkweisen gibt es noch drei weitere Listen, wo die neun als Sprachktegorien, als emotionale Entwicklungskrisen und als metaphysische Wesenheiten definiert sind, doch davon ein andermal.

Um das ganze abzurunden, wollen wir abschließend noch den 12-fältigen menschlichen Kosmos und die neun Wirkweisen in ihrem systemischen Zusammenhang darstellen, also den Tierkreis mit dem darin integrierten Enneagramm der neun Zahlen.

E n n e a g r a m m · i m · T i e r k r e i s

PS:

Eine vollständige Gebrauchsanweisung Ihres Bewußtseinscomputers können wir leider nicht liefern, verweisen Sie daher an das Rad (Raumzeit — Administration für Demiurgen) und verbleiben hochachtungsvoll.

Die Firma

Dago Vlasits
Wir müssen ihnen mitteilen · 1996
© 1998- Schule des Rades
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