Schule des Rades

Dago Vlasits

Vom Sinn der Zahl - Teil II

Selbstorganisation

s e l t s a m e r - A t t r a k t o rIn der Physik gelten die drei bisher besprochenen Attraktoren als berechenbar. Stabilität (Torus), Regelmäßigkeit (Zyklus) und Strebensrichtung (Fixpunkt) eines Systems sind eindeutig erkennbar. Sie sind auch in der klassischen Dynamik bekannt, revolutionär war die Entdeckung des seltsamen oder chaotischen Attraktors durch den Meteorologen Edward Lorenz. Er ist das Bild der kreativen Dynamik, hier wird die irreversible Zeit zur kreativen Zeit, die Wesen und Systeme an Entscheidungspunkte führend, an denen zwischen Alternativen gewählt werden kann. Dadurch wird neue Information in das System eingeführt und dieses selbst verwandelt.
Attraktoren sind natürlich keine 1 : 1 Abbildungen wirklicher Gestalten, wenngleich in einem im Meer mündenden Fluß, einer stürzenden Masse oder einem erlöschenden Feuer unschwer das Wirken eines Fixpunktattraktors zu erkennen ist, und im Kreisen eines Himmelskörpers oder den Routinen einer Tiergesellschaft jenes des Grenzzyklus. Was Attraktoren eigentlich zeigen, ist die Art der Zeit, durch welche ein Wesen oder System läuft. Im 4. Attraktor bewegt sich nun das Wesen in einer Zeit, auf welche Bergson Wort wohl passen würde: Zeit ist kreative Zeit, oder sie ist gar nichts.

Liegt ein System auf einem seltsamen Attraktor, läuft es durch die Zeit des Chaos, durch ein Meer von Zeitpunkten, jeder von ihnen eine neue und nicht vollständig faßbare Information und eine Entscheidungsmöglichkeit eröffnend. Diese Punkte sind die komplexen Zahlen, welche man als Summe einer reellen (irrationalen) und einer imaginären Zahl angibt (c = a + b × i). Bevor wir aber die Dynamik des seltsamen Attraktors noch näher unter die Lupe nehmen, wollen wir uns kurz den Zeitbegriff und seine Wandlungen ihm Rahmen der Naturwissenschaften in Erinnerung rufen.

Dago Vlasits
Vom Sinn der Zahl - Teil II · 1995
Studienkreis KRITERION
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