Schule des Rades

Dago Vlasits

Die Kaaba des Kosmos

Die Sprache des Würfels

Wir wollen die mathematische Natur der Kaaba, also die geometrischen und numerologischen Strukturen des Würfels in der Überzeugung erforschen, dass seine verschiedenen Elemente und Ebenen die Anfangsgründe unseres subjektiven Gewahrseins, als auch den Keim der Formen der erscheinenden Welt widerspiegeln. Auf dem Weg solcher Forschung wird der Würfel von einem trivialen dreidimensionalen Objekt zu einem komplexen Wesen, er wird ein Wegweiser zum Wesen der Dinge überhaupt. Seine wortlose Sprache erweist sich dann auch als die Sprache der Atome, der Sterne und des Lebens. Aber kann uns denn die einfache geometrische Gestalt des Würfels tatsächlich auch etwas über die Dinge in Mikro-, Makrokosmos und Mesokosmos sagen? Wird das minimalistische Konzept des Kubus als eine Quelle objektiver Erkenntnis nicht bloß äußerst simplifizierte, ja triviale Erkenntnisse liefern, wenn man in Betracht zieht, daß uns ja über den Mikro- und den Makrokosmos eigentlich nur so ausgefeilte Theorien wie Quanten- und Relativitätstheorie kompetente Auskunft geben? Und ist für ein Verständnis des Mesokosmos, der vor allem durch Leben, und im besonderen durch bewußtes Leben ausgezeichnet ist, nicht eher die Chaostheorie, und eine auf ihren dynamischen Mustern aufbauende Biologie und Bewußtseinsforschung zuständig? Was eine analytisch durchdringende Welterkenntnis betrifft, müssen wir obige Einwände gelten lassen, denn nur der naturwissensschaftlichen Methode ist eine solche Erkenntnis zugänglich. Dennoch lassen sich grundlegende Muster, welche die Naturwissenschaften über den materiellen Kosmos gefunden haben, auch im Kubus finden. Die Erkenntnis dieser Muster, welche geometrischer und numerologischer Natur sind, ermöglicht eine ganzheitliche, integrale Schau der materiellen Welt, wodurch dann unsere eigentliche Intention erfüllt werden kann, die keine wissenschaftliche, sondern eine spirituelle ist. Einer solchen Spiritualität ist der Kubus ein vereinigendes Urbild, welches den Menschen auch die naturwissenschaftlichen Einsichten in einer für das geistige Leben relevanten Weise schauen läßt. Das Studium der mikro-, makro- und mesokosmischen Strukturen dient dann nichts anderem als der Erweckung des Menschen zum Selbst, das er seit jeher ist, der Schaffung des Wesens als zukunftsweisendes Werk und der Verlebendigung des Ich in der Gegenwart des Du.

H y p e r k u b u sWir betrachten das Modell eines Würfels mit den vier Raumdiagonalen: Die Mitte des Kubus, der Kreuzungspunkt der Diagonalen, ist das Herz dieser Welt, der namenlose, göttliche Urgrund. Die peripheren Strukturen, die sich um diese nulldimensionale Mitte lagern, zeigen die verschiedenen Ebenen und Aspekte der Welt und aller ihrer Wesen, einschließlich des Menschen. Das Verstehen und Bewußtwerden dieser Strukturen bedeutet für letzteren, sein Leben auf diesen göttlichen, schöpferischen Urgrund zu eichen, den Weg zu dieser Mitte dauernd offenzuhalten. Sie ist die Potentialität, aus der alles werden kann, ihr entspringen die Dimensionen des Kubus über die vier Diagonalen. Faltet man diese vier wieder in die nullhafte Mitte ein, was hier durch Produktbildung geschieht, ergibt dies die Zahl Neun (W u r z e l - 3)⁴ = 9, also die gesamte Potentialität der 10 Ziffern, die Chiffren allen Sinnes und aller Gestalt sind in der Mitte geborgen.

Das Nichts der Mitte ist das Schöpferische, aus ihm entfaltet sich das All. Mit diesem Schritt von Nichts zu Etwas sind zugleich drei Kosmen entfaltet, formal am Kubus als die drei konzentrischen Sphären erkennbar, von denen eine die Mittelpunkte der sechs Flächen berührt, eine, die bis zu den Mittelpunkten der 12 Kanten reicht, und eine, deren Grenze sich mit den acht äußersten Grenzpunkten des Kubus deckt.

H y b e r k u b u s

Was der Kubus also veranschaulicht, ist die schöpferische Potenz in den Zehn der Mitte, der schöpferische Prozeß in den 4 Diagonalen und die Struktur der Schöpfung in den drei Sphären: Aus der Null, die eigentlich Zehn ist, entsteht das All der vierdimensionalen Raumzeit, drei Kosmen umfassend. Der Mikro-, Meso- und Makrokosmos, repräsentiert durch die 8 Ecken, 12 Kanten und 6 Flächen sind die Welt der Atome, der Sterne und des Lebens, chinesisch Erde, Himmel und Mensch.

Dago Vlasits
Die Kaaba des Kosmos · 1998
Studienkreis KRITERION
© 1998- Schule des Rades
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